CIT-Consult Emotion-Blog

Langsamer, empathischer, liebevoller

12.09.2019 von: Ulrike Fahlbusch

Ja – langsamer leben, empathischer wahrnehmen, liebevoller handeln. Das hört sich gut an. Ich liege im schattigen Garten eines norddeutschen Dorfes, irgendwo weitab und lese mit einem hoffnungsvollen Grundgefühl einen Artikel über den Zustand des Planeten Erde und wie wir ihn verbessern können. Aus der Entspannung heraus betrachtet offenbart die Welt ohnehin immer Lösungen, die sich im Alltag versteckt halten. Da sind sie wieder - die guten Ideen, die erweiterten Horizonte. Doch wie schnell diese – im Alltag wieder angekommen – wieder entschwinden wollen. Zweifel kommen auf. Hoffnungsfunken werden blasser. Der Alltag konfrontiert mit Hindernissen und Herausforderungen, manchmal tiefgreifend oder manchmal auch ganz banal.

Es ist schon eine Weile her, als ich in meiner üblichen Fahrweise (eher ruhig, unsportlich, gemütlich) die Dreisam flussaufwärts radle. Hinter mir spüre ich Unruhe und schon höre ich, wie der ältere Herr mir beim Überholen in breitem Dialekt etwas zuraunt wie „Aber nur nicht gleich einschlafen“. Mmh. Was soll ich da sagen? Ich erschrecke kurz, bin dann wirklich genervt und der Vorfall beschäftigt mich. Wer ist dieser Mann, dass er mir sein Tempo aufdrücken will? Spinnt der? Wie kann er nur? Ein wahrer Sturm an Urteilen über Menschen „wie er“ will sich in mir breitmachen. Ich bin sicher, dass es „diese Energie“ ist, die den Planeten bedroht, zerstört. Ich schalte auf „Profimodus“ um und der sagt mir, dass dieser Mann massiv „unter Strom“ steht. Er fühlt sich gestört von  Muße, von Gemütlichkeit, von Ruhe, hält die Langsamkeit nicht aus, wird aggressiv und greift auf ungute Weise in meine Sphäre ein. Puuh. Das ist heftig. Das nervt, aber ich möchte dieses ungute Gefühl in mir nicht weiter aufschaukeln.

Ich versuche, innerlich Abstand zu gewinnen. Und dann kommt auch schon der entlastende Gedanke: Ja – das kenne ich doch auch! Wenn ich im Stress bin, stört mich auch schon mal die Fliege an der Wand. Es gibt da aber zum Glück einen Unterschied. Ich habe gelernt, diesen Mechanismus zu erkennen und kann den Hebel wieder umlegen. Dankbarkeit. Und da ist sie auch wieder – die Hoffnung! Könnte es – bei allem Realismus – vielleicht doch möglich sein, dass immer mehr Menschen erkennen, wie ihr eigenes Verhalten Einfluss hat auf den Zustand des Planeten, auf die Bewohner*innen, die Natur, auf alles, was lebt? Eine schöne Vorstellung: Wir ermutigen einander, das Beste in uns zu entfalten und zum Ausdruck zu bringen. Niemand muss mehr Angst haben, anders zu sein als die Masse, sich falsch zu verhalten oder nicht zu genügen. Denn jede bunte Facette des Lebens ist willkommen und bereichert das Leben von uns allen!

Der Slogan „langsamer, empathischer, liebevoller“ ist für mich eine nachhaltig motivierende Erinnerung an diesen Sommer 2019. Ein Synonym für das lebendige, heilsame Miteinander von Mensch und Natur. Für unsere Fähigkeit zu hoffen, auch wenn etwas ausweglos erscheint. Für unsere Bereitschaft zu handeln und unser Bestes zu geben. Zum Wohle ALLER.

Praxis für Gesundheitskultur


Foto: Rainer Sturm_pixelio.de

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