CIT-Consult Emotion-Blog

Wer führt gewinnt

29.03.2012 von: Paula Bemmann-Wöschler

„Nur wenige Führungskräfte ein, dass sie letztendlich nur eine einzige Person führen können und auch müssen. Diese Person sind sie selbst.“ Peter DruckerNach Peter F. Drucker sehen es „nur wenige Führungskräfte ein, dass sie letztendlich nur eine einzige Person führen können und auch müssen. Diese Person sind sie selbst.“ - Diese Erkenntnis, die wir als Zitat am Ende unseres EQ1-Trainings als Vorausschau auf EQ2 an der Wand des Trainingsraumes aufhängen, ist in Zeiten starker Dynamik, großer Marktkomplexität und hoher Freiheitsgrade aktueller denn je. Gilt der innere Anspruch erfolgreicher Führungskräfte doch nicht nur sehr guter Leistungsperformance, sondern auch der sinnvollen Mitgestaltung und dem persönlichen Glück.

Neben der Fachqualifikation gibt es Persönlichkeitsaspekte und Fähigkeiten, die für Führungspositionen besonders bedeutsam sind und sich in den drei Themen „Beziehungsmanagement“, „Aktivitäts- und Handlungsmanagement“ sowie „Selbstmanagement“ zusammen fassen lassen.

In diesem Artikel möchte ich näher auf das Führen in Beziehung eingehen, weil mir im Training und Coaching von Führungskräften immer noch stark verfestigte Entweder-oder-Haltungen begegnen, die zermürbend für alle Beteiligten wirken. Für mich sind Führung und Beziehung keine Gegensätze, ganz im Gegenteil. Durch Führen trete ich in Beziehung.

Kern des Beziehungsmanagements (man könnte auch der Beziehungsführung sagen) ist die Art und Weise der Interaktion mit Mitarbeitern, Kollegen, Dienstleistern und Kunden. Daher sind hier die persönliche Motivation für Führungs- und Gestaltungsaufgaben sowie zur Einbindung von Mitarbeitern und die Fähigkeit, andere mithilfe seiner Emotionen zu begeistern, wichtig. Aber auch Kontaktfreude, Kritikfähigkeit und eine relative Unabhängigkeit von sozialer Akzeptanz spielen eine wesentliche Rolle.

In die Führungsverantwortung zu gehen, wenn ich spüre, dass dies für die Zielerreichung oder für das Team wichtig ist - egal ob es eine tiefe innere Motivation von mir ist oder ich eher aus der Notwendigkeit heraus agiere (weil es kein anderer macht) - kostet immer auch Mut, sich offen zu zeigen, sich mit Andersdenkenden auseinander zu setzen ohne seine eigenen Ansichten aufzugeben und sich evtl. Kritik stellen zu müssen, wenn nicht alles fehlerfrei funktioniert. Der Lohn ist Mitgestaltung und Einfluss nehmen auf den Weg zum Ziel, auf das Miteinander, auf die Ergebnisse. Wenn ich die Führung an andere abgebe oder ganz auf meine Einflussnahme verzichte, muss ich mich nicht wundern, mich immer öfter als Opfer der Umstände wieder zu finden.

Führen ist nicht begrenzt auf die formale Position. Ich führe auch ein Team, indem ich alle integrativ einbinde, Bedürfnisse, die ich spüre oder von anderen höre offen anspreche und zum Thema der Gruppe mache oder als Vorbild diene und ethisch-moralische Werte im Umgang miteinander vorlebe. Durch das Zeigen meiner eigenen Begeisterung für eine Sache oder Idee schließlich, gelingt es mir wiederum, andere mitzureißen und ebenfalls zu begeistern.

Indem ich den ersten Schritt auf andere zugehe, übernehme ich auch in der Kontaktanbahnung die Führung. Warum sollte ich warten, bis mich jemand mit einem mir persönlich völlig uninteressanten Thema anspricht und ich die nächsten Minuten krampfhaft überlege, wie ich schnellstens die Kurve kratzen kann? Gibt es nicht genügend Dinge, über die ich mich gerne austausche oder spannende Menschen, auf deren Ansichten ich neugierig bin? In der Auseinandersetzung mit anderen erfahre ich viel mehr über mich, meine Wirkung und Selbstsicherheit oder über die Schlüssigkeit meiner Gedanken als beim Grübeln im stillen Kämmerlein. Wir sind soziale Wesen, Kontakt tut uns gut und im Kontakt lernen wir, auf andere einzugehen und uns dennoch selbst zu behaupten. Mein Umgang mit Kritik oder dem, was ich dafür halte, zeigt sich darin, ob ich mich im Nachhinein selbst abwerte - oder den Überbringer - oder aber kritisch prüfe, was ich davon annehme und was nicht. Auch der Überbringer kann einen Zweck verfolgen - bewusst oder unbewusst - der nicht in meinem Sinne sein muss. Dies brauche ich ihm nicht übel nehmen, wir alle manipulieren unsere Umwelt ständig, ich sollte mir jedoch meiner Entscheidung bewusst sein, was ich daraus mache und im Anschluss dazu stehen. Auch das bedeutet Selbstführung.

Ein besonderer Persönlichkeitsaspekt im Umgang miteinander ist zudem die innere Ausrichtung, sich von der sozialen Akzeptanz anderer abhängig zu machen oder relativ unabhängig davon zu sein. Denn klar ist, dass wir als soziale Wesen Beachtung von anderen brauchen. Sie ist ein biologisches Grundbedürfnis wie die Luft zum Atmen. Nur stellt sich die Frage, wie sehr ich mein Handeln danach ausrichte, wie andere über mich denken und sprechen. Selbstführung beginnt auch hier, mir im ersten Schritt bewusst darüber zu werden, ob und wie sehr ich mich nach der Anerkennung durch andere ausrichte. Welche äußeren Spots suche ich auf, um mich in deren Licht zu sonnen? Um im zweiten Schritt mir mehr und mehr eigene Spots der Anerkennung zu schaffen, die den Vorteil haben, dass ich sie überall hin mitnehmen kann.

Wer in diesem Sinne in Beziehungen führt, wird Gefühle offen zeigen und ansprechen, sich klar positionieren und dadurch für andere einschätzbar sein, sich für die Beziehung engagieren und sie mitgestalten, auch von sich aus den Kontakt suchen und integrierend wirken, berechtigte Kritik annehmen, sich von seinen eigenen Werten leiten lassen und emotional begeistern. Und dadurch gewinnen alle.

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