CIT-Consult Emotion-Blog

Haltung gegenüber respektlosen Menschen

20.02.2019 von: Michael Blochberger

Melanie beschwert sich, dass sie immer häufiger von Jugendlichen angepöbelt wird. Anne weiß nicht, wie sie ihren aufdringlichen Chef auf Distanz halten soll. Und Wolfgang sucht einen klaren Standpunkt gegenüber übergriffigen AfD-Anhängern in seinem Umfeld. Wie sollen wir uns gegenüber respektlosen Menschen verhalten, wenn wir keinen Konflikt provozieren aber auch nicht klein beigeben wollen?

Immer häufiger begegnen wir respektlosen Menschen, deren Verhalten wir nicht tolerieren wollen. Wenn wir uns aber gegen das ungebührliche Verhalten anderer wehren, müssen wir einen offenen Konflikt fürchten oder persönliche Nachteile in Kauf nehmen. Ist es da nicht naheliegend, der Situation aus dem Wege zu gehen, klein beizugeben oder so zu tun, als hätten wir nichts gemerkt?

Im ersten Moment scheint das der bequemste Weg, aber im Nachhinein bleibt doch oft ein schlechter Beigeschmack: Wenn wir uns nicht wehren, stärken wir die Gegenseite und machen uns selbst zu Verlierern. Deshalb müssen wir den schlichten und rücksichtslosen Gemütern Grenzen setzen, wenn wir auch in Zukunft nach unseren Werten und Bedürfnissen leben wollen. Wegschauen war ja noch nie eine Lösung. Was sich entwickeln kann, wenn die Zivilcourage fehlt, um asozialem Verhalten Einhalt zu gebieten, das können wir in Geschichtsbüchern nachlesen.

Wir stehen jeden Tag vor der Herausforderung zu entscheiden: Gehen wir in den Konflikt? Schauen wir weg? Finden wir einen Weg dazwischen?

Wenn es ernst wird

Wenn respektlose Menschen ernsthaft Ihr Leib und Wohl gefährden – Ihren Job, Ihre Gesundheit, Ihre Familie – können Sie nicht wegsehen. Dann ist es geboten, die Auseinandersetzung zu suchen, um Lösungen zu entwickeln und Sicherheit zurückzugewinnen. Das erfordert Mut und eine gute Vorbereitung, um (wenn es zum Streit kommt) nicht die Fassung zu verlieren und die (ev. existenzielle) Beziehung zu gefährden. Vermeiden Sie in solchen Fällen, dem anderen Vorwürfe zu machen. Sprechen Sie lieber über Ihre Gefühle, Bedürfnisse und Ängste. Wünschen Sie sich ein anderes Verhalten statt Forderungen zu stellen.

In Konfliktgesprächen entscheidet ihre Haltung und Ihre Wortwahl über den Erfolg. Am besten gelingt das mit Gewaltfreier Kommunikation (GfK) nach Marshall Rosenberg. Eine genaue Anleitung finden Sie in diesem Buch oder Sie üben es im Training. Wenn Sie sich das nicht alleine zutrauen, holen Sie sich Hilfe, um das professionell vorzubereiten, im Ernstfall einen Mediator.

In allen anderen Fällen, wenn Sie das respektlose Verhalten anderer stört, es aber nicht bedrohlich scheint, ist es am sinnvollsten, es nicht so ernst zu nehmen: Lassen Sie sich nicht provozieren! Fühlen Sie sich nicht angegriffen! Stehen Sie über den Dingen! Aber schauen Sie auch nicht weg! Mit Humor geht das am leichtesten.

Humorvoll Grenzen setzen

Lachen zählt zu den erfolgreichsten Kommunikationstechniken der Welt. Ohne Lachen wäre ein sozialverträgliches Miteinander kaum möglich. Es macht sympathisch, schafft Freundschaften, ist ansteckend, hilft, Konflikte zu lösen und Ärger zu vermeiden. Lachen ist ein sozialer Klebstoff für zahlreiche Lebenssituationen, wenn Sie es verstehen, den richtigen Ton zu treffen. Dazu sollten Ihnen die feinen Unterschiede des Lachens und Ihre Haltung gegenüber Ihrem Mitmenschen bewusst sein, denn es macht einen Unterschied, ob Sie einen Konflikt mit einem Freund, einem Fremden oder Ihrem Vorgesetzten haben. Während Ihr Freund Ihre Ironie gewohnt ist, kann Ihr Vorgesetzter das missverstehen.

Der humorvolle Umgang zwischen Menschen ist also ein Spiel mit Situation und Status. Machen Sie sich über Ihr Gegenüber lustig, sind Sie im Hochstatus und versuchen den anderen zu verunsichern bzw. dessen Grenzen aufzuzeigen. Akzeptiert er Ihren Status haben Sie gewonnen – fühlt er sich gedemütigt, schlägt er zurück. Witze, Ironie, Zynismus sind subtile Formen der Aggression, Angriffe aus einer (gespielten) Überlegenheit heraus, mit dem Ziel, die Lacher auf Ihre Seite zu ziehen. Diese Technik ist dazu geeignet, Menschen aufzurütteln, zu motivieren und etwas zu bewegen. Aber je kritischer und gefährlicher eine Situation ist, desto ratsamer ist es, den Hochstatus zu meiden, denn wer glaubt, die Macht zu haben, akzeptiert niemanden über sich.

Komik als Friedensangebot

Wenn Sie selbst der Auslöser eines Konfliktes sind, weil Sie zum Beispiel einen schwerwiegenden Fehler begangen haben oder Sie werden von einer gewaltbereiten Gruppe bedroht, dann ist es ratsam, in den Tiefstatus zu gehen und "um Verzeihung zu bitten". Dazu ist die Rolle des Komikers oder Clowns gut geeignet. Dazu braucht es kaum Worte, denn Komik lebt von der Körpersprache: Eine übertriebene Geste, eine "Leidensmine" oder eine kindlich-naive Körperhaltung nimmt den Aggressionen anderer die Spitze, die übertriebene Demutshaltung bringt sie zum Lachen. Der Komiker entzieht sich so der Verantwortung und erhält dafür eine gewisse "Narrenfreiheit".

Durch Komik sind Niederlagen und ausweglose Situationen besser zu meistern. Der Narr akzeptiert seine Unterlegenheit, zieht daraus Kraft und gewinnt Einfluss auf all jene, die er zum Lachen bringen kann. Er sollte aber vermeiden, von dieser Rolle abhängig zu werden, denn der ewige "Klassenclown" wird irgendwann nicht mehr ernst genommen. Wir dürfen also nicht in einem Status verharren, sondern es geht darum, das Wechsel-Spiel zwischen Witz und Komik zu verinnerlichen.

Humor lebt von Liebe

Wer zwischen Hoch- und Tiefstatus wechseln kann, der kann auch zu einer humorvollen Einstellung finden und im Humor sein Statusdenken überwinden. Echter Humor ist frei von Aggression, Überheblichkeit und Machtspielchen. Der humorvolle Mensch begegnet anderen auf Augenhöhe und lässt sich von der Liebe leiten. Weil er seine eigene Unzulänglichkeit akzeptiert, kann er auch liebevoll auf die Fehler seiner Mitmenschen eingehen und diese verzeihen. Weil er über sich selbst lachen kann, steht er in kritischen Situationen über den Dingen und vermeidet so viele Konflikte schon im Ansatz.

Humor ist aber keine Frage der Technik, sondern eine Frage der Einstellung und Haltung. Humoristen sind wertebewusste Menschen von tiefer innerer Reife. Durch ihre Souveränität geben sie anderen Menschen Vertrauen, Sicherheit und Geborgenheit. Humor gilt deshalb auch als besondere Führungsqualität.

Zwischen WITZ und KOMIK gibt es unzählige Zwischentöne. Unterscheiden kann man sie, indem man schaut, ob man miteinander oder über andere lacht. Wie viel echter HUMOR in einer Situation steckt, hört man an der Art des Lachens: Je lauter und hemmungsloser das Lachen desto mehr unverarbeitete Aggression steckt darin. Ein humorvolles Lachen dagegen ist warm und weich, kann sogar eine Verbundenheit im gemeinsamen Schmerz in sich tragen.

Der Umgang mit den unterschiedlichen Facetten des Lachens braucht Übung und Erfahrung. Für alle die Lust darauf haben, ihre humorvolle Haltung zu entwickeln, bieten wir Ende März für SinnStifter e.V. einen Wochenend-Workshop zu ganz besonders günstigen Konditionen. Noch sind wenige Plätze zu haben.

Foto: Katharina Wieland Müller_pixelio.de

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