Selbstmanagement: In der Krise die eigene Mitte finden

Geschrieben von: Michael Blochberger (16.01.2009)

"Wirtschaftswachstum: In Riesenschritten abwärts" – "Aufträge im deutschen Maschinenbau brechen um 30 Prozent ein" – "Jeder Vierte fürchtet große Wirtschaftskrise" Ich bin irritiert und genervt. Habe seit der ersten Ölkrise 1973 einige Krisen erlebt und deren Folgen zu spüren bekommen. Aber noch nie habe ich solche Widersprüche zwischen der Alltagsrealität und den Horrormeldungen festgestellt...

Klar: Die Banken haben nach der Immobilienblase in den USA Angst, Kredite zu vergeben, aber etwas mehr Vorsicht tut der Branche ganz gut. Klar: Die Automobilbranche steckt in großen Schwierigkeiten, aber nicht erst seit dem Crash im Oktober. Und sonst? Für mich gibt es keine Anzeichen von Krise oder bevorstehenden Katastrophen. Kommt da jetzt ein "Mega-Crash" wie 1929 auf uns zu oder wird hier nur der Teufel an die Wand gemalt?
 
Ich weiß es nicht. Aber die, die es wissen sollten, warnen vor dem, was da kommen soll. Die ängstliche Stimme in mir möchte den Wirtschaftswissenschaftlern glauben. Aber da sind noch andere Stimmen, die dem Stil dieser Meldungen misstrauen. Ist das nicht die gleiche extreme Sprache, die gleiche Hysterie, der gleiche Wahnsinn mit dem vor einem Jahr noch Hedge-Fonds verkauft wurden? Nur mit anderem Vorzeichen?
 
Ich will und werde mich nicht verrückt machen lassen von dieser Stimmungsmache. Deutschland hat zwei Weltkriege überlebt, den Schwarzen Freitag 1929, Währungsreformen und die Wiedervereinigung. Nichts rechtfertigt Panikmache bevor die Katastrophe eintrifft, solange wir nicht weglaufen können.
 
Wer schreibt uns vor, dass wir immer zwischen überzogener Euphorie und Angstpsychosen wechseln müssen? Können wir nicht mehr normal sein? Dieses Auf-und-Ab trägt für mich krankhafte Züge. Ich bin nicht bereit, das mitzumachen und versuche, bei mir zu bleiben. Jeder, der sein Leben und seine Arbeit verantwortungsbewusst gestaltet, wird auch diese Krise überstehen! Ja, sie ist wieder eine Chance, zu sich selbst zu finden und zur Mitte zu kommen. Und das haben wir dringend nötig!
 
Auf der Strecke bleiben immer nur diejenigen, die (das gilt für den Beruf ebenso wie für das Private)

  • ihre Kosten nicht im Griff haben, also auf Pump oder am Limit leben
  • sich den negativen Einflüssen anderer unterwerfen statt eigenverantwortlich zu handeln
  • am Überholten festhalten, statt für Veränderungen offen zu sein

Und das sind immer die, die am lautesten nach Hilfe schreien und Panik machen.
 
Wer eigenverantwortlich und selbstbestimmt wirtschaftet, besitzt die (finanziellen) Reserven, eine Krise abzufedern, unabhängig die richtigen Entscheidungen zu fällen und neue Wege zu beschreiten. Wer das nicht kann, hat sich aufgegeben, in guten Zeiten etwas falsch gemacht oder macht sich von äußeren Faktoren abhängig (wie der Staat).
 
Führung in der Krise basiert zunächst auf einem guten Selbstmanagement. Und das meine ich wörtlich! Sich selbst managen heißt ja, sich nicht manipulieren lassen, selbst- und kostenbewusst konsumieren, die eigenen Grenzen erkennen, seine Chancen wahrnehmen und last not least: seine Emotionen selbst zu lenken!
 
Selbstmanagement heißt in der Konsequenz:

  • Ich darf mich NICHT zum Opfer äußerer Stressfaktoren machen lassen!
  • Ich bin eigenverantwortlich für meine Ängste und negativen Gefühle und kann diese verändern!
  • Ich bestimme über meine Einstellungen und meine Glaubenssätze selbst!
  • Ich kann lernen, Probleme, Niederlagen und Krisen als Chance zu verstehen und diese zu nutzen!
  • Ich kann mein Leben selbst gestalten und verändern, wenn ich es will!

Ich entscheide, wann es für mich eine Krise gibt. Bis dahin versuche ich, gelassen zu bleiben und mich von den Extremen fern zu halten. Vielleicht sind diese Tage ein gutes Training zur Verbesserung unserer Resilienz? So können wir uns darauf vorbereiten: Flexibilität und Belastbarkeit stärken und  Selbstbewusst zum Stehauf-Manager