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Die Wahrheit von der Macht des Weihnachtsmannes

13.12.2010 von: Michael Blochberger

Unser Sohn Pablo ist 7 Jahre alt, als er beginnt, am Weihnachtsmann zu zweifeln. “Alle sagen, den Weihnachtsmann gibt es gar nicht. Die Eltern sind es, die die Geschenke besorgen!” In seinen Worten spüren wir den Zwiespalt aus Zweifel und Enttäuschung. Würden wir ihm nicht das Weihnachtsfest entzaubern, wenn wir ihm jetzt die Wahrheit sagen würden? “Wie kommst du denn darauf?” Ich schüttele den Kopf. “Wie sollten wir denn so viele Geschenke kaufen können, ohne dass du es bemerken würdest…?”

Der Gedanke beschäftigt ihn, ohne ihn wirklich zu überzeugen. Zu seiner üblichen Vorfreude auf Weihnachten mischt sich jetzt der Wunsch, der Sache auf den Grund zu gehen. Am Heiligabend, als es dunkel wird, schmücken wir den Weihnachtsbaum. “Ich will sehen, ob ihr das seid, die die Geschenke unter den Baum legen,” platzt es aus ihm heraus und er rührt sich nicht mehr von der Stelle. Weder durch Spielen noch durch Fernsehen lässt er sich ablenken. Die Zeit vergeht und nichts geschieht. “Der Weihnachtsmann wird nicht kommen, wenn er sich beobachtet fühlt,” sage ich. “Lass uns mal raus gehen, vielleicht sehen wir, wenn der Weihnachtsmann kommt?”

Eine gute Idee. Wir gehen ein paar Schritte in die klare spanische Nacht hinaus, um meiner Frau die Zeit zu geben, die Geschenke aufzubauen. Mit dem Rücken zum Haus legen wir die Köpfe in den Nacken, um das überwältigende Meer funkelnder Sterne zu betrachten. Schweigend stehen wir da und staunen, als der Schweif einer riesigen Sternschnuppe direkt über unsere Köpfe hinweg saust. “Hast du das gesehen? Ob das der Weihnachtsmann war?” Pablo ist sofort hellwach, dreht sich um und will zum Haus zurück… Da wird es schlagartig dunkel um uns herum.

Erschrocken schauen wir uns um, weit und breit ist kein Licht zu sehen, keine Straßenbeleuchtung, keine erleuchteten Fenster in den Häusern, kein Mond am Himmel. Unser Haus hebt sich als schwarze Sillouette vom Sternenhimmel ab. “Ein Stromausfall!” rufe ich. “Das war bestimmt der Weihnachtsmann! Das macht er nur, weil er nicht überrascht werden will…” Wir tasten uns im Dunkeln zurück, begegnen meiner Frau auf der Suche nach Kerzen und Streichhölzern.

Pablo ist beeindruckt. Mit zittrigen Händen hält er seine flackernde Kerze und gemeinsam gehen wir in die Küche, wo der dunkle Weihnachtsbaum neben dem Esstisch steht. Unter dem Baum brennt eine kleine Kerze und wirft ihr spärliches Licht auf eine Reihe roter und grüner Päckchen, die vor wenigen Minuten noch nicht da gelegen haben.

Unser Sohn ist überwältigt. Mit einem verhaltenen Jauchzer geht er auf die Knie und beginnt, seine Geschenke vorsichtig auszupacken. Schweigend nehme ich meine Frau in den Arm und genieße mit ihr das romantischste und aufregendste Weihnachtsfest seit Jahren. Wir danken dem Weihnachtsmann und seinen guten Beziehungen zum spanischen Elektrizitätswerk, das noch eine ganze Stunde wartet, bis es den Strom wieder einschaltet. Und unser Sohn vergisst alle Zweifel und genießt noch einmal die schönste Lüge der Welt.

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