CIT-Consult Emotion-Blog

Einander nah sein

21.05.2010 von: Paula Bemmann-Wöschler

Noch ein, zwei Schritte, dann rechts um die Ecke und mein Blick ist frei: Da steht sie, die „Grand Dame“, sandsteinern, barock, ganz selbstverständlich. Dunkle Stellen zeichnen wie verheilte Wundmale ihr Antlitz. Kaum zu glauben, dass ich genau hier an dieser Stelle vor 25 Jahren auf einen mit Gras umwucherten Haufen Schutt und Gesteinsreste starrte, mir antifaschistische Worthülsen in den Ohren summten und mein Herz von einer mir bis dato unbekannten Sehnsucht Heim gesucht wurde.

Durch eine der sieben Türen trete ich ein und lehne mich an einen Pfeiler. Unmengen von Menschen erfüllen mit ihrem Geplapper den großen Licht durchfluteten, pastellbemalten Kuppelraum. Ich nehme den rastlosen Aktionismus der anderen um mich herum nur kurz wahr. Wenn sie nicht ruhen, nicht spüren wollen oder können, dass hier eine besondere Atmosphäre herrscht, dann eben nicht. Ich blende sie einfach aus und höre jetzt wieder ganz deutlich Dein Schwärmen. Vielleicht standest Du vor dem Krieg genau hier, wo ich jetzt stehe, sahen Deine Augen die Zartheit der Farben und die kraftvollen Formen. Damals, vor 25 Jahren, glaubte ich, diese Schönheit wäre für meine Generation für immer verloren.

Welch ein Geschenk von abertausenden Menschen aus aller Herren Länder an mich! Unter Tränen erfülle ich sie endlich – meine Sehnsucht, Seit an Seit mit Dir hier zu stehen. Deine Begeisterung von diesem Ort, die ich als Kind in Deinen Augen sah, spüre ich plötzlich auch in mir, tief in meinem Herzen. Ich fühle Dich neben mir stehend, mich wärmend mit Deiner Liebe, sicher bei mir.

Lass mich schlafen,
bedecke nicht meine Brust mit Weinen und Seufzen,
sprich nicht voller Kummer von meinem Weggehen,
sondern schließe deine Augen,

und du wirst mich unter euch sehen,
jetzt und immer. (Khalil Gibran)

Irgendwann trete ich hinaus in den taghellen Regen und fühle mich wunderbar nah und verbunden mit Dir. Ich hatte eine Ahnung, aber jetzt weiß ich es ganz sicher, dass Du immer bei mir bist, Opa, und dass das unser Ort ist, an dem wir uns auf eine besondere Art begegnen können.

Link zur Frauenkirche: http://www.frauenkirche-dresden.de/

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