CIT-Consult Emotion-Blog

Angst ist Energie

12.10.2016 von: Michael Blochberger

Am 7. Oktober traf sich eine bunte Mischung aufgeschlossener Menschen aus ganz Deutschland zu den SinnStifter-Tagen 2016 im Kloster Steinfeld, um sich 3 Tage lang auszutauschen, inspirieren zu lassen und gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Mutig und neugierig gingen die sich fremden Teilnehmer aufeinander zu, um sich zu öffnen und einzubringen. Das zeigte sich besonders beim Workshop Selbstbewusstsein – jenseits der Komfortzone.

Wir sprachen über unsere aktuellen Lebenssituationen, unsere Sehnsucht nach Sicherheit und unsere Selbstzweifel, die uns daran hindern, unsere Komfortzone zu verlassen oder mit dem was ist, zufrieden zu sein. Alle notierten ihre Befürchtungen auf Moderationskarten und positionierten diese innerhalb eines Fadenkreuzes des Persönlichkeitsmodells von Fritz Riemann, Grundformen der Angst.

Schnell ergab sich eine rege Diskussion, weil deutlich wurde, dass Ängste und Selbstzweifel stark von der Persönlichkeit des Einzelnen abhängig sind: Hatte der eine Angst vor dem Unbekannten, fürchtete ein anderer sich davor, die Kontrolle zu verlieren. Die einen fürchteten sich vor Ablehnung und Einsamkeit, die anderen davor, aufeinander zuzugehen. Einige Teilnehmer erzählten von ihren frühkindlichen Erfahrungen, unter denen sie bis heute zu leiden haben. Und wir suchten nach Lösungen, diese belastenden Erfahrungen und die daraus resultierenden Glaubenssätze zu überwinden, um mehr Mut und Selbstbewusstsein zu entwickeln.

Das, was wir in ungewohnten Situationen als Stress bezeichnen, sind reale Ängste, die zur Ausschüttung von Stress-Hormonen führen, um unseren Körper in die Lage zu versetzen, diese akuten Herausforderung zu bestehen. Solange wir davor zurückschrecken, diese Aufgaben anzugehen und uns in die Komfortzone zurückziehen, scheint es uns gut zu gehen. Dadurch werden unsere Ängste aber weiter verstärkt und wir vermeiden unsere persönliche Entwicklung. Es kann sogar soweit gehen, dass sich verdrängte, unbearbeitete Ängste zu Phobien entwickeln und krankhafte Züge entwickeln.

Im Workshop ließen wir uns deshalb im zweiten Stepp auf ganz elementare Übungen ein, um die spezifischen Ängste der unterschiedlichen Charaktere ganz gezielt zu bearbeiten und neue, befreiende Erfahrungen zu machen:

  • Wer Angst vor dem Unbekannten hat, durfte "Neuland" betreten.
  • Wer fürchtet, die Kontrolle zu verlieren, durfte das Loslassen üben.
  • Wer sich vor Gefühlen ängstigt, durfte lernen, sich auf seine und die Gefühle anderer einzulassen.
  • Wer Angst vor Konflikten hat, durfte seine Standhaftigkeit und seinen Mut beweisen.


Auch wenn sich unsere Grundängste nicht innerhalb weniger Stunden verflüchtigen können, so hat doch jeder versucht, sich seiner Angst stellen, um positive Erfahrungen zu machen. Diese positiven Erlebnisse wirken befreiend und stärken unser Selbstbewusstsein, je häufiger sich diese Erfahrungen wiederholen. Ängste sind ja nichts Böses, sondern sinnvolle Impulse, aufmerksam zu sein und seine Kräfte zu bündeln. Wer also seine Ängste überwinden will, sollte sich ihnen stellen, sie annehmen und deren Sinnhaftigkeit für seine persönliche Entwicklung erkennen.

Dass die Teilnehmer einiges mitnehmen konnten, zeigte sich in der Abschlussrunde. Die neue Einstellung zur Angst erschien vielen wie ein Paradigmenwechsel: "Angst ist Energie, die mir hilft, mein Ziel zu erreichen. Das ist neu für mich. Und das fühlt sich gut an!"

In diesem Moment war klar, das Thema erzeugt die Resonanz, dass es sich lohnt, im kommenden Jahr zwei Wochenendseminare dazu anzubieten: Selbstbewusstsein gibt's jenseits der Komfortzone.


Weitere Beiträge zum Thema:
Persönlichkeit und Aggression Teil 1: Der Choleriker
Persönlichkeit und Aggression Teil 2: Der Zwanghafte
Persönlichkeit und Aggression Teil 3: Der Depressive
Persönlichkeit und Aggression Teil 4: Der Schizoide

facebook twitter