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Vom Egoismus zum inneren Reichtum

09.08.2017 von: Michael Blochberger

Immer häufiger habe ich den Eindruck, wir verkommen zu einem Volk von Schnäppchenjägern, Schnorrern, Schmarotzern, Betrügern und Trittbrettfahrern. Wenn wir von anderen profitieren können, wenn es irgendetwas (fast) umsonst gibt, vergessen wir Moral und Anstand, als ginge es ums pure Überleben. Geiz ist geil und die Gier scheint grenzenlos. Aber haben wir das wirklich nötig?

  • Wir stürzen uns auf Sonderangebote, auch wenn deren Erwerb sinnlos ist.
  • Wir beziehen Sozialleistungen, auch wenn wir sie nicht benötigen, weil sie uns formell zustehen
  • Die Ersten am Buffet füllen ihre Teller mit den teuersten Delikatessen, so dass andere zu kurz kommen
  • Die Ausstattung von Hotelzimmern dient unzähligen Gästen als kostenloser Souvenir-Shop
  • Versicherungsbetrug zählt für viele zu den einträglichen Hobbies
  • Der Diebstahl geistigen Eigentums gehört längst zum ungesühnten Alltag
  • Wer kann, nutzt die Steuerschlupflöcher, um seinen Besitz auf Kosten des Staates zu vermehren

Das sind nur ein paar Beispiele für eine Verrohung der Sitten in unserer Gesellschaft. Obwohl es den meisten Menschen finanziell besser geht als je zuvor, greift dieses egoistische oder unsoziale Verhalten immer mehr um sich. Gier, Rücksichtslosigkeit und Betrug werden gesellschaftsfähig. Nur, was sind die Ursachen für diese Entwicklung?

Kapitalismus und Leistungsdenken

Wir leben in einer kapitalistischen Leistungsgesellschaft, die ihre Bürger zu einem bedingungslos egoistischen Wettbewerbsdenken erzieht. Ohne Abitur und Studium hat kaum jemand eine Chance, eine finanziell interessante Karriere zu starten. Über Notenschnitt und Numerus Clausus findet ein brutales Auswahlverfahren statt, über das unsere Kinder zu ehr-geizigen Einzelgängern gedrillt werden. Konkurrenz- und Elitedenken scheint Erfolg versprechend. Kooperation und Sozialverhalten scheinen für die Karriere eher hinderlich.

Während früher viele Betrügereien im Verborgenen stattfanden, werden wir heute durch die Medien täglich darüber aufgeklärt, wie ungerecht es im Kapitalismus zugeht:

  • Da bekommt die Kassiererin im Supermarkt die Kündigung, weil sie einen Pfandbon von 1 bis 2 Euro unterschlagen hat, während der Industrielle, der Millionen von Steuern hinterzogen hat, eine Bewährungsstrafe erhält.
  • Da muss der Langzeit-Arbeitslose zehn Jahre vor der Rente seine Eigentumswohnung verkaufen, weil er als Eigenheimbesitzer sein Recht auf Harz IV verspielt hat. Die Ruhebezüge der Ex-Bundespräsident von 214 Tausend Euro pro Jahr sind aber auch nach Abbruch seiner Dienstzeit fällig, ganz gleich wie hoch sein Einkommen aus weiterer beruflicher Tätigkeit ist.
  • Da werden marode Banken mit Milliarden von Steuergeldern gestützt, ohne dass die horrenden Boni der Fondsmanager kontrolliert oder verboten werden. Für eine Gehaltserhöhung von Sozialberufen wie Krankenschwestern und Kindergärtnerinnen hat der Staat angeblich aber kein Geld.

Gerechtigkeit, Ethik und Moral werden durch solche Realitäten untergraben. Dem normalen Bürger wird der Eindruck vermittelt, dass Rücksichtslosigkeit, Betrug und Größenwahn sich lohnen, während Bescheidenheit, Menschlichkeit und soziales Handeln bestraft werden. Doch dadurch wird der Rechtsstaat infrage gestellt und letztendlich unsere Demokratie gefährdet.

Der Kapitalismus zwingt uns sein rein materielles Weltbild auf, das sich im Homo oeconomicus manifestiert. Der Homo oeconomicus misst Reichtum und Wohlstand ausschließlich an rationalen, ökonomischen Kriterien. Er bleibt hohl und unglücklich, weil er den inneren Reichtum, aus Liebe, Selbstwert, Selbstverantwortung und Bewusstheit nicht realisiert. Mit dieser inneren Armut bleibt er der ewig gierige, unbefriedigte Konsument, der optimale Diener des Kapitalismus.

Verzichten und Loslassen

Wer sich mit Marketing beschäftigt, wie ich es über 20 Jahre lang getan habe, der weiß, dass die Mehrzahl aller Konsum, Status- und Luxusprodukte nur an Frau und Mann zu bringen sind, weil man den Menschen durch deren Kauf die Befriedigung ihrer unerfüllten Bedürfnisse verspricht. Viele unnötige Produkte dienen den Menschen so als Ersatzbefriedigung. Statt uns von Zwängen zu befreien, uns Wertschätzung, Liebe und Zuwendung zu geben, gehen wir shoppen. Da materielle Werte aber so vergänglich sind, müssen wir immer mehr konsumieren, um unsere innere Leere zu verbergen.

Deshalb kann es sehr hilfreich sein, auf unnötigen Konsum zu verzichten und ein einfaches bescheidenes Leben zu führen. Dazu gehört der Verzicht auf Kredite und Finanzierungen, teure Autos, exklusive Reisen, viele Kosmetikprodukte oder andere hochpreisige Ausgaben. Je weniger Geld wir ausgeben, um so mehr Freiheit haben wir, ein selbstbestimmtes, sinnerfülltes Leben zur führen.

Die frei werdenden finanziellen Ressourcen können wir in unsere persönliche Entwicklung investieren, in eine berufliche Weiterbildung oder in die berufliche Selbständigkeit. Je mehr es uns gelingt, beruflichen und finanziellen Abhängigkeiten zu entkommen, desto besser können wir Frust und Angst in Liebe, Kraft und Freude verwandeln.

Am Anfang der Reise zum inneren Reichtum steht aber immer der Abschied von äußeren Trugbildern.

Mangeldenken überwinden

Wer dem Trugbild des Homo oeconomicus entkommen will, der sollte die Chancen nutzen, den Blick nach innen zu richten und sich in Achtsamkeit zu üben. Wer sich mit Selbstwahrnehmung, Selbstreflexion und Selbsterfahrung beschäftigt, wird bald erkennen, dass er Zufriedenheit, Gelassenheit, Selbstsicherheit und Stärke nur in seinem Inneren finden kann.

Durch Meditationstechniken, Natur- oder Tranceerfahrungen können wir in ganzer Tiefe erleben, wie einzigartig, entspannt, begabt, wertvoll und liebenswert wir von Natur aus sind. Wir begreifen, dass Selbstzweifel, Minderwertigkeitskomplexe, Neid und Depression nur unseren destruktiven Glaubenssätzen und einem von außen aufgezwungenen Mangeldenken entspringen.

Wer einmal diese tiefe innere Erkenntnis erleben durfte – die sich wie eine "Erleuchtung" anfühlen kann – der wird sich auf den Weg machen, seinen inneren Reichtum zu entdecken, seine Potenziale, seinen Selbst-Wert und die Liebe zu sich selbst zu entwickeln. Jede tiefe menschliche Begegnung, jedes Abenteuer, das Durchleben von Krisen oder auch der Besuch eines persönlichkeitsbildenden Trainings kann dabei hilfreich sein. Die Welt ist voller Geschenke. Es ist nicht immer einfach, sie zu entdecken und anzunehmen, aber es ist genug für alle da. Wichtig ist nur, dem alltäglichen Trott, dem beruflichen "Hamsterrad" zu entfliehen, um diese Erfahrungen immer wieder aufs Neue zu machen.

Selbst-Liebe und Partnerschaft

Der Schlüssel zu einem erfüllten Leben des inneren Reichtums ist und bleibt die Liebe zu dir selbst. Deine Gefühlswelt kann dir ein guter Gradmesser sein, inwieweit du dich schon vom unglücklichen Mangeldenken befreit hast und deine unerschütterliche Liebe mit anderen teilen kannst:

  • Wie gut kannst du mit Ablehnung umgehen? Fühlst du dich in deinem Selbst-Wert verletzt oder ist es dir gleichgültig?
  • Wie bewertest du berufliche Niederlagen? Schüren sie deine inneren Ängste oder kannst du das annehmen?
  • Wie reagierst du auf den Erfolg eines Kollegen? Wirst du neidisch oder kannst du dich mit ihm freuen?
  • Wie empfindest du Aufmerksamkeiten gegenüber deinem/r Partner/in? Wirst du eifersüchtig oder freust du dich für ihn/sie?
  • Wie reagierst du, wenn du in eine Gemeinschaft investierst, aber nichts zurück bekommst? Bist du verärgert oder weiterhin motiviert?

Viele Schmerzen, Ängste, Wut oder Trauer sind Zeichen mangelnder Selbst-Liebe, aber je mehr Sicherheit du in dir findest, desto leichter und spielerischer gelingt es dir, durchs Leben zu gehen.

Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie hilfreich eine liebevolle Partnerin (oder liebevoller Partner) auf deinem Weg sein kann. Wenn du einen Menschen findest, der dich so annimmt und wertschätzt, wie du bist, ohne dich zu bewerten oder verändern zu wollen, fällt es auch dir leichter, den anderen in seinem ganzen Charakter, seiner Schönheit und seinem inneren Reichtum anzunehmen und deinen Wert in dir selbst zu erkennen.

Auch in einer Gemeinschaft ist es möglich, über Vertrauen und achtsame Verbundenheit unsere Liebesfähigkeit zu stärken und einen Geist zu entwickeln, in dem Weisheit, Bewusstsein und innerer Reichtum gedeihen können. Solche High Performance Teams erreichen mehr als die Summe ihrer Mitglieder. Die Energie einer solchen Gemeinschaft entwickelt eine Anziehungskraft, die immer wieder belegt, dass innerer Reichtum und Liebe auch einen Mehrwert an Erfolg bringen.

Die SinnStifter e.V. zum Beispiel möchte Vorbild für eine solche Gemeinschaft werden.

 

Foto: sokaeiko/pixelio.de

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