CIT-Consult Emotion-Blog

Die Zeit vor dem Jahresende

03.12.2015 von: Heike Anne Dietzel

Gerade vorhin habe ich mit einer Kollegin telefoniert. Es ging um ein Wochenende im April nächsten Jahres. Ich habe sie zu einem Treffen mit anderen Trainern eingeladen, die an einer Zusammenarbeit interessiert sind. Sie wollte wissen, mit welcher Perspektive dieses Treffen stattfindet. An ihrer Frage ist mir bewusst geworden, dass es kaum mehr Treffen und Meetings gibt, die nicht mit einem klaren Ziel oder Perspektive verbunden sind.  Bei ihrer Frage wurde mir auch klar, wie voll mein Terminkalender für das nächste Jahr bereits ist. Aber brauchen wir nicht auch Zeit, um neue Dinge beginnen zu können? Brauchen wir nicht das Zusammentreffen mit unbekannten Menschen, das ohne konkretes Projekt verbunden ist, um Neues entstehen zu lassen?

Dieses Jahr neigt sich dem Ende zu. Ich bin froh, dass ich heute den letzten Workshop in diesem Jahr gehalten habe. Einerseits bedeutet es, dass der Dezember finanziell relativ lau werden wird, aber ich habe einiges zu tun und die Auftragslage hat in diesem Jahr immer dann nachgelassen, wenn ich für mich neue Dinge zu erarbeiten hatte. Der August war ruhig. Ich hatte ein Buch zu schreiben. Es war genau im richtigen Moment ruhig geworden. Ich musste mich auf das Schreiben konzentrieren. Jetzt wird es ruhig, weil ich mich mit der Klärung von Themen, mit Positionierung und Marketingstrategien auseinandersetzen will. Das will und braucht Zeit. Es braucht Ruhe und Stille, damit ich Klarheit finden kann.

Letztes Wochenende war ich in den Bergen. Wieder ein Treffen mit Trainerkollegen. Wir tauschten uns über Methoden aus. Wir machten verschiedene Übungen der Achtsamkeit, die mit Stille und Schweigen verbunden waren. Ich war die ganze Woche gehetzt und habe mich mit den Schmerzen einer Sehnenscheidentzündung auseinandergesetzt. Mein Körper hat mir Zeichen der Überlastung gegeben. Wie gut hat mir das Innehalten getan. Das Unterbrechen dieses unendlich erscheinenden Flusses von Ereignissen, dieser langen Kette von Tun und Aktion, von im Aussen Sein. Brauchen wir nicht mehr Innehalten, mehr Momente des Schweigens, um wieder Kraft zu schöpfen, um präsenter das Hier und Jetzt erleben zu können?

Gestern auf dem Rückweg von einem Workshop habe ich im Radio wieder den Begriff der Absichtslosigkeit erklärt bekommen. In der Sendung „Mensch Otto“ trat eine Clownin auf, die mit wunderschönen Worten ihre Vorstellung des Nicht-Wollens und der Absichtslosigkeit erklärte. Ihre Worte haben mich sofort berührt. Dieses Jahr war für mich eine große Lektion in Nicht-Wollen und Absichtslosigkeit. Wenn ich auf dieses Jahr zurückblicke, glaube ich zu verstehen, dass ich einen Schritt weiter gegangen bin, im Nicht-Wollen, im Dingen ihren Lauf lassen, in der Absichtslosigkeit. Nachdem mir letztes Jahr zwei der wichtigsten Dinge begegnet sind, die ich mir von Herzen wünsche und die sich nicht realisiert haben, weil ich zu sehr wollte, habe ich daraus den Schluss gezogen, dass es besser ist, den Dingen ihren Lauf zu lassen. Zu vertrauen, dass alles gut ist, so wie es ist. Durch diese neue Haltung der Absichtslosigkeit, in der ich mich übe, ist vieles leichter geworden. Ich fühle mich viel freier und die Perspektiven, die sich dadurch eröffnen, sind unendlich groß.

Das Jahr neigt sich seinem Ende zu. Ich hoffe, dass die Weihnachtszeit nicht an mir vorüberrauscht, wie viele Tage, viele Wochen, sogar Monate in diesem Jahr. Viele meinen, es liegt am Alter, dass die Zeit schneller vergeht. Ich meine, dass es auch an mir liegt. An meinem Innehalten oder nicht Innehalten, an meiner Fähigkeit, bewusst zu leben, präsent zu sein.

Dieses Jahr war und ist ein Jahr voller Veränderung. Ich finde es wichtig, innezuhalten und dieses Jahr abzuschließen. Schauen wir zurück, haben wir die Chance, zu erkennen, was wir vielleicht während des Jahres nicht erkannt haben. Warum sich nicht die Zeit nehmen, in die Stille, ins Schweigen zu gehen, ein paar Tage, ein paar Stunden, um sich die Veränderungen in diesem Jahr noch einmal bewusst zu machen? Vielleicht gibt es Dinge, die wir abzuschließen haben? Wir hetzen oft von einem zum nächsten und vergessen, dass alles einen Anfang und ein Ende hat und braucht, auch wenn alles in permanenter Veränderung ist. Beziehungen gehen zu Ende und es beginnen neue. Wir verlieren Jobs und Positionen und erlangen neue. Alles in einem oft so schnellen Tempo, dass unser Inneres kaum Zeit hat, das Ende zu verdauen und den Neuanfang bewusst zu erleben. Dabei rast unser Leben dahin, so dass uns Angst und bange wird, es zu verpassen.

Obwohl schon der 2. Dezember ist, bin ich noch gar nicht in der Weihnachtszeit angekommen. Wenn ich schreibe, wird mir dieser Umstand sehr klar. Ich empfinde sehr viel Glück bei der Vorbereitung der Geschenke, die ich mir für die Menschen ausdenke, die mir wichtig sind. Will ich das nicht genießen? Ich glaube, dass ich mir die nächsten Tage, auch wenn die schon voll gepackt sind, dafür Zeit nehmen werde. Etwas zu basteln oder zu backen. Mit meinen Händen etwas zu produzieren, das gut schmeckt oder ein Gegenstand ist, der den Beschenkten daran erinnert, dass er für mich wichtig ist. Das sind doch die Dinge, die am Ende des Tages übrigbleiben, oder etwa nicht?

Ich wünsche Ihnen eine wunderschöne Weihnachtszeit. Nehmen Sie sich Zeit für die wirklich wichtigen Dinge. Sie wissen wie ich, welche es sind. Denn wenn Sie sich jetzt fragen, was wirklich wichtig ist, dann fällt es Ihnen sofort ein. So wie mir jetzt gerade. Tun Sie sie. Lassen Sie sich nicht überfahren und überrumpeln von Anrufen, Anfragen und Aktionen. Machen wir es uns doch einfacher. Lassen Sie uns nur das Wichtigste tun. Damit Zeit bleibt, für das, was Ihr Herz füllt. Dann wird Weihnachten gut und wir können mit vollem Herzen ins neue Jahr starten! So soll es sein. So wünsche ich es Ihnen!

 

Foto: Wolfgang Dirscherl/pixelio.de

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