Courage im Beruf — Der Karrierebonus

Geschrieben von: Michael Blochberger (08.02.2007)

Die krankheitsbedingten Fehltage sinken von Jahr zu Jahr, die Angst vor einem möglichen Arbeitsplatzverlust bewegt die Arbeitnehmer mehr als die Freude an der Arbeit. Viele verlieren vor lauter Mutlosigkeit ihre Ziele aus den Augen. Anpassung und Duckmäusertum regieren in den Unternehmen. Und der Erfolg bleibt auf der Strecke. Wie kann ich in einer Atmosphäre der Angst meine Karrierechancen nutzen?

Zugegeben: Einige Arbeitnehmer sind vielleicht in den Jahren des Überflusses selbstzufrieden und träge geworden. Sie haben es sich zu leicht gemacht, haben die jährliche Gehaltserhöhung zu selbstverständlich genommen und manchmal das notwendige Verantwortungsgefühl aus den Augen verloren.

Aber ist eine Atmosphäre der Angst und des Misstrauens eine sinnvolle Alternative? Die Zahlen scheinen ein steigendes Pflichtbewusstsein und wachsende Zuverlässigkeit zu belegen. Aber in vielen Organisationen herrscht Verzweiflung und Mutlosigkeit, hinauf bis in die Führungsetagen. Das Motto lautet: Keine Fehler machen, nicht negativ auffallen, Dienst nach Vorschrift!

Und das ist besonders schädlich für das Unternehmen: In einem Klima der Angst geht der Teamgeist verloren. Der eigene Job ist einem schließlich näher als der des Kollegen. Also versucht jeder, besser auszusehen. Die Ellenbogen werden benutzt. Lügen, Missgunst, Verleumdung, geistiger Diebstahl und Manipulation treiben ihre Blüten.

Um ein Unternehmen heute erfolgreich in die Zukunft zu führen, sind solche Zustände existenziell gefährlich. Ein lebendiges Miteinander, echte Motivation, kreative Ideen, konstruktive Kritik und sinnvolle Auseinandersetzungen sind wichtige Voraussetzung für den Unternehmenserfolg. Jeder muss sein Bestes einbringen und das ist nicht möglich, wenn man sich auf Grabenkämpfe einlässt.

Was in fast allen Unternehmen fehlt, sind couragierte Mitarbeiter. Arbeitnehmer, die ihre verständlichen Existenzängste überwinden können und die Ziele des Unternehmens im Fokus behalten. Wir brauchen Menschen, die den Mut haben, Risiken zu tragen und für die Sache einzutreten, auch auf die Gefahr hin, dass es mal schief geht. Gute Personalverantwortliche wissen das. Courage und Sozialkompetenz sind die wichtigsten Kriterien bei der Besetzung von freien Stellen.

Für Sie als Arbeitnehmer ist das eine große Karrierechance. Wenn Sie das Bedürfnis und den Mut haben, aus der destruktiven Mehrheit herauszutreten und sich konstruktiv einzubringen, ist Ihre Chance besser den je. Menschen, die Verantwortung übernehmen wollen, werden in jedem Unternehmen benötigt. Nur sollten Sie ein paar Regeln beherrschen, um nicht zu scheitern:

Pflegen Sie eine transparente Kommunikation!

Die Art des Umgangs mit den Mitarbeitern und Kollegen prägt die Atmosphäre in Ihrem Umfeld entscheidend. Reden Sie also offen und direkt, sprechen Sie Positives wie Negatives unverblümt an, machen Sie aus Ihrem Wissen kein Geheimnis. Offenheit und Transparenz schaffen Vertrauen und Sicherheit. Diese Sicherheit benötigen Sie für eine konstruktive Zusammenarbeit. Vertrauen heilt eventuelle Wunden und baut bestehende Ängste ab. Nur so führen Sie Menschen zurück zu gegenseitiger Akzeptanz und Teamgeist.

Wenn Sie Schwierigkeiten haben, den richtigen Ton zu treffen oder auf heftigen Widerstand stoßen, ist es möglicherweise hilfreich, sich weiterzubilden. Informieren Sie sich über Rhetorik- bzw. Konflikt-Trainings, um Ihre Kommunikations-Technik zu optimieren. Jedes Bildungsinstitut kann Ihnen dazu Empfehlungen geben.

Mischen Sie sich ein!

Die größten Fehler im Unternehmen entstehen, weil die Kollegen andere wohl wissend ins Messer laufen lassen. "Ist ja nicht meine Sache", ist eine weit verbreitete Einstellung. Aber es ist unmöglich, dass ein Einzelner die Komplexität aller Sachverhalte überblickt. Tragfähige Lösungen entstehen erst durch das Einbringen verschiedener Kompetenzen und durch das wiederholte kritische Hinterfragen der Konzepte und Lösungswege.

Eine verantwortungsbewusste Arbeitskraft fühlt sich nicht nur für ihren Bereich sondern für das Große Ganze verantwortlich. Sie gibt auch anderen Teams oder Abteilungen hilfreichen und kritischen Input. In aufgeschlossenen Unternehmen gehören regelmäßige Kritikerrunden in Meetings schon zum Pflichtprogramm. Aber auch hier entscheidet die Form oft über die Wirkung: Vermeiden Sie jegliche destruktive Besserwisserei oder Arroganz.

Stellen Sie die Sache über die Eigeninteressen!

Nörgler und Besserwisser sind schnell als Querulanten und Profilneurotiker verschrien, weil es ihnen darum geht, sich vor großem Publikum darzustellen und wichtig zu machen. Deshalb ist es entscheidend, Kritik im richtigen Moment und gegenüber den richtigen Personen anzubringen. Üben Sie Kritik immer nur im kleinen Kreis an der Sache, nie an Personen.

Machen Sie deutlich, dass es Ihnen nicht um eine persönliche Profilierung geht, sondern dass Sie es als Ihre Pflicht verstehen, Stellung zu beziehen. Bleiben Sie bei Kritik immer sachlich und diplomatisch. Und stellen Sie Ihre Meinung nicht als das Nonplusultra dar, sondern nur als konträren Diskussionsbeitrag. Seien Sie nie Quertreiber sondern nur Querdenker!

Entwickeln Sie Mut zur Entscheidung!

Ich weiß nicht, wie viel Geld jährlich in deutschen Organisationen vergeudet wird, weil Führungskräfte Angst vor Entscheidungen haben. Täglich werden horrende Summen ausgegeben, um die Verantwortung für Entscheidungen auszulagern — ganze Branchen wie Marktforschung und Unternehmensberatung leben davon. Oder Entscheidungen werden so lange hinausgeschoben, bis sie sich überlebt haben. Viele, die Verantwortung tragen, warten auf etwas, das es nicht gibt: hundertprozentige Sicherheit.

Der Weg zum Erfolg birgt immer ein Rest-Risiko. Wer Courage hat, der trifft seine Entscheidungen dann, wenn die Mehrzahl der Fakten dafür sprechen und sich ein gutes Gefühl einstellt. Wenn Sie sich ausgiebig und intensiv mit einer Frage beschäftigt haben, kann Ihr Unterbewusstsein diese unzähligen Daten auswerten und im richtigen Moment Zustimmung signalisieren. Dazu benötigen Sie Vertrauen zu Ihren mentalen Fähigkeiten und das können Sie gezielt trainieren.

Aber kritische Entscheidungen müssen Sie nicht allein treffen. Wenn Sie sich unsicher sind, holen Sie sich Rückendeckung im Team oder bei Ihrem Vorgesetzten. Aber werden Sie aktiv! Treiben Sie Ihre Projekte voran, statt sie auszusitzen! Jede gesunde Organisation, jede gute Führungskraft wird Sie schätzen lernen und bei der nächsten Beförderung berücksichtigen.

Wenn es Ihnen gelingt, diese Kriterien zu beherzigen und selbstkritisch umsetzen, werden Sie Karriere machen. Sollten Sie trotz eines ehrlichen Engagements aber auf massiven Widerstand stoßen und erfolglos bleiben, müssen Sie sich fragen, ob Sie in der richtigen Abteilung oder im richtigen Unternehmen arbeiten. Bevor Sie sich demotivieren lassen und nur noch Dienst nach Vorschrift machen, ist es besser, sich einen neuen Arbeitsplatz zu suchen. Couragierte Mitarbeiter werden heute mehr gebraucht denn je.

Haben Sie Interesse an einem Vortrag oder einem Training zu diesem Thema?

 

Foto: Peter-Hebgen_pixelio.de