CIT-Consult Emotion-Blog

Umgang mit Niederlagen

08.03.2016 von: Michael Blochberger

Umgang mit NiederlageIm Gespräch mit einem Trainerkollegen werde ich gefragt, wie ich es denn schaffe, für meine offenen Seminare genügend Teilnehmer zu finden. Er hätte es selbst oft genug versucht, aber der Aufwand wäre einfach zu groß, um damit Geld verdienen zu können. "Reich wird man damit nicht", antworte ich, "aber ich habe gelernt, an Niederlagen zu wachsen." Eine etwas plakative Antwort, die es mir aber Wert scheint, hinterfragt zu werden: Sind Niederlagen wirklich notwendig um erfolgreich zu sein?

Fehler sind unbestritten notwendig, weil wir aus Fehlern lernen und uns dadurch weiterentwickeln, aber Niederlagen? Was macht einen Fehler zur Niederlage? Ist es nicht die Bedeutung, die wir einer Sache geben, die einen Misserfolg zur Niederlage macht? Und das Ziel, das wir zu erreichen suchen, wird doch erst zur Niederlage, sobald wir aufgeben haben dafür zu kämpfen, oder...?

Realistische Ziele setzen

Die häufigste Ursache von Niederlagen sind die zu hoch gesteckten Ziele. Wer sich die Messlatte zu hoch ansetzt, erhöht zwangsläufig seine Fehlerquote und seine Misserfolge. Je mehr wir uns mit einer Aufgabe überfordern, desto schneller verlieren wir den Überblick. Je höher wir eine Sache bewerten, je mehr Druck wir uns machen, desto größer ist die Enttäuschung, wenn's nicht klappt. Und um so schmerzvoller empfinden wir es als Niederlage.

Am erfolgreichsten sind wir, wenn wir in kleinen Schritten lernen können. Je überschaubarer eine Aufgabe oder ein Projekt, umso einfacher ist es, gemachte Fehler zu erkennen und mit der optimierten Leistung langsam zu wachsen. Dazu braucht es eine realistische Selbsteinschätzung und das Setzen von Zwischenzielen als Indikatoren, dass man auf dem richtigen Weg ist. Das Erreichen solcher "Meilensteine" erleben wir als Erfolgserlebnis und die sind für unsere Motivation und Selbstbestätigung unersetzlich.

Es gibt keine Garantie für den erfolgreichen Ausgang eines Projektes, aber ein nicht erreichtes Ziel wird erst zur Niederlage, wenn ich es als solches bewerte, ich also nicht mehr bereit bin, aus meinen Fehlern zu lernen und mein Handeln den Gegebenheiten anzupassen. Wer von Niederlage spricht, hat aufgegeben, sein Ziel zu verfolgen. Denn der Weg ist das Ziel.

Jede Erwartung ist eine Falle

Das Ziel unseres Sohnes ist es, Humanmedizin zu studieren. Da der Notenschnitt seines Abiturzeugnisses nicht die geforderten 1,0 erreicht, hat er sich per Testverfahren um die wenigen Studienplätze beworben, die auf diesem Wege vergeben werden. Nach wochenlanger Vorbereitung saß er mit 2000 Bewerbern im so genannten Ham-Nat-Test, um ca. 10% der besten für diese freien Plätze zu ermitteln. Trotz seines großen Engagements war er Realist genug, keine zu großen Erwartungen zu hegen. So konnte er es als kleinen Erfolg werten unter die ersten 20% gekommen zu sein. Obwohl er sein Ziel beim ersten Mal nicht erreicht hatte, schöpfte er daraus die Motivation für den nächsten Test.  

Mit zwischenmenschlichen Erwartungen ist es nicht ganz so einfach. Wenn wir zum Beispiel in die Beziehung zu anderen Menschen investieren und dafür – oft unbewusst – Dankbarkeit, Freundschaft oder andere Gegenleistungen erwarten, sind Enttäuschungen vorprogrammiert. Denn auf der emotionalen Ebene, wenn es um die Erfüllung von Bedürfnissen und Werten geht, versagen Logik und Mathematik. Wer von seinen Mitmenschen das gleiche Werteverständnis erwartet wie sein eigenes, wird solange Enttäuschungen und Niederlagen sammeln, bis er lernt, seinen Mitmenschen ohne Erwartungen zu begegnen. Denn wie kann ich offen sein für eine ehrliche Begegnung, wenn ich sie von vornherein an Bedingungen knüpfe?

Erst wenn wir gelernt haben, von Herzen zu geben, frei von Erwartungen und finanziellen Ansprüchen, sind wir auf dem Weg zu echter Liebe angekommen. Und weil sich so viele Menschen in unserer Gesellschaft danach sehnen, können wir damit auch Resonanz erzeugen. Durch bedingungsloses Geben entsteht Vertrauen und aus Vertrauen wächst Beziehung: die Basis für jede Art von Erfolg – sowohl im Privaten wie im Geschäftlichen.

Erfolg nicht am Materiellen messen

Der Kapitalismus misst Erfolg am materiellen Gewinn und stellt damit das Geld in den Mittelpunkt unseres Tuns. Und so ist es kein Wunder, dass die meisten Menschen sich von ihren finanziellen Erwartungen abhängig machen und ihr ganzes Leben danach ausrichten. So geben über 50% aller Existenzgründer in Deutschland innerhalb der ersten sechs Jahre auf, weil sie ihren finanziellen Erwartungen nicht gerecht werden können.

Die Existenzgründer, die ich in den letzten Jahrzehnten als Berater und Coach auf ihrem Erfolgsweg begleiten durfte, haben es dagegen verstanden, nicht das Geld sondern den Sinn ihrer Arbeit in den Mittelpunkt ihres Handelns zu stellen. Sie wurden erfolgreich, weil sie sich mit dem Wert ihrer Arbeit identifizieren können und somit glaubhaft und authentisch wirken. Man hat Vertrauen in ihre Produkte und Leistungen, weil sie von Herzen kommen und nicht des Geldes wegen erbracht werden.

Auch meine offenen Trainings sind Produkte meines Herzens. Sie geben den Teilnehmern Raum, zu sich selbst zu finden und ich darf sie in ihrer Entwicklung unterstützen. Fünf Jahre hat es gedauert, bis das erste Training kostendeckend war, aber da das Geld für mich nicht im Mittelpunkt steht, erlebe ich jeden Seminartag heute noch als Erfüllung. Und solange die Teilnehmer dieses Gefühl mit mir teilen können, werde ich sicher auch von meinen Seminaren leben können.

 

Foto: Meyhome/Pixelio.de

 

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