Ohne Authentizität kein Vertrauen

Geschrieben von: Paula Bemmann-Wöschler (06.11.2007)

Nur wer echt ist, schafft offene und damit belastbare Beziehungen.

Authentische Menschen, ob als Privatperson, als Mitarbeiter oder Führungskraft, spielen nicht eine „Rolle“. Sie sind echt und zeigen ihre „Ecken und Kanten“. Voraussetzung dafür ist, dass sie zu ihren Fehlern und ihrer Persönlichkeit stehen. Sie arbeiten dann am besten, wenn sie niemanden kopieren, sondern „sie selbst sind“ – d.h. ihren eigenen Grundwerten und Fähigkeiten entsprechend handeln. Dadurch schaffen sie eine auf gegenseitiges Vertrauen basierende Atmosphäre, die belastbar ist gegenüber Fehlern und Konflikten.

Wenn ich meine, was ich sage und entsprechend handele, dann bin ich integer, echt, authentisch. Auf andere wirke ich entsprechend konsistent, vorhersehbar und verlässlich. Vertrauen, als ein diffuses Empfinden, keine Angst haben zu müssen, stellt sich ein. Zu sagen, was ich meine, bedeutet natürlich nicht, dass ich alles sagen soll, was ich denke. Das wäre naiv! Im zwischenmenschlichen Miteinander habe ich manchmal gute Gründe, über gewisse Dinge nicht zu sprechen, nicht in diesem Moment, nicht in dieser Situation, nicht in Gegenwart aller. Wenn ich aber etwas zu jemandem sage, dann muss ich es auch so meinen.
 
Selbstverständlich darf ich meine Meinung auch wieder ändern. Muss ich oft sogar, weil sich Situationen, Rahmenbedingungen oder meine Einschätzung der Dinge geändert haben. Nur dann muss ich dies meinen Mitmenschen, Mitarbeitern oder Kollegen auch sagen. Ich darf die anderen nicht im Unklaren lassen und hoffen, sie kämen schon alleine darauf. Was spräche denn dagegen, jemanden mitzuteilen: „Bis gestern war ich der Ansicht X, aber aufgrund von Y habe ich meine Meinung geändert.“? Erkläre und begründe ich meinem Gegenüber, warum sich meine Meinung geändert hat, verstärke ich zudem sein Vertrauen, weil mein Verhalten für ihn dann nachvollziehbarer wird.
 
Zu seinen eigenen Fehlern zu stehen, erfordert eine große Bewusstheit über sich, seine Persönlichkeit, seine Stärken und Schwächen. Nicht zuletzt steht dahinter auch der Wille, an sich zu arbeiten und sich persönlich weiterzuentwickeln. Nicht jede Person hat gelernt, eigene Fehler zuzugeben und dafür die Verantwortung zu übernehmen. In eine Führungsposition gehoben, erhält sie leider nun auch noch die Macht und die Mittel, ihre Fehler gegenüber anderen zu verschleiern oder zu vertuschen. Prekär wird es, wenn vor dem „Auffliegen“ der Fehler rhetorisch geschickt einem anderen Mitarbeiter oder Kollegen in die Schuhe geschoben wird. Nicht jeder merkt dies sofort. Aber selbst der „Dümmste“ merkt nach einer gewissen Zeit, welches Spiel mit ihm gespielt wird, wenn dieses Vorgehen für die Führungskraft „Methode“ ist. Fluktuation oder innere Kündigung der Mitarbeiter sind dann ganz schnell die Folgen. Das Vertrauen und damit die Motivation sind irreparabel zerstört.
 
Um Vertrauen aufzubauen und zu erhalten ist es daher notwendig, die eigenen Fehler zuzugeben. Nicht nur als Führungskraft muss ich dazu die Größe haben oder ich muss dies lernen! Darüber hinaus muss ich meinen Mitarbeitern nach außen und nach oben Rückendeckung geben. Im Klartext heißt das, die Fehler meiner Mitarbeiter sind nach außen und nach oben auch meine Fehler als Chef. Die Betonung liegt hier auf „nach außen“ und „nach oben“. So sicher wie sich mein Mitarbeiter auf meine Loyalität und Unterstützung als seine Führungskraft nach außen und nach oben verlassen kann, so sicher ist es aber auch, dass ich ihm seine Fehler rückmelde und er diese zu korrigieren hat. Nach innen muss ich als Chef auch Kritik üben und ggf. Sanktionen verhängen. Erfolge wiederum „gehören“ den Mitarbeitern. Warum sollte ich mich als Führungskraft mit fremden Federn schmücken? Meine eigenen Erfolge kann ich für mich selbst beanspruchen. Gute Führungskräfte sagen aber auch dann noch: „Das haben wir gemeinsam geschafft.“, denn sie wissen, dass Resultate vom Vertrauen ihrer Mitarbeiter mehr abhängen als von ihrem eigenen Image.
 
Eine weitere vertrauensbildende Maßnahme ist das aktive Zuhören. Auch wenn Sie als Führungskraft in der Regel wenig Zeit haben, nehmen Sie sich die zehn Minuten und hören Sie Ihrem Mitarbeiter konzentriert und aufmerksam zu. Sie können die Dinge, die Ihnen Ihre Mitarbeiter sagen wollen, sowieso nicht langfristig ignorieren. Sie beugen damit Frust bei Ihren Mitarbeitern vor, signalisieren mit „einem offenen Ohr“ Wertschätzung dem Einzelnen gegenüber und haben im Anschluss die Gewissheit, dass Sie Belastendes untereinander oder Hinderliches für die erfolgreiche Aufgabenerledigung frühzeitig erfahren.
 
Neben einem möglichst großen Bewusstheitsgrad der eigenen Persönlichkeit, also der eigenen Stärken und Schwächen, und neben dem Eingestehen von Fehlern benötigen Sie aber vor allem die Fähigkeit, sich selbst annehmen und akzeptieren zu können, wie Sie sind. Nur so wirken Sie echt, sind Sie integer bzw. authentisch. Solange Sie bestimmte Eigenschaften von sich ablehnen, werden Sie immer der Versuchung unterliegen, diese zu überspielen. Damit verstellen Sie sich und spielen eine „Rolle“. In den meisten Fällen, egal wie sehr Sie sich bemühen, sieht Ihr Gegenüber jedoch, dass Sie nicht „echt“ sind. Sie wirken gekünstelt, verspannt, unstimmig, eben nicht authentisch.
 
Mir fällt es beispielsweise schwer, vor einer größeren Gruppe eine Rede zu halten. Nicht immer lässt sich diese schöne Aufgabe an einen anderen delegieren. Warum sollte ich nicht meinen Vortrag mit der Bemerkung beginnen: „Ich freue mich wirklich, dass Sie so zahlreich erschienen sind. Entsprechend bin ich aufgeregt, meine Stimme wird aber gleich wieder zu ihrer bewährten Form zurück finden.“ Mir ist es noch nie passiert, dass mir daraufhin Häme oder Belustigung entgegen schlug. Vielleicht hat sich mal einer der Zuhörer zu einem „Ja, man sieht oder hört Ihre Anspannung.“ durchgerungen. Aber ohne mich direkt selbst in diesem Moment zu sehen, fühlte ich meine Nervosität doch schon die ganze Zeit in meinem Körper. Zu den meisten habe ich mit meinem „Zugeständnis“ oder besser, mit meinem authentischen Verhalten, eine Beziehung hergestellt. Ich brauchte mich nicht zu verstellen und mit viel Energie „Haltung zu bewahren“. Zumal meine roten Flecke im Gesicht und meine zittrige Stimme nur Blinden oder Tauben nicht aufgefallen wäre! Ich habe damit aber auch meinen Zuschauern und Zuhörern die Chance gegeben, mich als Mensch – nicht nur mit meinen Stärken, sondern auch mit meinen Schwächen – zu erleben und ihrerseits mit mir offen in Beziehung zu treten.

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