Selbstführung als Grundlage Sozialer Kompetenz

Geschrieben von: Michael Blochberger (09.02.2008)

Da werden in unzähligen Führungsseminaren Methoden und Techniken vermittelt, wie wie unsere Mitarbeiter motivieren, kritisieren und mit ihnen kommunizieren sollen. Doch das alles nützt nichts, wenn wir nicht gelernt haben, uns selbst zu verstehen und unsere Emotionen konstruktiv einzubinden. Worauf sollten wir achten, wenn wir durch Selbstführung unsere Führungskompetenz stärken wollen?

„Soziale Kompetenz bezeichnet ... Fähigkeiten und Einstellungen, die dazu beitragen, ... Verhalten auf eine gemeinschaftliche Handlungsorientierung hin auszurichten. Im Arbeitsleben versteht man darunter unter anderem die Fähigkeit, positiv das Verhalten und die Einstellung von Mitarbeitern zu beeinflussen.“ (Wikipedia)

Das heißt, wer positiven Einfluss auf Menschen und insbesondere auf Mitarbeiter nehmen möchte, sollte die gemeinschaftlichen Interessen zu seinen eigenen machen und soziale Verantwortung zeigen. Toleranz,
Rücksichtnahme, Kompromiss- und Kommunikationsfähigkeit sind dabei ebenso wichtig wie Konflikt-, Kritik- und Durchsetzungsfähigkeit.

Soziale Kompetenz basiert auf Vertrauen. Das vorrangige Ziel ist es, durch Verwirklichung  gemeinschaftlicher Interessen Zufriedenheit und Leistungsfähigkeit zu steigern.

Wer aber seine eigenen unerfüllten Bedürfnissen über die der Gemeinschaft stellt, fällt durch Rücksichtslosigkeit, Macht- und Konkurrenzdenken, Neid, Intoleranz oder Unsicherheit und Entscheidungsschwäche auf. Alles destruktive Emotionen, die wenig überzeugen können. Stattdessen muss dann durch autoritäres Verhalten Druck ausgeübt und Angst geschürt werden, um handlungsfähig zu bleiben.

So wird deutlich, dass Soziale Kompetenz sich nur durch eine stabile Selbstführung verwirklichen lässt. Daniel Goleman beschreibt in seinem Buch Emotionale Intelligenz drei Faktoren der Selbstführung und die Empathie als Voraussetzung für Soziale Kompetenz.

Selbsterkenntnis

Die Fähigkeit, sich selbst zu erkennen, ist das Fundament Emotionaler Intelligenz schlechthin. Darunter verstehen wir, die eigenen Gefühle wahrnehmen und reflektieren zu können, die eigenen Stärken und Schwächen Zu erkennen und sich die persönlichen Erfahrungen und Einstellungen bewusst zu machen.

Die Fähigkeit der Selbstreflexion ist eine tragende Voraussetzung für den souveränen Umgang mit sich und anderen. Erst wenn ich erkenne, dass mein Jähzorn nicht durch den Fehler eines Mitarbeiters erzeugt wird, sondern Folge meiner inneren Unzufriedenheit ist, kann ich versuchen auf den Auslöser selbst-bewusst, das heißt sozial verträglich einzugehen.

Selbsterkenntnis ist keine Technik. Diese muss man sich selbstkritisch, neugierig und mutig jeden Tag neu erarbeiten. Jede Erfahrung ist dabei hilfreich. Jedes konstruktive Feedback willkommen.

Selbststeuerung

Die Selbststeuerung ist in erster Linie eine Frage der Selbstdisziplin. Der Verzicht auf kurzfristigen Genuss zugunsten höherer Ziele ist die Basis jedes Erfolges und Voraussetzung für eine ergebnisorientierte Lebensplanung. Zeitmanagement, Verantwortungsbewusstsein und das Beherrschen von Gefühlen
sind wichtige Faktoren der Selbstdisziplin, ohne die ein soziales Miteinander nicht funktionieren würde.

Das heißt aber nicht, seine Gefühle und Bedürfnisse zu unterdrücken. Gut gesteuert ist der derjenige, der Eigen- und Fremdinteressen flexibel abzuwägen weiß und seine Gefühle situativ und vertrauenswürdig einzusetzen versteht.

Für eine gute Selbststeuerung sollten Sie Ihre Emotionen von der Sachebene trennen können und Ihre Mitmenschen souverän und wertschätzend behandeln. Das wird Ihnen erst gelingen, wenn Sie bereit sind, ideelle Werte über Ihre persönlichen – zum Beispiel materiellen – Bedürfnisse zu stellen.

Motivation

Unter Motivation verstehen wir zunächst die Willenskraft, den Ehrgeiz und das Pflichtbewusstsein einer Person. Eine hoch motivierte Persönlichkeit entwickelt darüber hinaus durch ihren Optimismus die Fähigkeit, auch aus Rückschlägen neue Kraft und Begeisterung zu entwickeln. Ich nenne das gern: Frustrationstoleranz.

Hoch Motivierte besitzen eine hohe Vorstellungskraft und können den Weg zu ihren Zukunftsbildern strukturieren und organisieren. Durch diese Kompetenz verschaffen Sie sich frühe Teilerfolge. Sie können Ziele setzen, Entscheidungen treffen und die Initiative ergreifen. Im Kern beherrschen Sie es, ihre starken Emotionen in konstruktive Bahnen zu lenken.

Ein wichtiger Schritt zur Verbesserung der Motivation ist es, die eigene Leidensfähigkeit zu trainieren und die vermeintlichen Leistungsgrenzen zu überschreiten. Wer neugierig und mit Freude an seine Aufgaben geht, kann die Zeit vergessen und wird leichter mit Erfolg belohnt.

Empathie

Mit Empathie bezeichnen wir die Fähigkeit, uns über die eigene Person hinaus den Gefühlen unserer Mitmenschen zuzuwenden. Sensibilität, Aufmerksamkeit, Hilfsbereitschaft und Liebesfähigkeit sind Eigenschaften, die in unserer Leistungsgesellschaft eher unterdrückt als gefördert werden.

Auf den ersten Blick scheint der Anspruch, unser Einfühlungsvermögen zu entwickeln, Eigenschaften wie Ehrgeiz, Durchsetzungsvermögen und Konfliktbereitschaft zu widersprechen. Empathie ist aber Voraussetzung dafür, unsere Mitmenschen zu verstehen und mit ihnen in Beziehung zu treten.

Jede zwischenmenschliche Erfahrung und jede emotionale Erschütterung ist eine Chance zu mehr Erlebnistiefe, mehr Neugier, mehr Verständnis und Toleranz für den Andersartigen. So lernen wir Verschiedenheit zu schätzen, entwickeln Freude am Geben und Nehmen, üben uns und anderen zu verzeihen.

Soziale Kompetenz

Die Fähigkeit, andere Menschen positiv zu lenken und zu beeinflussen ist die Königsdisziplin. Die Kriterien sind so vielseitig, dass wir Sie nie perfekt beherrschen werden: Kommunikations- und Ausdrucksfähigkeit, Team- und
Integrationsfähigkeit, Konflikt- und Kritikfähigkeit, Begeisterungsfähigkeit und Entscheidungsstärke.

Es ist kaum möglich, immer sozial kompetent zu handeln, weil wir in Krisen dazu neigen, in alte Überlebensmuster zu verfallen. Einen Wutausbruch, eine rücksichtslose Entscheidung oder Resignation sind Schwächen in der Selbstführung. Sie untergraben Ihre Führungsposition, wenn Sie diese nur als distanzierte Rolle verstehen und leben.

Eine sozial kompetente Führungskraft tritt aber in Beziehung zu seinen Mitmenschen und zeigt sich als selbstbewusste authentische Persönlichkeit, die Fehler und Schwächen eingestehen kann. Ihr wird man verzeihen können, weil Menschen den Wunsch haben, befriedigende Beziehungen zu pflegen.

Als Einstiegs-Training empfehlen wir: Mit Gefühl zu mehr Erfolg