CIT-Consult Emotion-Blog

Je länger je lieber

30.05.2011 von: Michael Blochberger

Nach einem Inhouse-Seminar beschwerte sich ein Teilnehmer bei seinem Arbeitgeber, ich als Trainer sei so vermessen gewesen, Begriffe aus dem Privatleben wie “Partnerschaft” oder “Beziehung” für das Berufsleben zu “missbrauchen”, wo das doch wirklich nichts zu suchen hätte… Ich darf zugeben, dass ich zunächst irritiert war, aber das Feedback war wirklich ernst gemeint! Ich musste erkennen, dass es Menschen gibt, die auch auf einer sprachlichen Trennung von Privatem und Beruflichem bestehen und nicht verstehen wollen, dass es, ganz gleich, wann und wo, immer nur um die Beziehung zwischen Menschen geht.

Solch einen Menschen im Seminar zu haben, ist für jeden Trainer eine Herausforderung, weil es gilt, dessen alte Verhaltensmuster und Glaubenssätze aufzubrechen, um den notwendigen Perspektivwechsel zu ermöglichen. Oft sind tiefe Ängste für die Abwehrhaltungen und Schuldzuweisungen dieser Menschen verantwortlich. Nur die richtige Mischung von Vertrauensbildung und stetig steigenden Herausforderungen bringen einen so verschlossenen Menschen dazu, kleine neue Schritte zu gehen und sich neu zu erleben. Das kostet viel Geduld, Aufmerksamkeit, Mut und vor allem Zeit.

Im oben geschilderten Fall war die Zeit nicht gegeben. Das zweitägige Konflikttraining gab mir nicht die Chance, diesen Menschen an seine Grenzen zu führen. Anders als bei Fachthemen benötigt man für Softskills mehrere Tage, um jedem die Chance zu geben, selbst bleibende Erfahrungen zu machen. Ganz ehrlich? Alles andere ist rausgeschmissenes Geld.

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