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Selbstverantwortung: 7 Chancen, die Krise zu meistern

07.03.2021 von: Michael Blochberger

Die Monate des Lockdowns habe ich dazu genutzt, trotz der Einschränkungen mit möglichst vielen Menschen ins Gespräch zu kommen: Beim Spaziergang mit Freunden. Am Telefon. Im Zoom Meeting. Oder maskiert mit Fremden in der Warteschlange. Ich wollte erfahren, wie andere die Corona-Krise erleben. Was macht ihnen Angst? Was gibt ihnen Hoffnung? Wie finden sie Sicherheit?

Von der Vielfalt unterschiedlicher Meinungen wurde ich oft überrascht, weil sie meinen Erwartungen an die Person so häufig nicht entsprachen. Da entpuppte sich der langjährige Freund als Corona-Leugner und die junge Frau vor der Apotheke spricht sich für den Impfpass aus. Quer durch alle Schichten zeigen die Menschen in der Angst ihren wahren Charakter und ihre Einstellung wird zum Spiegel ihres emotionalen Bewusstseins. 
 
Denn in der Bewältigung von Krisen werden unsere emotionalen Kompetenzen noch mehr gefordert als im gewohnten Alltag. Ohne Vertrauen in mich und andere bin ich meinen Ängsten bedingungslos ausgeliefert. Ohne Mut kann ich weder mich noch andere motivieren. Ohne Verantwortungsbewusstsein keine Lösungen entwickeln. Aber aus der Vielfalt der benötigten Kompetenzen lassen sich einzelne Schritte der Krisenbewältigung erarbeiten, die sich ergänzen und aufeinander aufbauen. 
 
1. Die Realität annehmen
 
Um eine Krise bewältigen zu können, müssen wir sie zunächst in ihrer ganzen Tragweite ernst nehmen und akzeptieren. Wer die Situation verharmlost oder schön redet, kann nicht angemessen reagieren und bringt sich eher in Gefahr als in Sicherheit. 
 
Für eine objektive Bewertung der Risiken ist es also sinnvoll, sich sachkundig zu machen. Dazu sollte man glaubwürdige Quellen von fachkundigen Spezialisten nutzen und nicht den selbsternannten „Fachleuten" im Internet vertrauen, wie es Corona-Leugner gerne tun. Nur über eine realistische Einschätzung der Faktenlage schaffen wir uns eine Basis für die weitere Krisenbewältigung.
 
2. Aktiv werden statt resignieren
 
Im zweiten Schritt können wir uns Gedanken machen, wie wir den möglichen Auswirkungen der Krise begegnen bzw. wie wir uns vor ihnen schützen können. Um auf Nummer sicher zu gehen, sollten wir möglichen Gefahren vorbeugen, bevor wir durch die Umstände dazu gezwungen werden. Im 'Krisenmodus' müssen wir andere Prioritäten setzen, zum Beispiel die eigene Existenz absichern und unwichtigere Ausgaben verschieben. 
 
Auch wenn wir das Gefühl haben, auf eine Situation keinen Einfluss zu haben, weil wir in Kurzarbeit geschickt wurden oder nicht arbeiten dürfen, sollten wir uns sinnvoll betätigen. Statt in destruktive Lethargie abzurutschen, investieren wir unsere freie Zeit lieber in sportliches oder soziales Engagement. So bewahren wir unsere körperliche und seelische Gesundheit und machen uns fit für kommende Herausforderungen. 
 
3. Selbstverantwortung statt Schuldzuweisungen
 
Ein weit verbreiteter Reflex in Krisen aller Art ist es, anderen die Schuld zu geben und sie für die Situation verantwortlich zu machen. Das mag menschlich sein, führt aber eher zu Konflikten als zu Lösungen. Wenn es hart auf hart kommt, ist es notwendig, dass jeder selbst Verantwortung für sein Leben übernimmt, sich vor drohenden Gefahren schützt und seine Lebensplanung den verschärften Bedingungen anpasst. In Corona-Zeiten beginnt das beim Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes, führt zu einer krisenkompatiblen Tagesroutine bis hin zur Bereitschaft, sich impfen zu lassen.
 
Der Staat und seine Institutionen haben die Aufgabe, die gesellschaftlichen Systeme so weit zu stützen, dass die Katastrophe noch beherrschbar bleibt, aber sie können natürlich nicht die Verantwortung für jedes Einzelschicksal übernehmen. Durch die Erweiterung des Kurzarbeitergeldes wurden Millionen von Arbeitsplätzen gesichert. Für Selbständige gab es punktuelle Finanzhilfen. Krisengeschüttelte Branchen erhalten staatliche Kredite und Bürgschaften. Diese großzügigen Hilfen entbinden aber keine Partei davon, sich den veränderten Bedingungen anzupassen oder sich neu aufzustellen. Ob Angestellter oder Unternehmer: Diese Verantwortung liegt immer bei dir!
 
4. Positive Freunde statt destruktiver Kontakte 
 
Echte Krisen werden schnell zu einem Belastungstest für bestehende Freundschaften und Beziehungen. Wenn es dir schlecht geht, wenn du einen Gesprächspartner, ein Feedback oder echte Unterstützung benötigst, zeigt sich, auf wen du dich verlassen kannst und auf wen nicht. In solchen Momenten hilft es dir wenig, mit anderen dein Elend zu beklagen oder dich weiter demotivieren zu lassen. Was du brauchst, sind konstruktive Gespräche, die Mut machen. Zündende Ideen, die Spaß bereiten auf neue Herausforderungen. Konstruktive Menschen, die dich fordern und fördern.
 
Krisen sind immer auch Chancen, die falschen Kontakte von den echten Freunden zu unterscheiden. Während sich die Falschen von dir verabschieden, kannst du die wirklich wertvollen Beziehungen vertiefen und dein Vertrauen in sie wachsen lassen. Partner, die mit dir durch Dick und Dünn gehen, sind nicht mit Geld zu bezahlen, denn sie helfen dir, jede Krise zu überstehen – machen dich krisenfest. Für den Fall, dass du niemanden in deinem Bekanntenkreis findest, der dir Rat und Rückendeckung geben kann, lass dir jemanden empfehlen, der dir professionelle Hilfe geben kann: einen Arzt, einen Coach oder einen Therapeuten.
 
5. Raus aus der Komfortzone – auf zu neuen Zielen
 
Jede echte Krise bringt unsere Gewohnheiten und Routinen durcheinander. Das zeigt uns Corona nur zu deutlich. Unser öffentliches Leben, unser Miteinander wird auf das intimste Private reduziert. Unzählige Dinge, die für uns bisher selbstverständlich waren, die uns Freude, Bestätigung und Erfolg gebracht haben, werden im Moment unmöglich, verboten oder digitalisiert. Und immer, wenn uns etwas genommen wird, was uns lieb und teuer war, bleibt Frust und Enttäuschung zurück. Diese destruktiven Gefühle können wir am besten überwinden, indem wir uns neue Perspektiven suchen, neue Quellen der Bestätigung, die uns wieder Hoffnung geben. Das heißt aber: jeder muss über seinen Schatten springen und sich diese oder ähnliche Fragen beantworten:
 
Bist du bereit, deine Komfortzone zu verlassen und Neues auszuprobieren? Wieviel Mut und Flexibilität bringst du mit, um von alten Gewohnheiten loszulassen? Was sind deine Kernkompetenzen, die du jetzt nutzen möchtest? Welche Ressourcen musst du noch entwickeln, um den neuen Herausforderungen gewachsen zu sein? Welche destruktiven Glaubenssätze und Einstellungen möchtest du dazu loslassen? 
 
Die daraus resultierenden Antworten werden so individuell sein wie unsere Lebensumstände. Als Angestellter im Homeoffice wirst du andere Interessen und Ziele entwickeln als ein unbeschäftigter Künstler, ein Gastronom oder ein Einzelhändler, der nicht öffnen darf. Je größer das von dir getragene Risiko, desto flexibler und engagierter musst du dich einbringen. Aber im ersten Schritt geht es nur darum, den Blick in die Zukunft zu richten, wieder Hoffnung zu schöpfen und dir neue Perspektiven zu schaffen.
 
6. Lebe nie über deine Verhältnisse
 
Jede Krise ist eine gute Gelegenheit die eigenen Finanzen auf den Prüfstand zu stellen, mit dem Ziel, die Fixkosten zu senken und mehr Handlungsspielraum für den Notfall zu schaffen. Für Selbständige und Unternehmer hat das absolute Priorität, weil sie die alleinige Verantwortung für sich und die Existenz des Unternehmens tragen. Aber auch Angestellte sollten sich für den Notfall präparieren. Obwohl Arbeitgeber und Staat einige Risiken abfedern, macht es Sinn, sich auf mögliche Einkommensverluste, im schlimmsten Fall auf den Verlust des Arbeitsplatzes vorzubereiten.
 
Durch Konsumverzicht sind kurzfristig sicher einige Einsparungen möglich. In der Summe reicht das aber selten aus, um eine schwere, existenzielle Krise zu bewältigen. Dazu musst du deine Fixkosten entscheidend senken und das ist nur mittelfristig zu lösen:
 
Zunächst gilt es, laufende Kredite, Leasingverträge, Kontoüberziehungen und Finanzierungen auf den Prüfstand zu stellen. Zinszahlungen sind unbedingt zu vermeiden, es sei denn, sie sind für wertsteigernde Investitionen wie Immobilien oder Maschinen vorgesehen – bei entsprechend niedrigem Zinssatz. 
 
Als Unternehmer wirst du sicher auch alle wichtigen Etats unter die Lupe nehmen, um Einsparungen zu ermöglichen: Personal, Mieten, Marketing, Dienstwagen, Geschäftsreisen u.a. Eine solche Revision ist eine große Chance, verkrustete Strukturen aufzubrechen und Freiheit zu gewinnen für neue Ideen und krisenfeste Investitionen. 
 
7. Suche nach Freiheit und Selbstverantwortung
 
Gesunde Finanzen sind eine gute Basis für die Krise. Trotzdem unterliegen wir vielen Abhängigkeiten, von denen wir uns nur schwer befreien können. Der Angestellte ist abhängig von Arbeitgebern und Vorgesetzten. Der Unternehmer von seinen Märkten, Lieferanten und Mitarbeitern. Wir alle sind abhängig vom Verantwortungsbewusstsein der Staaten, in denen wir leben, und dem Einfluss internationaler Konzerne und Organisation wie WHO, UN, u.a.
 
Um uns langfristig krisenfest zu machen, bleibt uns die Chance wachsam zu sein, nach Alternativen zu suchen, uns ein zweites oder drittes Standbein aufzubauen oder uns von der eigenen Arbeitskraft finanziell unabhängig zu machen, indem wir in sichere Kapitalanlagen investieren.
 
In globalen Krisen wie Corona oder dem Klimawandel müssen wir denen vertrauen, die wir uns ausgesucht oder gewählt haben: Dem Arbeitgeber. Der Branche in der wir tätig sind. Der Regierung unserer Wahl. Wenn uns etwas zuwider läuft, dann haben wir die Freiheit uns zu wehren und Einfluss zu nehmen. Wir können den Arbeitgeber wechseln, den Beruf oder die Partei unserer Wahl. Oder wir wandern aus. 
 
Aber in der Krise macht es wenig Sinn, andere für unser Elend verantwortlich zu machen, bevor wir nicht selbst versucht haben, alle Chancen, die uns gegeben wurden, zu nutzen und unser Leben eigenverantwortlich zu gestalten.
 
Foto: Fischer.H - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0
 
Die Trainings zum Thema: 
http://www.cit-consult.de/emotionale-intelligenz/selbstbewusstsein-gibts-jenseits-der-komfortzone.htm
http://www.cit-consult.de/emotionale-intelligenz/mit-gefuehl-und-empathie-zu-mehr-erfolg.htm
 
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