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Mit Freude Frau sein

08.03.2012 von: Paula Bemmann-Wöschler

Es gibt eine schöne Tradition aus meinen Jugendtagen, die - zwar in der ehemaligen DDR öffentlich indoktrinierend exerziert - aber im Umgang miteinander liebevoll und wertschätzend gehandhabt wurde und mir heute, am 101. Jubiläum, wieder in den Sinn gekommen ist.

Wie ich ihn kenne, war der 8. März wirklich ein Frauentag. Er begann mit Blumen auf dem Frühstückstisch, Westkaffee und Spiegelei. Meine Mama und ich wurden von den Männern des Haushaltes richtig verwöhnt: der Tisch war bereits gedeckt als wir geweckt wurden, alle Haushaltspflichten für heute tabu. Als ich das erste Mal als kleine Frau an diesem Tag gefeiert wurde, war ich richtig stolz. Und dabei hatte ich gar nichts dafür „geleistet“. Es war ein tolles Gefühl, einfach so für mein Sein wertgeschätzt zu werden.

Natürlich haben die Jungs in der Schule nicht wirklich Rücksicht darauf genommen, dass heute mein Tag und der meiner Freundinnen war. Aber nach dem morgendlichen Beginn störte mich das Gekicher und die kleinen Sticheleien meiner Freunde und Schulkameraden überhaupt nicht. Ich fand sie eher als positive Bestätigung - es war nicht mehr zu übersehen: ich gehöre jetzt zu den Frauen!

Spätestens am Nachmittag fanden auch die Jungs den Frauentag gut. Denn heute war ab Mittag schulfrei. Geschlossen liefen wir bei unserer Patenbrigade auf - in der heutigen Zeit hieße es vielleicht Paten-Arbeitsteam oder so ähnlich.

Wie auch immer, jede Schulklasse hatte eine eigene Patenbrigade aus einem der VEBs oder einem der Kombinate der Umgebung. Das Gute für uns Schüler war daran, dass Paten ja immer tolle Geschenke bei Festlichkeiten und Festakten vorbei brachten. Und gefeiert wurde viel in der DDR ;-) Revanchiert haben wir uns bei unseren Paten dann mit Liedernachmittagen und kleinen Gedichtvorträgen. Das war natürlich mit zunehmendem Alter nicht mehr ganz so cool, wurde aber immer mit Herzlichkeit und gutem Kuchen belohnt!

Da standen wir also, jeder ein Blümchen in der Hand, singend und rezitierend vor den werktätigen Frauen. Sie schienen sich tatsächlich zu freuen und sahen so aus, als hätten sie sich heute schon den ganzen Tag amüsiert. Vielleicht war unser Beitrag auch nur ehrlicher als die x-te Anstecknadel vom Parteiapparat. Seltsam, trotz der staatlichen Verordnung empfand ich den 8. März immer als eine liebevolle, wertschätzende Ehrung der Frauen.

Ich bin fast ein klein wenig enttäuscht, als ich heute in der Tageszeitung keinen Hinweis auf den Frauentag finde. Warum also nicht eine gute, alte Tradition wieder aufleben lassen - und wenn´s nur für mich ist? Ich genieße heute mal ganz bewusst, dass ich Frau bin und verwöhne mich, wenn schon nicht den ganzen Tag, dann doch am Abend. Vielleicht habe ich Lust, gute Musik vorm Kamin mit einem Glas Rotwein zu zweit zu genießen oder ich laufe für mich allein in der Abendsonne und lege mich danach mit einem guten Buch in die Wanne oder ich schmeiß mich nachher in tolle Klamotten und treffe mich mit ein paar Freunden - je nachdem, wie ich mich gerade fühle und nur so, aus Freude am Frausein!

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