CIT-Consult Emotion-Blog

Geheilt entlassen!

12.07.2016 von: Michael Blochberger

Mit einer akuten Blinddarmentzündung werde ich gegen 18 Uhr zur OP gefahren. "In einer Stunde sprechen wir uns wieder," sind die letzten Worte, die ich von der Anästhesistin mitbekomme, bevor ich in die Narkose gleite. Als ich wieder zu mir komme, liege ich auf der Intensivstation mit direktem Blick auf die Uhr: Sie zeigt exakt 21:00 Uhr.

3 Stunden?! Warum ist es so spät? Ich führe meine freie Hand zum Bauch und spüre den riesigen Verband auf meinem Unterleib. "Was haben die mit mir gemacht?" Meine Frau versucht mich zu beruhigen. "Man hat am Blinddarm einen Tumor gefunden und ein Stück des Darms entfernen müssen. Aber alles ist problemlos gelaufen," erklärt mir der Pfleger. "Morgen kommt der Chirurg und klärt Sie über die Details auf." Problemlos gelaufen? Die sind gut! Hätten sie das nicht zuvor mit mir absprechen müssen? Aber ich bin noch zu benommen, um mich aufzuregen und falle in einen Dämmerzustand.

Anästhesistin und Chirurg kommen am nächsten Morgen an mein Bett und nehmen sich Zeit für mich: Nachdem sichtbar war, dass am Blinddarm ein Tumor sitzt, wurde der kleine Schnitt in der Leiste wieder zugenäht, die Narkose verstärkt und die Bauchdecke senkrecht geöffnet, um mir 30 cm von Dünn- und Dickdarm zu entfernen. "In einer solchen Situation sind wir gezwungen zu handeln und alle Risiken auszuschließen. Wir haben keine Metastasen entdeckt und nach meiner Erfahrung und der Konsistenz des Gewebes war der Tumor nicht bösartig. Aber letzte Erkenntnis haben wir erst, wenn der Befund vom Labor da ist."

Die Fürsorge und das Engagement der beiden tun mir gut. Als Notfall haben sie mich dazwischen geschoben. Bis in die Nacht standen beide am Operationstisch. Und am darauf folgenden frühen Morgen besuchen sie ihre Patienten. Er noch unrasiert, aber beide mit wachen Augen. Einfühlsam und mit klaren Worten erklären sie, was geschehen ist. Ich vertraue ihnen. Ich spüre, wie ernst sie ihren Beruf nehmen. Bin berührt von ihrer Herzlichkeit und ihrem bedingungslosen Engagement. Welches Glück habe ich, an solche tollen Menschen zu geraten! Ich spüre keine Angst sondern Erleichterung. Die Schmerzmittel machen mich schläfrig, nur das ständige Piepsen des Vitaldatenmonitors verhindert, dass ich in den Tiefschlaf falle.

Nach zwei Tagen werde ich auf die Normalstation verlegt und lerne unzählige neue Pfleger, Schwestern, Medizinstudenten und Ärzte kennen. Wie die Ameisen wuseln sie um uns herum. Blut abnehmen, Blutdruck messen, Injektionen, Infusionen, Daten erfassen, Medikamente und Malzeiten verteilen. Alles geht nach System, wird festgehalten, notiert, diskutiert. Es sind so viele, dass ich mir nicht einmal die Gesichter merken kann. Was aber sofort spürbar wird, ist ihre Einstellung zur Arbeit: Es gibt diejenigen, die ihren Beruf gerne ausüben. Sie sind fürsorglich und hilfsbereit. Sie sind ganz bei mir und geben mir ein Gefühl der Geborgenheit. Ich bin ihnen dankbar, dass sie für meine Gesundung sorgen. Bin ganz gelassen, ja demütig.

Aber es gibt auch einige wenige, die nicht verbergen können, wie sehr ihnen ihr Job stinkt. Sie sind distanziert, rücksichtslos, werden aggressiv, behandeln dich von oben herab. Und das hat Einfluss auf die Qualität ihrer Arbeit. Ich spüre ihre mangelnde Empathie und mein Misstrauen. Muss meinen Bettnachbarn beruhigen, der sich ständig darüber aufregt. Unsere gemeinsamen Gespräche helfen uns, diese Menschen auszuhalten. Sie machen mich traurig, denn sie haben wirklich den falschen Beruf gewählt. Können so nicht glücklich werden.

Die Ärzte aber sind alle freundlich, immer ganz bei mir. Sie erklären alles, was sie tun, geben mir Sicherheit. Selbst die Chefarzt-Visiten geben das Gefühl, ein besonders interessanter Fall zu sein. Ich zweifle nicht an meiner Genesung. Fühle mich von Tag zu Tag wohler. Genieße den ersten Kartoffelbrei mit Bratensoße wie ein Festessen. Die erste Scheibe Graubrot mit Aufschnitt! Es ist so schön, bewusst Schritt für Schritt in den Alltag zurückzukehren, den Alltag den wir so oft nicht mehr zu schätzen wissen!

Wochen nach meiner Entlassung aus dem Krankenhaus erhalte ich die endgültige Diagnose aus dem Labor: Es war eine eher seltene Form von Krebs, der in diesem Stadium keine Metastasen bildet. Der Tumor wurde restlos entfernt. Ich gelte als geheilt und benötige keine Chemotherapie oder andere Nachbehandlungen. Was habe ich für eine Glück gehabt! Wir machen eine Flasche Cava auf und stoßen auf mein neues Leben an. Und auf die vielen lieben Menschen, die mir mit ihrem bedingungslosen Einsatz geholfen haben, wieder gesund zu werden.

Mehr als je zuvor bewundere ich diese Ärzte, die so in ihrer Arbeit aufgehen. Die es als ihre Berufung verstehen, Menschen zu helfen und Leben zu retten und dafür so vieles in Kauf nehmen. Und es macht mich so stolz, dass unser Sohn über den TMS seine Zulassung für's Medizinstudium erkämpft hat, weil auch er darin seine Erfüllung sieht. Ich wünsche ihm von ganzem Herzen, dass er damit glücklich wird!

 

Foto: gpointstudio/fotolia.com

facebook twitter