CIT-Consult Emotion-Blog

Mehr Raum für die Sensiblen!

29.08.2011 von: Michael Blochberger

Sensible sind Teamplayer, kreative Querdenker für neue LösungenMit 20 bescheinigten mir die Psychologen des Arbeitsamtes nach einem Berufseignungstest, dass ich eine hochsensible Persönlichkeit sei. Nun war das grundsätzlich nichts Neues für mich. Als ängstliches Kind hatte ich derbe Altersgenossen und Prügeleien immer gemieden. Ich las viel, pflegte meine musischen Interessen und fand das OK so. Neu für mich war, dass mir diese Diagnose mit einem ernsthaft-bedauernden Mitgefühl überbracht wurde, so als hätte ich eine unheilbare Krankheit.

Ich kann mich nicht mehr erinnern, welche Berufsfelder man mir damals empfahl, aber dieses merkwürdige Verhalten habe ich bis heute nicht vergessen. Unabhängig von diesem Eignungstest entschied ich mich für den Beruf des Grafik-Designers, in dem mir mein Feingefühl, meine Kreativität und Sensibilität sehr von Nutzen sein sollten.

Aber schon mit der ersten Berufserfahrung musste ich auch feststellen, dass es mir schwer fiel, mich den Arbeitsbedingungen im Unternehmen anzupassen. Mir als Mimose fehlte die Ruhe, die Vertrautheit und der stimmige Rahmen, meine Qualitäten entwickeln und ausspielen zu können. Die Organisation und Gruppendynamik am Arbeitsplatz empfand ich als ungeheuer störend und leistungshemmend. Ich war total unzufrieden mit mir und meiner Umgebung und wurde immer häufiger krank.

Also blieb mir nur die Flucht in die Selbständigkeit, um das für mich passende Arbeitsumfeld selbst schaffen zu können. Hier blühte ich auf und hatte große Freude an meinem Tun. Meine Firma wuchs mit den Aufgaben. Ich stellte Mitarbeiter ein, die zu mir passten und es gelang mir immer wieder, hoch produktive Teams zusammenzuführen. Wir arbeiteten viel, aber wir hatten den Ruf, die besten Arbeitsbedingungen in der Branche zu haben. Ich hatte einen Rahmen für sensible Menschen geschaffen, in dem wir uns weitgehend wohl fühlen konnten.

Je größer aber die Organisationen wurden, für die wir arbeiteten, desto weniger ging es um unsere Leistung. Kundengewinnung und Kundenbindung wurden immer häufiger zum politischen Kraftakt. Es ging darum, Beziehungen zu pflegen, Mehrheiten zu gewinnen und die Fäden zu ziehen. Ich wurde mit Schmiergeldforderungen und Bestechungsversuchen konfrontiert – verlor zunehmend den Glauben an meine Umwelt und den Spaß an meiner Arbeit.

Und wieder trat ich die Flucht nach vorn an. Mit der Gründung des Instituts CIT schuf ich mir eine neue Herausforderung, nämlich die, Führungskräfte und Organisationen darin zu unterstützen, die Unternehmenskulturen und Arbeitsbedingungen so zu verbessern, dass alle Mitarbeiter ihre Potentiale nutzen und entsprechend ihrer Fähigkeiten zum Einsatz bringen können. Im Speziellen betrifft das die Gruppe der hochsensiblen Persönlichkeiten, denen in der Ellenbogengesellschaft nicht mehr der Raum gegeben wird, sich zu entfalten.

Dabei sind gerade sie es, die uns die Ideen, die Inspiration und die Innovation für die Zukunft geben können und müssen. Die Sensiblen sind die Teamplayer, die für die Gemeinschaft denken und handeln. Sie sind die Querdenker, die auch in Krisen neue Wege und Lösungen finden. Sie leiden unter dieser manisch-egoistischen Gesellschaft mehr als andere, deshalb spüren sie früher, wenn etwas schief läuft und können enorme Energien entwickeln, sich für ihre Ideale einzusetzen.

Mir liegt es heute besonders am Herzen, diese Menschen dabei zu unterstützen, Mut, Selbstbewusstsein und Authentizität zu entwickeln. Für sie ist es besonders wichtig, sich nicht verbiegen zu lassen, sondern für sich und ihre Werte zu kämpfen. Ich selbst musste nicht nur den Arbeitnehmerstatus aufgeben, sondern auch den Beruf wechseln, um andere an meinen Erfahrungen teilhaben zu lassen und zur Zufriedenheit zurück zu finden.

In meinen Trainings, besonders in EQ1 – Mit Gefühl zu mehr Erfolg können sensible Persönlichkeiten und Führungskräfte die Erfahrung machen, welche Bedingungen sie benötigen, um erfolgreicher und zufriedener zu werden. Wer einmal ein solches Training durchlebt hat, weiß, was ihm zum Glück fehlt. Dann fällt es leichter, sein Leben in die Hand zu nehmen und sich auf den Weg zu machen. Sensibilität ist nämlich keine Krankheit, sondern eine Gnade, wenn man gelernt hat, sie wertzuschätzen und zu nutzen.

 

Foto: Martina Taylor/pixelio.de

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