CIT-Consult Emotion-Blog

Aktiv im Tun

19.04.2012 von: Paula Bemmann-Wöschler

„Willst du heute was besorgen, verschieb es nicht auf übermorgen.“ Wir alle, die wir es uns (noch) nicht gemütlich gemacht haben im „Früher-war-alles-besser“-Frust oder in der „Ich-bin-so-klein-ich-kann-eh-nichts-ändern“-Opfer-Haltung, wissen, dass ein kleines Wort, bestehend aus drei Buchstaben, der Schlüssel für Veränderung und Weiterentwicklung ist. Etwas TUN in die gewünschte Richtung KANN jeder jederzeit.

Nicht nur, aber gerade in einer Führungsposition, entscheidet mein „Aktivitäts- und Handlungsmanagement“ neben meiner Fachqualifikation und weiteren Persönlichkeitsaspekten (wie Beziehungsmanagement und Selbstmanagement) über Erfolg oder Misserfolg. Selbst eine falsche Entscheidung zu treffen ist besser - und im Übrigen für mich persönlich langfristig gesünder - als im Status quo zu verharren und mich nicht entscheiden zu wollen. „Ich kann nicht, weil...“ oder „ich könnte, aber...“ sind unsere kleinen alltäglichen Psychospielchen, mit denen wir uns selbst und unsere Umgebung regelmäßig „hinters Licht führen“ und die in der Literatur als Schachzüge netter „innerer Schweinehunde“ gerne verniedlicht werden. Als putzige Comicfigur gehört dieses Ding ja nicht wirklich zu mir und ist eine herrliche Sündenbock-Projektionsfläche für meine ungemochten Anteile. Ich muss nicht hinterfragen, warum ich nicht will (denn „ich kann nicht“ heißt psychologisch gesehen „ich will nicht“) oder was für einen Gewinn ich davon habe, dass ich nicht will, sondern erkläre einfach: „Mein innerer Schweinehund ist leider zu groß“. Den hat ja schließlich jeder, also ist mein Nicht-Tun-Wollen normal... Unser pfiffiges Unterbewusstsein erkennt sofort das sich bietende Hintertürchen und signalisiert „Lass doch am besten alles beim Alten“.

Es gibt Menschen, die scheinen „von Haus aus“ entscheidungsfreudiger und handlungsfähiger zu sein, als wir. Irgendwie machen die das mit mehr Leichtigkeit als wir oder vielleicht denken die auch nicht so viel nach, sind mutiger oder einfach nur leichtsinnig, wahrscheinlich haben die auch insgesamt mehr Glück oder sind halt von der „Pole Position“ des Lebens gestartet - gepampert durch Vitamin B und wohlhabendem Elternhaus, während wir uns aus dem hinteren Start-Drittel erst mühsam vorzukämpfen scheinen. Tatsächlich haben ein Schuss Genetik und unsere Erziehung einen sehr großen Einfluss auf die Art und Weise unserer Bewertung eigener Aktivitäts- und Handlungsmöglichkeiten.

Wir leben nicht in einem luftleeren Raum. Wir leben in Gemeinschaft, in der eine Vielzahl von unterschiedlichen Bedürfnislagen aufeinander prallen. Um meine Ziele auch zu erreichen, benötige ich nicht nur ein hohes Engagement, sondern auch eine starke Energiefokussierung, sprich Zielorientierung. Gelingt es mir, mein Ziel im Auge zu behalten und meine Vorgehensweise daran auszurichten, erlebe ich Unvorhergesehenes und Rückschläge weniger als persönliche Kränkung (im Sinne von „mir wird nichts gegönnt im Leben“), sondern als Ansporn entweder mehr Konzentration für eine Sache aufzubringen, die mir wichtig ist (d.h. Prioritäten zu setzen), mir Unterstützung zu holen oder nach Umgehungen von Hindernissen zu suchen. Auch Umwege kann ich als Schläge des Schicksals interpretieren oder als Herausforderungen an mein Intellekt und meine Sozialkompetenz.

Der erforderliche Einsatzwillen, den ich aufbringen kann (will), wird maßgeblich von meiner Leistungsmotivation gesteuert. Habe ich Spaß daran für eine mir wichtige Sache zu powern und auch einmal ins Schwitzen zu kommen? Trete ich gerne in Wettbewerb mit anderen oder mit mir selbst (Stichwort niedlicher Schweinehund) oder mit der Zeit? Reizt es mich, mein Können unter Beweis zu stellen und anerkenne ich dann auch meine eigenen Leistungserfolge? Empfinde ich es als Herausforderung oder Qual gesetzte Grenzen zu hinterfragen? Es ist meine Entscheidung, welchen Blickwinkel ich einnehme.

Die Aufrechterhaltung eines hohen Engagements trotz Misserfolge auf der Strecke zum Ziel ist des Weiteren abhängig davon, welche Bewertungen und damit Befürchtungen ich mit einem „Nicht-auf-Anhieb-Gelingen“ verknüpfe. Stelle ich mich als Person infrage, wenn ich an einer Aufgabe zu scheitern drohe? Fühle ich mich diskreditiert, wenn mich ein anderer auf einen mir unterlaufenen Fehler aufmerksam macht?

Viele von uns haben ihren Selbstwert an ständige Leistungserbringung und Fehlerfreiheit geknüpft - eine unmenschliche Einstellung sich selbst gegenüber, die eine kontinuierlich hohe Anspannung und Stress zur Folge hat. Denn es gibt keinen Weg, alle Fehler zu umgehen, sondern nur einen Weg mit Fehlern und Rückschlägen mein Ziel dennoch zu erreichen oder ihm zumindest so nah wie möglich gekommen zu sein. Eine ständige Fehlerabsicherung lässt Energie verpuffen und wird damit zur schnellsten und effektivsten Methode, meine Leistungsmotivation zu untergraben.

Als Führungskraft werde ich außerdem zunehmend mit Situationen konfrontiert, die ich aufgrund ihrer Komplexität und innewohnender Dynamik nicht mehr vollständig überblicken oder durchdringen kann. Die Ausprägung meiner Entschlussfähigkeit ergibt sich daher aus dem Verhältnis der Schnelligkeit, mich zu entscheiden sowie dem sorgfältigen Erkunden des Problemhintergrunds und dem Abwägen möglicher Konsequenzen. Habe ich eine starke Tendenz zur Fehlervermeidung werde ich wahnsinnig vor Angst, was alles passieren könnte, und verschleppe Entscheidungen.  Eine stärker generalistische Perspektive, die die Risiken und ihre Konsequenzen für die Zielerreichung im Fokus hat, hilft, zügig zumindest Richtungsentscheidungen zu treffen. Im Detail sollte ich immer noch feinjustieren, ggf. gegensteuern oder eine Entscheidung neu treffen. Aber auch hier muss ich es mir innerlich erlauben können, Fehlentscheidungen treffen und diese korrigieren zu dürfen.

Schließlich ist ebenfalls entscheidend wie gut ich meinen Standpunkt im Falle von Auseinandersetzungen (Bedürfnisunterschieden) vertreten und für sie einstehen (mich durchsetzen) kann. Hier kann ich mir das Quäntchen Überzeugungskraft selbst nehmen, wenn ich mich zu sehr an den Meinungen anderer orientiere, meinen eigenen Bedürfnissen und Zielen einen geringeren Wert einräume, der Harmonie willen meine Ziele aufgebe und daher nicht die richtigen Worte finde bzw. meine Gefühle und Begeisterung vor den anderen verstecke. Ich brauche ein inneres Zu-mir-Stehen, einen gesunden Egoismus und den Mut, meine Emotionen zu zeigen, damit die anderen spüren können, dass mir mein Ziel wirklich wichtig ist. Mich mit meinen Anliegen nicht durchsetzen zu können, liegt selten an der Unbeweglichkeit der anderen. Ich habe es in meiner Selbsterfahrung während meiner Trainerausbildung selbst erleben dürfen und sehe es bei unseren Teilnehmern im EQ-Training: habe ich mein Ziel fest vor Augen, bin bereit, mich voll und ganz dafür zu engagieren und das Risiko des Scheiterns einzugehen, stehe ich zu meiner Entscheidung und setze dies ins Tun um und lasse die anderen meine Überzeugung spüren, dann will meine Umgebung mich bei meiner Zielerreichung unterstützen oder mich zumindest nicht daran hindern.

Ich kann mich darauf ausruhen, den falschen Schuss Genetik mitbekommen, eine destruktive Erziehung genossen und hauptsächlich schlechte Erlebnisse gemacht zu haben und mein Schicksal bejammern oder das Leben annehmen als stete Veränderungschance - im aktiven TUN.

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