Heute ist ein schlechter Tag – heute schaff ich dennoch was!

Geschrieben von: Paula Bemmann-Wöschler (09.05.2007)

Der Wecker klingelt viel zu früh und ich öffne nur mühselig die Augen. Etwas Schweres liegt auf meinem Bauch, das beim Betasten zu schnurren beginnt. Genüsslich eingerollt schwelgt der Kater in nächtlichen Jagdszenen, bereit den Tag wohlgemut zu verschlafen. Ein Blick aus dem Fenster und damit ist auch das letzte Körnchen meiner guten Laune dahin. Bei diesem Wetter schickt man keinen Hund vor die Tür, aber mich! Grummelnd mache ich mich auf den Weg in die Firma und haste angekommen mit einem schnell hingeworfenen „Moin“ an den lächelnden Gesichtern meiner Kollegen vorbei. Drohend empfängt mich der Arbeitsberg auf meinem Schreibtisch – jetzt kann es nur noch besser werden…

Also Augen zu und durch oder besser noch ein kräftiges „Tschaka!" durch die zusammengebissenen Zähne gepresst, ein verkniffenes Lächeln aufgesetzt und dreimal tief durch geatmet. „Arbeiten ist toll!“, versucht meine innere Stimme den Rest von mir zu motivieren, aber meine Stimmung bleibt im Keller. Aus dem Nachbarbüro tönt lautes Gelächter, am liebsten würde ich die spaßigen Kollegen… Mit einem Knacken befreit sich mein Bleistift aus der Umklammerung meiner rechten Hand, jetzt habe ich zwei kleine.
 
„Wer sich selbst nicht motivieren kann, kann auch nicht andere motivieren.“, schiebt sich als Satz in mein Bewusstsein. Ich danke meinem Großhirn für diesen hilfreichen Beitrag! Ein Blick auf meinen Kalender beruhigt mich etwas, das Teammeeting ist erst morgen. Mit meiner Stimmung ist es wie mit dem Wetter: Es heitert nicht so schnell wieder auf. Im Gegensatz zu Emotionen wie Freude oder Ärger sind Stimmungen länger andauernde, nur mäßig intensive Gefühlslagen, die nicht viel mehr als positiv oder negativ sein können.
 
Was sagt die Wissenschaft dazu? Eine positive Stimmung fördert ein ganzheitliches und kreatives Arbeiten. Eine negative Stimmung unterstützt ein analytisches und detailorientiertes Denken und Handeln. Na also! Demnach sollte ich mich heute möglich mit analytischen, strukturierten oder strukturierbaren Arbeitsinhalten befassen!
 
Im Rahmen meiner Projektplanung könnte ich mich auf die Sammlung der Inhalte konzentrieren oder den groben zeitlichen Ablauf konzipieren, bei der Bearbeitung von Problemen meine Aufmerksamkeit auf die Sichtung und Gliederung von Ursachen lenken oder die Korrespondenz in den Vordergrund meiner Tagesarbeit stellen. Eins ist für mich jedenfalls sicher, originelle Ideen entwickeln oder schwierige Problemstellungen lösen werde ich heute nicht!
 
Nach einem Blick über meinen zugemüllten Schreibtisch, entschließe ich mich, heute einen „Zahlen-Daten-Fakten-Tag“ einzulegen und als erste Maßnahme, für mehr Übersichtlichkeit und Platz zu sorgen. Dann lege ich konzentriert los und übe mich im NEIN sagen gegenüber Arbeitsaufträgen, die nicht in mein Ressort fallen. Telefonische Anfragen von Kollegen notiere ich heute nur oder delegiere Unteraufgaben sofort weiter. Eine Karteikarte am Telefon mit meinen zwei Aufgaben hilft mir, mich auf das Wesentliche des heutigen Tages zu konzentrieren.
 
Es funktioniert tatsächlich. Bis zum Mittagessen habe ich meine Korrespondenz und die Ablage erledigt. Jetzt belohne ich mich mit einem Kaffee beim Italiener um die Ecke. Beschwingt pfeifend kehre ich zu meiner Projektplanung ins Büro zurück, denn ich habe plötzlich eine originelle Idee zur Problemlösung in Phase 4.