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Humor als Gesundheitsfaktor

09.01.2017 von: Michael Blochberger

Lachen ist in allen Kulturen der Erde ein Ausdruck von Wohlbefinden und Glück. Wer nicht lacht, wirkt auf andere krank oder unglücklich. Umgekehrt hat das Lachen einen direkten Einfluss auf Physis und Psyche des Menschen. Lachen macht gesund. Das haben zahlreiche Studien der letzten Jahre bewiesen.

Aus physiologischer Sicht beeinflusst unser Lachen in erster Linie die Atmung und das Herz-Kreislaufsystem. Die Herzfrequenz steigt an, die Gefäße weiten sich und der ganze Körper wird mit mehr Sauerstoff versorgt. Die Gefäße der Lunge werden besser durchblutet, diese nimmt vermehrt Sauerstoff auf und gibt mehr Kohlendioxid ab. Durch das stossartige Ausatmen werden Mikroorganismen aus der Lunge geschleudert. Langzeitstudien beweisen, häufig lachende Menschen weisen gesündere Blutwerte auf als „Miesepeter“.

Damit nicht genug: Jedes Lachen bewirkt ein sofortiges Freisetzen des Glückshormons Endorphin, das für ein nachhaltiges Wohlbefinden, sowie ein natürliches Heraufsetzen der Schmerzschwelle sorgt. Gleichzeitig wird die Produktion von Stresshormonen wie Cortisol und Adrenalin eingestellt. Auch die Vitalität der immunkompetenten Zellen wird durch das Lachen nachweislich gestärkt. Die für die Immunfunktion wichtigen Botenstoffe Interferon und Immunglobulin A werden vermehrt ausgeschüttet. Letzterer hilft bei der körpereigenen Bekämpfung von Krebszellen.

Unzählige wissenschaftliche Studien belegen, dass das Lachen als „Allheilmittel“ gegen Stress, zur Bewältigung von Krisen und zur Überwindung von Krankheiten dienen kann.

Der Wert des Lachens im Alltag

Wer bei steigendem Leistungsdruck im beruflichen Alltags seine Leistungsfähigkeit bewahren will, braucht die Fähigkeit zur emotionalen Selbststeuerung und Selbstmotivation. Das Lachen kann dabei eine der wichtigsten Strategien werden. Es ist an der Zeit, dass wir über ein selbstzerstörerisches Pflichtgefühl hinaus zu einer selbstbewussten Leichtigkeit finden, um die Herausforderungen auch in Zukunft ohne „Burn-out“ oder andere gesundheitliche Schäden zu meistern.

Je größer der Leistungsdruck, der auf uns Berufstätigen lastet, desto wichtiger wird unsere Flexibilität, uns mit kritischen oder schwierigen Situationen auseinanderzusetzen. Statt verbissen an alten Verhaltensmustern festzuhalten oder uns in negativen Gefühlen zu blockieren, gilt es, einen beweglichen Zugang zu all unseren Handlungsressourcen zu bekommen. Hier bieten die vielseitigen Formen des Lachens schier grenzenlose Möglichkeiten. Nur müssen wir zunächst die unterschiedlichen Formen des Lachens unterscheiden lernen, um deren Wirkung zu verstehen und sie richtig anwenden zu können.

Zum leichteren Verständnis unterscheiden wir (wie Sigmund Freud vor über 100 Jahren) zwischen drei Formen des Lachens, die sich aufgrund ihrer unterschiedlichen Wirkung in ganz unterschiedlichen Situationen empfehlen. Dabei ist zu beachten: Die Einstellung des Akteurs zu seinem Gegenüber ist entscheidender als deren Inhalt. Auch hier macht also der Ton die Musik:

1. Die Komik

In der Komik vereint sich alles Kindliche, Unbeholfene und Hilfsbedürftige. Der Komiker spielt für kurze Zeit die Rolle des Clowns, des Narren oder Tollpatsch und bringt damit sein Gegenüber zum Lachen. Komik braucht keine Worte, sie funktioniert über Mimik und Körpersprache: Eine entschuldigende Geste, eine übertriebene Mimik oder ein komischer Gang erheitern die Mitmenschen, signalisieren ihnen: ich nehme das nicht ernst.

Dem Komiker kann man nicht böse sein, weil er uns durch seine gespielte Naivität das Gefühl der Überlegenheit gibt. Er geht also bewusst in den Tiefstatus, um uns zu erheitern und Freude zu schenken. Da der Komiker das Kindliche nur spielt, verschafft er sich einen Freiraum, den er zu nutzen weiß: Schon die Narren am königlichen Hofe haben das genutzt, um dem König in ihrer Rolle die Wahrheit zu sagen.

Ein erfolgreiche Variante angewandter Komik ist der Krankenhaus-Clown. Er lässt Menschen ihr Leid und ihre Schmerzen vergessen und schenkt ihnen im Lachen Erlösung. Aber auch der Pfleger, der den täglichen Auseinandersetzungen mit Patienten etwas Komisches abgewinnen kann, nimmt der Aggression des reklamierenden Patienten die Spitze. Im Tiefstatus des Komikers findet er die emotionale Distanz, um einem kaum lösbaren Konflikt aus dem Weg zu gehen und Menschen unbefangen zu begegnen.

Wer die Rolle des Narren zu spielen weiß, kann auch eine elementare Wirkung auf das eigene Wohlbefinden beobachten: Schon durch das Aufsetzen einer Clownsnase können wir zur Gelassenheit zurück finden, weil kritische Einflüsse von außen (zum Beispiel aggressives Verhalten) von uns abprallen und wir damit Distanz zur Realität und unseren emotionalen Reflexen schaffen. Deshalb ist die Komik eine der erfolgreichsten Strategien, um in aussichtslosen oder unausweichlichen Situationen loslassen zu können und Demut zu pflegen. In besonderen Belastungssituationen ist Komik der richtige Weg, zur eigenen Energie und Motivation zurückzufinden.

2. Der Witz

In vielen Aspekten ist der Witz das Gegenteil von Komik. Im Gegensatz zum Komiker geht der Witzemacher in den Hochstatus. Das heißt, er erhebt sich über andere, indem er über diese Witze reißt. Das Ziel ist es, sich mit Gleichgesinnten gegen Dritte im Lachen zu solidarisieren. Es gibt also drei Parteien: Den Witzemacher, die, die mit ihm lachen und diejenigen, über die gelacht wird.

Der Witz ist oft Ausdruck unterdrückter Aggressionen, die wir in Sprache umsetzen, um Wut, Enttäuschungen oder andere belastende Gefühle loszuwerden und im gemeinsamen Lachen zu kompensieren. Das heißt, wir lachen am stärksten über Themen und Personen, unter denen wir zu leiden haben: Vorgesetzte, Politiker, Minderheiten oder das andere Geschlecht. Im gemeinsamen Lachen befreien wir uns von empfundenen Schmerzen, erklären die andere Seite aber auch zum Gegner, was zu neuen Konflikten führen kann.

Die größte Wirkung erzielt der Witz in der Solidarität einer leidenden Gemeinschaft. Je autoritärer ein System, desto höher entwickelt ist deren Witzkultur. Auch in den Konzentrationslagern des 3. Reiches war der Witz Überlebensstrategie, weil im gemeinsamen Lachen die Angst betäubt werden konnte. Auch wenn wir heute nicht mehr unter Lebensgefahr arbeiten müssen – Krisen und extreme Stressmomente sind lachend am leichtesten zu ertragen.

Eine liebevolle Witzkultur kann ein wichtiger Bestandteil der Teamentwicklung sein. Das gemeinsame Lachen über reale Herausforderungen wie autoritäre Vorgesetzte oder rigide Kunden schweißt die Mitarbeiter zusammen und schafft ein hohes Maß an Motivation und Stressresistenz – trotz oder gerade wegen der widrigen Umstände. Im gemeinsamen Lachen fühlt sich niemand allein gelassen, vielmehr entsteht ein Klima des Vertrauens, von Mut und Kreativität.

In Teams ergibt sich die anspruchsvolle Aufgabe, die Werte einer liebevollen Witzkultur wie Achtsamkeit, Menschlichkeit und gegenseitige Wertschätzung zu pflegen und durchzusetzen. Wenn der Witz sich nur noch in Ironie, Zynismus oder blankem Hass gegen Einzelne äußert, muss korrigierend eingeschritten werden, um Schlimmeres zu verhindern. Oft hilft dann nur, den Ursachen für diese Aggressionen auf den Grund zu gehen und diese abzustellen.

3. Der Humor

Für Sigmund Freud war der Humor die höchste Form des Lachens. Er bezeichnet „eine seelische Grundhaltung, die in den Missständen des Lebens menschliche Unzulänglichkeiten erkennt und lachend verzeiht.“ Insofern ähnelt der Humorist dem Komiker, ohne aber in dessen Tiefstatus zu verhaften. Im Gegensatz zu Komik und Witz lebt der Humor davon, auf Status zu verzichten: Er begegnet den Menschen mit Liebe, stellt sich also weder unter noch über sie, sondern begegnet ihnen auf Augenhöhe.

Zu den wichtigsten Qualitäten echten Humors zählen die Fähigkeit über sich selbst zu lachen, verzeihen zu können und liebevolles Verständnis für andere zu entwickeln. Im Gegensatz zum Witzemacher hat der humorvolle Mensch seine Ängste angenommen und seine Aggressionen überwunden. Sein Lachen ist nicht auf Kosten anderer, sondern das Geschenk einer gereiften Persönlichkeit. Durch die Fähigkeit, Sicherheit und Vertrauen zu geben, wirkt er auch auf schwierige Menschen integrativ. Humor ist also auch Ausdruck von Führungskompetenz.

Da Humor keine erlernbare Technik ist, sondern das Ergebnis eines sehr persönlichen Reifeprozesses, wird eine humorvolle Führungskraft oft zur Idealbesetzung, weil sie die zahlreichen Herausforderungen des Alltags zu meistern versteht. Sie weiß die Gegebenheiten mit Gelassenheit anzunehmen, ein Team von unterschiedlichen Charakteren  zusammenzuschweißen, aggressiven Menschen oder kritischen Situationen mit Liebe und Gelassenheit zu begegnen.

Welche positive Impulse Humor im Gesundheitswesen setzen kann, konnte ich im Frühjahr als Patient im Krankenhaus erleben: Alle guten Pflegekräfte zeichneten sich durch einen liebevollen Arbeitseinsatz und einen lustig-lockeren Umgang mit uns Patienten aus. Die wenigen Kräfte, die überfordert wirkten und ständig für Ärger sorgten, waren alle total humor- und lieblos und suchten im Hochstatus ihre Sicherheit. Für die geschulte Teamleiterin eine Herausforderung, die sie mit einer gesunden Portion Humor zu meistern wusste.

 

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