CIT-Consult Emotion-Blog

Der Vorteil Emotionaler Intelligenz

17.11.2011 von: Michael Blochberger

In einem Telefoninterview wurde ich am Dienstag gefragt: "Was verstehen Sie unter Emotionaler Intelligenz?" Vor meinem inneren Auge lese ich den Chart aus unserem EQ-Training ab: "Emotionale Intelligenz heißt, seine Emotionen erfolgreich managen. Das heißt, erst wenn ich in meinen Gefühlen Sicherheit gefunden habe, kann ich auf die Gefühle anderer Einfluss nehmen," ergänze ich. "Und wie werde ich emotional intelligent?" fragt die Dame.

Emotionale Intelligenz entsteht aus der Summe meiner persönlichen Erfahrungen, ist also auch mit dem Begriff 'Reife' zu erklären. Das heißt, je vielseitiger meine Erfahrungen sind und je bewusster ich diese reflektiert habe, desto mehr Sicherheit finde ich in meinen Emotionen. Gefühle wie Angst und Freude, Wut und Trauer, Lust und Ekel, Liebe, Hass und Sehnsucht sind ja die Folge von gemachten oder vermiedenen Erfahrungen. Kann ich negative Erfahrungen in meinem Leben nicht revidieren, werde ich diese Situationen meiden und bleibe in meinem Handlungsspielraum eingeschränkt.

Seine Emotionale Intelligenz zu entwickeln heißt also, seine Ängste zu überwinden und neue Erfahrungen zu machen. Das beginnt im Elternhaus, setzt sich in Kindergarten und Schule fort und entwickelt sich in der Arbeitswelt zur entscheidenden Kompetenz: Wer aufgrund eines zu behüteten Elternhauses oder mangelnder Herausforderungen in seinem Leben nicht gelernt hat, mit Niederlagen umzugehen, ist den beruflichen Anforderungen emotional oft nicht gewachsen und muss diese nachholen. Das kann dann im geschützten Rahmen eines Selbsterfahrungstrainings geschehen.

Was sind die Vorteile Emotionaler Intelligenz? Je vielseitiger meine Erfahrungen sind, desto mehr Sicherheit fühle ich in mir, weil kritische Situationen weniger Angst besetzt sind und ich konstruktive Wege sehe. Das hilft mir, mit schwierigen Situationen und Menschen souveräner umzugehen. Diese selbstbewusste Ausstrahlung hilft schon, viele Probleme zu vermeiden, und meine Energie kann ich dann auf das Lösen der Probleme konzentrieren, statt sie zum Dramatisieren oder für das Aufrechterhalten einer "Selbstsicherheits-Maske" zu verschwenden. Selbstbewusste Menschen erkennt man deshalb daran, dass sie ihre emotionalen Schwächen kennen und den Mut haben, diese offen zuzugeben. Dafür erhalten sie in der Regel viel Anerkennung und Wertschätzung durch ihre Mitmenschen.

Ist Emotionale Intelligenz auch in der Teamarbeit von Bedeutung? Ein ideales Team soll ja mehr leisten können, als die Summe seiner Mitglieder. So gesehen ist die Emotionale Intelligenz in einem Team von noch höherer Bedeutung als für den Einzelnen. Wer Schwierigkeiten im Umgang mit seinen Gefühlen hat, trägt diese zwangsläufig mit in die Gruppe und wird dort in bestimmten Situationen als Störfaktor wirken. Schon ein Teammitglied kann mit seinen persönlichen Problemen den Teamgeist zerstören, sind es mehrere, die hauptsächlich mit sich selbst beschäftigt sind, wird echte Teamarbeit unmöglich. Dann verkommt die Gemeinschaft zur Arbeitsgruppe, die nur Dienst nach Vorschrift macht.

Andererseits kann ein Team aus mehreren emotional intelligenten Mitgliedern eine ungeahnte Leistungsfähigkeit entwickeln. Voraussetzungen für ein solches Erfolgsteam ist einerseits die Zusammensetzung des Teams aus möglichst unterschiedlichen, sich ergänzenden Kompetenzträgern und andererseits der wertschätzende, tolerante Umgang miteinander. Jeder muss seinen Platz im Team finden und ausfüllen, um sich als wertvoller Teil des Ganzen zu fühlen. Das ist gelebte Emotionale Intelligenz.

Wie beurteilen Sie die Emotionale Intelligenz deutscher Führungskräfte? Nach meinen Erfahrungen wird in Deutschland hauptsächlich über Angst geführt. Das spricht nicht für eine hohe Emotionale Intelligenz der Führungskräfte. Wer mit Angst führt, ist sich seiner eigenen Ängste nicht bewusst oder kann nicht damit umgehen und gibt sie einfach nach unten weiter. Emotional intelligente Führungskräfte wissen das ganze Spektrum der Gefühle der Situation und dem Mitarbeiter gemäß konstruktiv und zielführend einzusetzen. Angst darf nur in Krisensituationen eine Rolle spielen, weil Angst und Stress krank machen. Die stetig steigenden Kosten unseres Gesundheitssystems sind ein Beleg dafür.

Deshalb sehe ich in Deutschland einen dringenden Handlungsbedarf in der Ausbildung emotional intelligenter Führungskräfte. Es kann nicht sein, dass verwöhnte Elitekinder ohne sozialverträgliche Erziehung über Eliteuniversitäten zu Führungswesen dressiert und auf die Menschheit losgelassen werden, weil sie nie in ihrem Leben gelernt haben, anderen Menschen auf Augenhöhe zu begegnen und sie Kraft ihrer Erfahrung und Persönlichkeit vom Wert ihrer Entscheidungen zu überzeugen. Diese Personen tun mir ebenso leid wie die Mitarbeiter, die unter ihnen zu leiden haben, weil ihnen keine Zeit gelassen wird zu reifen.

Was wünschen Sie sich für die Emotionale Intelligenz unserer Gesellschaft? Dass wir unsere Gier und unseren Egoismus ablegen und mehr Gemeinschaftssinn und Toleranz für die Andersartigkeit unserer Mitmenschen entwickeln.

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