CIT-Consult Emotion-Blog

Berliner Gefühle

03.09.2009 von: Michael Blochberger

Ich bin noch ganz aufgewühlt von einem verlängerten Wochenende in Berlin. In einer Architektenführung durch die Kunst- und Kulturszene konnte ich spüren, welche irre Aufbruchsstimmung diese geschundene Stadt zu neuem Leben erweckt – im Großen wie im Kleinen. Da wetteifern die besten Architekten der Welt darum, die historischen Gebäude auf der Museumsinsel zu restaurieren. Mit einem monströsen Aufwand wird das Erhaltenswerte mit moderner Architektur verbunden – koste es was es wolle. Und in den verfallenen Hinterhöfen von Ostberlin gedeiht in selbstbewusster Bescheidenheit eine alternative Kunstszene, die Berlin in nur 20 Jahren zum Mittelpunkt der deutschen Kulturszene gemacht hat.

Am Samstag Abend stehen wir mit 50.000 Menschen auf dem August-Bebelplatz um einer Live-Aufführung der Wagner-Oper Tristan und Isolde zu lauschen, die aus der Staatsoper übertragen wird. Eine fünfstündige monumentale Gänsehaut-Atmosphäre die ihres Gleichen sucht. Nur 24 Stunden später schlendern wir auf dem Heimweg die Spree entlang und hören eine Stimme lupenrein über der Stadt schweben. Wir folgen den Klängen und gelangen zum Bodemuseum in dessen Eingang ein Hornquartett mit einer asiatischen Sopranistin Opernmelodien präsentiert. Ganz ungezwungen stehen und sitzen wir mit 150 Musikfreunden auf der Brücke und genießen die unvergleichliche Akustik dieses Spätsommerabends. Ich kann mich nicht entsinnen, dass mich eine Großstadt so berührt hat wie Berlin – im Großen wie im Kleinen. Da kommt auch Paris nicht mit.

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