Konflikte im Team – Tragödie oder Komödie

Geschrieben von: Michael Blochberger (08.09.2006)

Nicht schon wieder diese Grabenkämpfe! Statt eines kooperativen Miteinanders herrscht in vielen Teams der kalte Krieg. Statt Gemeinschaftssinn heißt es: Jeder gegen Jeden. Statt sich fair auseinanderzusetzen, nutzen viele die Gunst der Stunde, andere Gruppenmitglieder auszutricksen, um sich einen persönlichen Vorteil zu verschaffen. Dabei müssen Konflikte nicht tragisch enden. Lesen Sie, wie man Auseinandersetzungen dazu nutzt, einen Haufen von Einzelkämpfern zu einem echten Team zu formen.

Wodurch entstehen Konflikte?

"Ein Konflikt (lat.: confligere = aneinandergeraten) ist die Folge von wahrgenommenen Differenzen, die gegenseitig im Widerspruch stehen und eine Lösung erfordern." Schon durch diese Definitionen wird deutlich, dass Konflikte ganz natürliche und notwendige Vorgänge sind. Immer wenn Menschen zusammenarbeiten, entstehen mehr oder weniger starke Auseinandersetzungen, weil die beteiligten Kollegen und Kolleginnen unterschiedliche Vorstellungen einbringen und um Einfluss, Anerkennung und Position in der Gruppe konkurrieren.

Gerade in leistungsorientierten Teams sind Differenzen zwischen den Mitgliedern unvermeidbare Situationen der Gruppendynamik, die mehr oder weniger konfliktreich ausgetragen werden müssen. Die Beteiligten sprechen sich aus, werden vielleicht auch einmal laut, um dann gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Daraus entstehen neue Spielregeln, die von allen anerkannt werden müssen, damit sich die Situation schnell wieder beruhigt.


Der Wert einer gesunden Streitkultur

Voraussetzung für eine gesunde Streitkultur ist die Bereitschaft aller Beteiligten, auch dem Widersacher den nötigen Raum zu geben und die Regeln einer offenen und ehrlichen Kommunikation einzuhalten. Das heißt, aktiv zuzuhören, Gesprächsstörer zu vermeiden und sich auch über emotionale Befindlichkeiten auszusprechen. So hat jeder die Gelegenheit, die Sichtweise der anderen zu begreifen und die Ursachen für deren Verhalten zu hinterfragen. Das erweitert nicht nur den Horizont der Teammitglieder, es gibt allen auch die Chance, Verständnis zu entwickeln und näher zusammenzurücken.

In meiner Führungsverantwortung habe ich Konflikte immer als besonders kreative Prozesse erlebt, wenn es gelang, den Schlichtungsprozess an den gemeinsamen Zielen auszurichten und alle Beteiligten zu einer Atmosphäre der gegenseitigen Akzeptanz zu bewegen. Der Anspruch, keinen schlechten Kompromiss einzugehen, sondern eine alle zufrieden stellende Lösung zu finden, öffnet den Raum für völlig neue und bessere Ideen, stärkt die Moral der Gruppe und sorgt für ein Klima der Motivation.

Wer dagegen Angst vor Konflikten hat und ihnen aus dem Wege geht, verhindert Klärungsprozesse und das verzögert notwendige Veränderungsmaßnahmen. Ein gutes Team beweist sich erst als solches, wenn es weiß, konstruktiv mit Konflikten umzugehen.

Wenn Konflikte zur Tragödie werden

Wenn Konflikte eskalieren, verlagern sich die Auseinandersetzungen regelmäßig von der Sach- auf die Beziehungsebene. Die Teilnehmer tendieren mehr und mehr dazu, sich gegen die anders Denkenden im Team durchzusetzen. Die Strategie, andere zu Verlierern zu machen, gewinnt die Oberhand. Überheblichkeit, aggressives Verhalten, Schuldzuweisungen, Wutausbrüche, persönliche Beleidigungen bzw. Resignation oder subtiler Widerstand sind die zwangsläufigen Folgen. Ist der Konflikt erst außer Kontrolle geraten, endet er in einer Spirale aus Angst, Wut oder Depression.

Der Auslöser solcher Eskalationen ist die gestörte Beziehung der Beteiligten. Dahinter verbirgt sich oft ein Menschenbild, das auf Ignoranz und Intoleranz beruht. Wer den anderen nicht respektiert, dem fällt es schwer, ihm die nötige Anerkennung zu geben. Wer sich vom Teamkollegen nicht akzeptiert und verstanden fühlt, sieht keine Chance, sich mit diesem zu einigen. Er sucht nach Bündnispartnern, die seine Ansicht bestärken. Der Konflikt weitet sich auf Unbeteiligte aus. Dem Team droht die Spaltung.

In solch tragischen Konflikten bedarf es einer starken, unparteiischen Führung. Oft ist professionelle Hilfe von außen notwendig, um die Wogen zu glätten, die emotionalen Verletzungen aufzuarbeiten und das Team wieder in konstruktives Fahrwasser zu geleiten.

So verhindern Sie die Eskalation von Konflikten

Um so wichtiger ist es, Konflikte in ihrer Entstehung zu erkennen und die Auseinandersetzung zu suchen, bevor sie unkontrollierbar werden. Oft entscheidet es sich in Sekunden, ob ein Team arbeitsfähig bleibt und es ist keine Zeit für sachliche Auseinandersetzungen. Hier gilt es, eine Atmosphäre zu schaffen, in der aufkeimende Konflikte ihre Schärfe verlieren. Wir verraten Ihnen, wie Sie mehr Leichtigkeit in den Umgang mit Konflikten bringen können.

1. Mit Konflikten spielen

Kennen Sie diese Situation? Sie platzen unvorbereitet in eine angespannte Besprechung Ihres Teams und sehen in betretene Minen? Alles schweigt sich an, die Stimmung ist auf dem Nullpunkt. "Ach Entschuldigung, ich hab mich wohl in der Tür geirrt..." Mit einer ironischen Bemerkung machen Sie deutlich: Mit diesem Konflikt will ich nichts zu tun haben... und lösen die Anspannung in einem allgemeinen Lachen auf.

Im beruflichen Alltag geht es oft darum, die entscheidenden Momente der Eskalation zu erkennen und dem Konflikt im Ansatz die Ernsthaftigkeit und damit die Spitze zu nehmen. Von der Tragödie zur Komödie ist es oft nur ein kleiner Schritt: Eine leichte Übertreibung, eine komische Bewegung und schon wird aus einer beklemmenden Situation eine erheiternde Szene. Durch Komik bringen Sie die Kontrahenten zum Lachen und die Tragik des Streitens verliert ihre Schwere, weil die Gemeinsamkeit wieder gestärkt wird.

Auch auf die eigene Person bezogen kann die Rolle des Komikers Wunder wirken: Wenige Augenblicke des "Albern-Seins" schaffen schon Distanz zu akuten Stress- oder Konfliktsituationen. Der Adrenalinpegel sinkt, wir finden zu Gelassenheit und Motivation zurück, weil wir den Konflikt nicht ernst nehmen, sondern ihm etwas Komisches abgewinnen.

2. Gemeinsam Lachen macht Gewinner

Viele Menschen neigen dazu, sich über ihre Kollegen zu stellen und verwehren diesen die Anerkennung. Schon ist die Beziehung gestört und die Auseinandersetzung eskaliert. Ursache für solche Konflikte sind nicht die unterschiedlichen Ziele und Bedürfnisse, sondern ein destruktives Menschenbild. Solange Mitarbeiter glauben, ihre Kollegen instrumentalisieren zu können oder über sie siegen zu müssen, kann kein partnerschaftliches Miteinander entstehen.

Mitarbeiter zu echtem Teamgeistes zu führen heißt, sie den Spaß am gemeinsamen Tun erleben zu lassen. Nur wenn sie mehr Freude an der Teamarbeit als an ihrem rücksichtslosen Egoismus haben, werden sie bereit sein, auch ihren Kollegen Freude zu bereiten und sie ebenfalls zu Gewinnern zu machen.

Das Lachen ist eine der mächtigsten Techniken auf dem Weg zu einer Win/Win-Situation im Team. Nichts schweißt Menschen so zusammen wie das gemeinsame Lachen. Es hilft, Widerstände zu überwinden, steigert die Leistungsbereitschaft und Stresstoleranz und lässt das Vertrauen in der Gruppe wachsen.

Besonders in kritischen Situationen, wenn es gilt, den Zusammenhalt und die Motivation eines Teams zu stärken, ist der Witz ein hoch effizientes Mittel zur Solidarisierung gegen äußere Widrigkeiten. Sich über Einflüsse von außen lustig zu machen, erschwert den Ausbruch von Konflikt in der Gruppe. Das gemeinsame Lachen schafft Verbundenheit und hilft, die aufgestauten Aggressionen in konstruktive Bahnen zu lenken, das heißt, die Leistungsbereitschaft zu steigern. So gewinnt das Team doppelt: durch mehr Spaß zu mehr Leistung.

3. Mit Humor Spielverderber integrieren

Auch das ist keine Seltenheit: Der sture Individualist, der sich jeder Gemeinsamkeit entzieht, ist schwer ins Team zu integrieren. Wenn er noch einen Hang zum destruktiven Verhalten zeigt, kann er der Gruppe leicht den Spaß verderben und zum ständigen Konfliktherd werden. Trotzdem können solche Charaktere von hoher Bedeutung für das Team sein, so dass es sich lohnt, in sie zu investieren.

Hier ist der humorvolle Teamleiter gefragt, der mit liebevoller Ironie dem Eigenbrödler seinen Raum gibt, aber auch seine Grenzen aufzeigt, um so langsam Vertrauen zur Gruppe aufzubauen. Die "freundliche Drohung" unter Kollegen kann hier weit effizienter sein als ernste, aber Angst machende Gespräche. Nur, achten Sie darauf, immer mit dem Außenseiter zu lachen und nie über ihn, um ihn nicht bloß zu stellen.

Humor schafft eine Kultur des Vertrauens, in der Lachen als natürliche Bereicherung angesehen wird. Diese Kultur wirkt nachhaltig integrierend. Selbst die stursten Einzelgänger können sich einer solchen Atmosphäre auf Dauer nicht entziehen und werden den Gruppengeist schätzen lernen. Humor ist ein wertvoller Bestandteil der Nächstenliebe, der Konflikten die eskalierende Energie nimmt, weil die Gehässigkeit durch Liebenswürdigkeit ersetzt wird.

Lachen als soziale Errungenschaft

Lachen ist eine der bedeutendsten sozialen Errungenschaften der Menschheit. Ohne das Lachen wäre ein dauerhaftes konfliktarmes Miteinander in unseren engen gesellschaftlichen Abhängigkeiten kaum möglich. Mit jedem Lachen bauen wir Aggressionen ab, die wir nicht mehr ausleben müssen. Eine lustige Arbeitsatmosphäre im Team wirkt also vorbeugend auf mögliche Konflikte. Wer viel lacht, hat einfach keine Energie mehr, sich zu streiten.

Selbst wenn es doch einmal wirklich ernst wird, sollten wir dem Tragischen etwas Komisches abzugewinnen versuchen. In der Tragödie trauern wir nur um das unglückliche und aussichtslose Ende. Das ist wenig motivierend. In der Komödie dagegen wirken Störungen erheiternd. Die Komödie hält den Optimismus am Leben und wir spüren: Auch diese Krise werden wir überstehen und zu einem guten Ende führen.

Es ist höchste Zeit, dass wir die Errungenschaften unserer Evolution endlich bewusst in die berufliche Teamarbeit integrieren. Spaß ist der wichtigste Motivationsfaktor im Team. Und wo alle profitieren, gibt es keine Konflikte. "The brain runs on fun", sagt der Amerikaner und davon können wir noch etwas lernen. Wir informieren Sie gerne über Inhousetrainings zum Thema Humor und Konfliktbewältigung.