Den eigenen Charakter verstehen

Geschrieben von: Michael Blochberger (15.01.2008)

Bioenergetik als Instrument der Selbsterkenntnis
 
Wer bin ich? Was macht mich stark? Und wo erfülle ich nur quälende Pflichten? Oft treiben wir durchs Leben, ohne zu erkennen, was unserem Wesen wirklich entspricht. Wir lassen uns beeinflussen von den Wünschen anderer, von den eigenen falschen Träumen und handeln entgegen unserer eigentlichen Berufung – weil wir sie schlicht und einfach noch nicht kennen! Das bioenergetische Modell nach Alexander Lowen bietet eine Chance zur Selbstanalyse, die hilfreiche Rückschlüsse auf persönliche Stärken und Schwächen ermöglicht.

Als ich vor Jahren das Buch Bioenergetik von Alexander Lowen las, war ich tief beeindruckt: Aufgrund der persönlichen Lebensgeschichte, der individuellen Lebenseinstellung und einer daraus resultierenden Physiognomie beschreibt Lowen 5 Körpertypen, die aus ihrer Persönlichkeit heraus grundverschiedene Kompetenzen und Lebensmuster entwickelt haben.
 
Diese Beschreibungen waren weit fundamentaler und komplexer als die mir bekannten Persönlichkeitsprofile wie DISC. Und sie waren so plastisch und lebensnah beschrieben, dass ich mich sofort in zwei der fünf Profile eindeutig wiedererkannte. Aber ich konnte auch einige Freunde und Kunden ohne große Analyse zuordnen.
 
Alexander Lowen geht davon aus, dass wir alle aufgrund frühkindlicher Prägung besondere Persönlichkeitsmerkmale entwickelt haben, in denen wir anderen überlegen sind, während wir uns in einigen Bereichen immer schwer tun. Die beschriebenen Charaktere erklärten nicht nur die Stärken und Schwächen, sondern auch die Konfliktpotentiale und deren psychologische Entstehungsgeschichte. Ohne auf die klinischen Begrifflichkeiten und die psychologischen Hintergründe einzugehen, hier ein oberflächlicher Überblick über die verschiedenen Typen:

  • Der kreative Einzelbrödler ist unabhängig, von selbstbewusster Klarheit, oft ein genialer Querdenker. Er ist ängstlich, leicht verletzlich, von zierlicher Statur und kaum zur Teamarbeit geeignet. Häufige Berufe: Künstler, Wissenschaftler, Denker
  • Der sensible Kommunikator kann sich für Ideen begeistern, arbeitet gerne im Team, ist phantasiebegabt. Er ist konfliktscheu und entscheidungsschwach, meist von schlanker Statur und wenig ausdauernd. Häufige Berufe: Vertrieb, Marketing, Kultur
  • Der energische Machtmensch ist zielstrebig, entscheidungsstark, konfliktbewusst und stark im Delegieren. Er ist oft intolerant und unsensibel, mit einem Hang sich aufzuplustern. Häufige Berufe: Führungskraft, Selbständig
  • Der geduldige Mitarbeiter ist anpassungsfähig, verantwortungsbewusst, kräftig zupackend, von untersetzter bis dicklicher Statur. Als humorvoller Macher darf er in keinem Team fehlen. Seine Unterwürfigkeit kann in ein hinterhältiges Wesen umschlagen. Häufige Berufe: Sozialberufe, Verwaltung, Handwerk
  • Der ehrgeizige Leistungsträger ist hart gegen sich selbst, sportlich, karrierebewusst, ausdauernd, selbstsicher und stolz. Er wirkt oft pedantisch und emotionslos distanziert. Häufige Berufe: Manager, Sportler

Da jeder von uns diese Charakterzüge in unterschiedlicher Ausprägung in sich kombiniert, ergeben sich unzählige Persönlichkeitsfassetten. Dabei gilt:
 
Je einseitiger eine Ausprägung erkennbar ist, desto besser können spezifische fachliche Fähigkeiten entwickelt sein, aber desto Größer sind die Schwierigkeiten im Umgang mit anderen. Je vielseitiger und ausgeglichener eine Charakterstudie ausfällt, desto geeigneter ist dieser Mensch für Aufgaben, die soziale Kompetenz erfordern, wie zum Beispiel Führungsaufgaben.
 
Nach der spannenden Lektüre habe ich mich über mehrere Jahre intensiv mit der Bioenergetik auseinandergesetzt. Heute hilft mir das Modell, im Kontakt mit Menschen deren Bedürfnisse grundlegend zu erkennen und zu verstehen. Eine Voraussetzung für jede vertrauensvolle Zusammenarbeit, besonders aber für die Persönlichkeitsentwicklung.
 
Unsere frühkindliche Ausprägung können wir zwar nicht ablegen, aber jeder Mensch ist in der Lage, im Laufe seines Lebens weitere Facetten zu entwickeln und seine Potentiale ausbauen. Für mich war die Lektüre von Lowen’s Buch ein erster Schritt dazu.

Ein Training zum Thema: Der Weg zur authentischen Führungskraft

Vergleiche:

Der Choleriker

Der Zwanghafte

Der Depressive

Der Schizoide