CIT-Consult Emotion-Blog

Optimismus zwischen Gut und Böse

22.03.2011 von: Michael Blochberger

Optimismus zwischen Gut und BöseIn den Medien überschlagen sich die Hiobsbotschaften: Drohender Super-Gau im AKW Fukushima! Krieg in Libyen! Über 20.000 Opfer und 450.000 Obdachlose nach dem Tsunami in Japan! Die Welt scheint endgültig aus den Fugen zu geraten. Wird die Menschheit zum Opfer von verantwortungslosen Spinnern, skrupellosen Organisationen und unberechenbaren Naturkatastrophen? Ich spüre diesen Druck in meiner Brust, dieses Gefühl einer beklemmenden Ohnmacht in meinem Herzen. Es ist nicht leicht, in diesen Tagen optimistisch in die Zukunft zu schauen. Woher nehme ich die Freude und Energie, meine Dinge voranzutreiben?

Ich sehe nach draußen in den Garten. Am Sonntag war Frühlingsanfang. Die Sonne scheint. An den Büschen und Bäumen sprießen die Knospen und die Vögel sind unermütlich damit beschäftigt, für ihren Nestbau zu sammeln. Wohin mein Blick fällt, entdecke ich unzählige Symbole neuen Lebens, eine frühlingshafte Idylle des Aufbruchs. Während die ganze Welt nach Katastrophen giert, ist in meinem friedlichen Mikrokosmos alles voller Hoffnung und Zuversicht. Ist es nicht verlockend, vor dem globalen Chaos die Augen zu schließen und sich in die eigene Welt zurückzuziehen?

Just in dieser Sekunde habe ich eine Erscheinung in Form eines Tweets auf meinem iPhone: “Leben heisst, mehr Träume in meiner Seele zu haben, als die Realität zerstören kann,” lese ich da. Ich kann mir ein Lächeln nicht verkneifen. Da ist er wieder: Der Zwiespalt zwischen einer erschreckend aggressiven globalen Welt und dem sinnlich hoffnungsvollen Innenleben einer heilen Seele! Irgendwie kann ich mich in der bitteren Ironie dieses Widerspruches wieder finden.

“Humor ist die Lust zu lachen, wenn einem zum Heulen ist,” hat Werner Fink einmal gesagt. Wie Recht er hat! Nichts kann aus einer schmerzhaften Niederlage so viel Freude und Energie ziehen, wie echter Humor. Denn “die verborgene Quelle des Humors ist nicht Freude, sondern Kummer” (Mark Twain). Indem wir über unseren Kummer lachen, nehmen wir ihm den Schrecken und erzeugen so einen Lustgewinn, der uns hilft, unser Leben mit Freude weiter zu gestalten.

Humor ist wohl der wertvollste Berater in Krisen. Aber um Humor zu entwickeln, darf ich den Kopf nicht in den Sand stecken, sondern muss den ewigen Zwiespalt zwischen Außen und Innen, Angst und Hoffnung, Leid und Freude erkennen und annehmen. Mein Leben bereichert sich (wie auch mein humorvoller Tweet) an dem Spannungsverhältnis der Polaritäten. Wer nur das Gute oder nur das Böse sehen will, dem wird es nicht gelingen, die ganze Tiefe und den ganzen Reichtum seines Lebens (des Tweets) zu genießen.

Wer nur das Gute sehen will und seine Ängste verleugnet, beschränkt sich auf den kurzweiligen Genuss, der aber nicht von Dauer sein kann. Diese Menschen schaffen sich eine oberflächliche Scheinwelt, weil sie die Schattenseiten des Lebens zu ignorieren versuchen. Sie haben etwas von der Naivität von Kindern. Sie wollen nicht erwachsen werden, denn das hieße, Schmerzen anzunehmen, Verantwortung zu tragen und der Realität ins Auge zu sehen. Wer nur das Gute sehen will, vergeudet letztendlich sein Leben. Er wird die Tiefe seiner Persönlichkeit nicht erfahren und wird sein Glück nie wirklich begreifen können.

Anders die ewigen Pessimisten, die ihre Ängste spüren und unter der Ungerechtigkeit der Welt leiden. Sie stehen in der Gefahr, die schönen Seiten des Lebens zu übersehen, weil sie nicht mehr Herr ihrer negativen Gefühle sind. Im besten Fall richten Sie ihren Schmerz nach außen, und versuchen, ihre Umwelt zu verändern. Im schlimmsten Fall richten sie ihren Frust nach innen und werden depressiv und krank. Wer nur das Böse im Fokus hat, findet nicht zu seiner wahren Stärke, weil er zu sehr im Konflikt mit seiner Außenwelt steht und deshalb nicht zur Ruhe kommt.

Zufrieden können nur die sein, die die Balance zwischen Außen und Innen gefunden haben. Diese glücklichen Menschen haben die Träume in ihrer Seele gefunden und leben diese. Auch wenn die äußere Realität sie daran hindern will, geben sie ihre Träume nicht auf, sondern kämpfen für sie. Sie sind die wahren Optimisten, weil sie nicht nur das Gute sehen, sondern auf das Böse vorbereitet sind. Sie wissen sich der bitteren Realität zu beugen, ohne sich brechen zu lassen. Aus ihrem Leid ziehen sie die Kraft, das Zerstörte wieder aufzubauen und das Bewusstsein, die Welt verbessern zu können.

Ich wünsche dem Japanischen Volk und uns allen, dass wir daraus lernen können.

 

Foto: Andrea Kusajda/pixelio.de

facebook twitter