Plädoyer für Überzeugungstäter

Geschrieben von: Michael Blochberger (09.07.2008)

Es gibt Situationen, da bin ich spontan von etwas begeistert: Ein wunderschön angelegter, blühender Garten, das gelungene Design eines neuen Autos oder der harmonische Abschluss eines Persönlichkeitstrainings. Das sind Eindrücke, die mich emotional berühren und deshalb für mich absolut überzeugend sind.

Von meiner eigenen Leistung bin ich nicht so leicht zu überzeugen. Gute Lösungen sind nicht nur selten, sie kommen auch nicht von allein. Ich muss zugeben, dass ich mir meine Überzeugung oft mühsam erarbeiten muss:
 
Das Erarbeiten eines neuen Themas, der Kauf eines Computers oder die Planung unserer neuen Küche sind für mich oft mühsame Quälerei. Vor allem Tätigkeiten und Entscheidungen auf mir unbekanntem Terrain fallen mir extrem schwer. Da fühle ich mich unsicher und benötige viel Zeit, bis ich emotionale Sicherheit finde.
 
Tage-, wochen-, ja monatelang lasse ich mich inspirieren, sammle Informationen, recherchiere im Internet, vergleiche technische Daten oder inhaltliche Fakten und gleiche diese mit meinen persönlichen Ansprüchen und Bedürfnissen ab. Durch diese mühselige Puzzlearbeit schaffe ich langsam eine Vorstellung von dem, was ich eigentlich will.
 
Steinchen für Steinchen lasse ich vor meinem inneren Auge ein Bild entstehen, mache Skizzen, wäge Argumente und Gegenargumente ab, korrigiere und optimiere, wechsle die Perspektiven. Solange, bis sich in mir emotional kein Widerstand mehr regt und ich von meiner Vorstellung selbst begeistert bin.
 
Überzeugung als emotionale Energiequelle
 
Erst wenn mein letzter Zweifel beseitigt ist, fühle ich mich sicher genug, wichtige Dinge zu entscheiden. Alle sachlichen Informationen, alle rationalen Fakten, alle Kontrollschleifen dienen dabei ausschließlich dazu, mir emotionale Sicherheit zu geben. Erst wenn ich mich emotional berührt fühle, kann ich selbstsicher entscheiden und handeln.
 
Diese innere Überzeugung gibt mir dann eine lustvolle Energie, meine Entscheidung, meinen Plan oder diese meine Vorstellung auch umzusetzen. Sie sorgt dafür, dass ich auftretende Probleme als Herausforderung verstehe, dass ich Schwierigkeiten überwinde und bei Rückschlägen schnell neue Lösungswege finde. Meine innere Überzeugung wird zur Energiequelle, sie trägt mich regelrecht ins Ziel und zum Erfolg.
 
Ich kann mich nicht entsinnen, dass mir eine Sache, von der ich wirklich überzeugt war, misslungen wäre. Aber ich kann unzählige Situationen schildern, in denen mir etwas misslungen ist, weil ich nicht wirklich überzeugt war.
 
Immer wenn ich von etwas nicht überzeugt bin, beginne ich bei Schwierigkeiten zu zweifeln, lasse mich frustrieren, mache Entscheidung rückgängig oder gebe auf. Das ist nicht nur wenig Erfolg versprechend, das ist auch höchst frustrierend. Und weil ich es viel angenehmer finde, motiviert und engagiert in den Tag zu gehen, als mich frustrieren zu lassen, kämpfe ich lieber im Vorfeld für meine Überzeugung.
 
Wer nicht überzeugt ist, kann nicht überzeugen
 
Auch wer andere von etwas überzeugen will, muss zunächst sich selbst überzeugen können. Alle sachlichen Argumente, alle technischen Daten, alle rationale Fakten können als Hilfsmittel dienen, den anderen die eigene Überzeugung zu vermitteln. Letztendlich sind Argumente aber nur die Stufen, auf denen ich meinen Zuhörer zur gewünschten Begeisterung führe .
 
Eine überzeugende Präsentationen zum Beispiel entwickelt Chart für Chart eine emotionale Dramaturgie. Jeder Schritt ist selbsterklärend und logisch aufeinander aufgebaut, nicht zu groß und nicht zu klein, damit der Spannungsbogen nicht abreißt. Die Lösung oder Schlussfolgerung am Ende wirkt dann wie die einzig machbare (Er-)Lösung, weil sie die aufgebaute Erwartung befriedigt.
 
Der oberflächliche Betrachter wird dann sagen: Die Argumente haben mich überzeugt. Wer genau hinschaut, wird feststellen: Der Moderator war überzeugend, weil er uns an seiner Begeisterung hat teilhaben lassen. Er war auf alle Wenns und Abers vorbereitet. Er war bereit, uns zu seiner Überzeugung zu führen. Wir haben die Kraft seiner Begeisterung gespürt.
 
Menschen lassen sich von Argumenten leiten. Überzeugen lassen sie sich allein durch Emotionen. Wir Menschen haben den tiefen Wunsch, uns für etwas begeistern zu können und sind dankbar für jeden, der die Initiative ergreift und uns für eine Idee oder eine Sache zu entzünden versteht.
 
Persönlichkeit ist Überzeugungskraft
 
Als Trainer bin ich ein Dienstleister besonderer Art: Ich verkaufe nicht nur Produkte, von denen ich überzeugt sein muss, ich muss vor allem als Persönlichkeit glaubwürdig sein. Das kann nur funktionieren, wenn ich hinter dem stehe, was ich denke, fühle und darstelle.
 
Ein Seminarthema, das mich nicht interessiert, eine Trainingsmethodik, die mir wertlos erscheint, ja schon ein unpassendes Seminarumfeld nimmt mir die Glaubwürdigkeit um zu überzeugen. Nur wenn ich als Persönlichkeit eins bin mit meinem Handeln, kann ich wirklich gut sein.
 
Je klarer ich meine Ansprüche vertrete, je mehr ich zu meinen Bedürfnissen stehe, je mehr ich meinen Charakter lebe, desto authentischer und bewegender wird das Bild, das ich anderen vermitteln kann. Überzeugung ist das Ergebnis von Selbstführung, Glaubwürdigkeit, Wertschätzung und Begeisterungsfähigkeit. Letztendlich sind das Faktoren der Emotionalen Intelligenz .
 
Die Meinung anderer blind übernehmen, falsche Kompromisse machen oder Dinge tun, die wir nicht vertreten können, das steht unserem Erfolg im Weg. Hinter allen großartigen Dingen dieser Welt stehen immer engagierte Persönlichkeiten. Sie sind selten Genies. Aber Sie tun ihre Arbeit aus Begeisterung. Und sie verstehen es, für ihre Überzeugung zu kämpfen. Nehmen wir uns daran ein Beispiel!