CIT-Consult Emotion-Blog

Ankommen, trotz Aschewolke!

22.04.2010 von: Michael Blochberger

Aufgrund schlechter Wetterbedingungen auf den Kanaren bin ich mit 24 Stunden Verspätung in Nürnberg eingetroffen und warte auf meinen Weiterflug nach Hannover. Am Gate A16 sind die ersten Gäste abgefertigt, als ein Anruf kommt, der die Damen am Check-In sichtlich verunsichert. “Bitte nehmen Sie wieder Platz, wir warten auf neue Anweisungen.” Schlagartig wird mir klar: Heute kommst du nicht mehr nach Hause. Die isländische Aschewolke droht alle privaten und beruflichen Pläne zunichte zu machen. Ich muss am nächsten Morgen nach Wolfsburg, um ein Seminar vorzubereiten! Was nun?

Von Mitreisenden erfahre ich, dass der letzte Zug nach Norden in 5 Minuten fährt und acht-einhalb Stunden benötigt. Keine Chance! Ein Mietwagen! Wir stürzen durch die Gepäckausgabe raus zu den Autovermietern. An jedem Schalter die gleiche Auskunft: In ganz Nürnberg ist kein Mietwagen mehr zu bekommen. Wieder zurück durch die Gepäckkontrolle zum Infoschalter. Dort ist die Hölle los: Eine Traube wütender Reisender brüllt durcheinander. Die Auskunft ist die alte: Wir warten auf neue Anweisungen. Ich versuche, meine Co-Trainerin in Fulda zu erreichen – nur die Mailbox antwortet.

Nach einer Stunde mache ich mich auf die vergebliche Suche nach einem Hotelzimmer. Da kommt die Durchsage: Ihre Maschine nach Bremen ist am Gate A51 zum Einsteigen bereit. Wie bitte? Da will ich hin! Ich schnell zum Gate 51, an der Schlange vorbei: Ist die Maschine ausgebucht? – Nein, es sind noch wenige Plätze frei. – Wo kann ich umbuchen? – Unten, am AirBerlin-Schalter.
Ich wieder runter, durch die Gepäckausgabe zum Schalter. Ich drängle mich an der Schlange vorbei: Ich möchte auf die Maschine nach Bremen umbuchen! – Das geht nicht, die Maschine ist voll! – Das kann nicht sein, am Gate sagte man mir, es sind noch Plätze frei – Im Systems ist sie ausgebucht. – Buchen Sie mich um, wenn die Info vom Gate kommt? – Ja.

Ich wieder zurück durch die Gepäckkontrolle zum Gate A51. Die Passagiere sind eingestiegen. Die Dame telefoniert mit meinem Gesprächspartner von eben. Der will nicht. Jetzt ganz ruhig bleiben! Noch 5 Minuten. Ich renne zum Infostand. Dort hat sich die Menge etwas beruhigt. Ich schleiche mich von hinten an die Rückseite des Tresen: Ich möchte umbuchen auf den Flug nach Bremen! – Das geht nicht mehr. – Ich habe nur Handgepäck. Der Check-In weiß bescheid und die Maschine wartet. – OK, komm rüber. – Er nimmt mein Ticket, telefoniert, tippt die Flugdaten in seinen Rechner. Fünf Minuten später passiere ich Gate 51. Der Bus ist weg. Ich darf warten. Ein Bus kommt, nur für mich. Wir heizen übers Rollfeld. Die Boing ist startbereit, die Treppen sind weg, die Triebwerke fauchen. Der Kopfhörermann fuchtelt mit einem gelben Schein und schreit: Die Maschine ist schon zu! – An den Bullaugen drücken sich die Passagiere die Nasen platt. Die Rolltreppe kommt zurück, wird abgelassen, entriegelt, die Tür geht auf. Ich nehme die Stufen im Flug. Fast 200 Passagiere fixieren mich. Wenn Blicke töten könnten! Ich nehme den ersten freien Platz, schnalle mich an, die Maschine rollt schon…. Geschafft!!!

Die Stewardess fragt mich: Sind Sie informiert worden, dass wir nicht in Bremen landen sondern in Münster? …… Scheiß egal, Hauptsache weg. Fünf Stunden später, morgens um 4, bin ich mit Bus und Taxi endlich daheim…

Tags: Angst, Aggression | 
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