CIT-Consult Emotion-Blog

Wahrheit

01.10.2015 von: Heike Anne Dietzel

WahrheitAm Wochenende durfte ich meiner Wahrheit ins Gesicht sehen. Gleichzeitig wurde ich Zeugin vieler anderer Wahrheiten. Eine nach der anderen kam sie ans Tageslicht bzw. an das Licht, das der Gewölbekeller durch die drei Fenster in den Raum ließ. Mehr als dreißig Menschen in einem Raum mit dicken Mauern und einem Ein- bzw. Ausgang. Wir saßen in einem großen Kreis, der mit jeder Aufstellung zu einer engeren, vertrauteren Gemeinschaft wurde.

Diese Wahrheiten haben mich tief bewegt. Menschen, die mit zitternden Stimmen ihr Anliegen vortrugen, das in den Kern der Sache, in den schwarzen Punkt des jeweiligen Lebens zielte, haben mich in meinem Kern berührt. Es war fundamental und alles umgreifend.

Die Stille, das Schweigen trug uns dorthin, wo die Wahrheit für jeden von uns lag. Getragen von der entscheidenden Frage im eigenen Leben oder dem inneren Schmerz hat jeder seinen ganzen Mut zusammengenommen, das oft nie Ausgesprochene auszusprechen. Gibt es etwas mutigeres als das, was uns im tiefsten bewegt, anzuschauen? Um es zu verstehen und, wenn es die Seele erlaubt, zu lösen? Aus Schmerz kann eine gewaltige Kraft entstehen, sich zu bewegen und das eigene Leben zu verändern.

Alles ist getragen von dem, was in unseren Seelen passiert. Was wir tun, was wir und wie wir sind, ist zwingend mit dem verknüpft was die, die in unseren Familien vor uns waren, getan haben.  Schauen wir uns an, wie sie zu uns und wie wir zu ihnen stehen, können wir in Bewegung kommen und aus dieser Tiefe heraus unser Leben verändern. Wir sind Teil des Ganzen, in das wir hineingeboren werden und dieser Tatsache können wir uns nicht entziehen, auch wenn wir es uns noch so sehr wünschen. Wenn wir etwas verändern wollen, was nicht rund und ganz in uns ist, dann müssen wir in diesen Kern hinein. Unserer eigenen Wahrheit ins Auge sehen.

Die „normale“ Welt scheint nach diesem Wochenende sehr oberflächlich und banal. Aufgebauscht und trivial. Worte fliegen hin und her, aber was sagen sie? Oft nicht mehr als Schall und Rauch. Können oder wollen wir nicht hinein in den Kern? Oder gibt es im Leben nur ein, zwei Momente, in denen wir uns entscheiden, hineinzuschauen?

Wenn wir dorthin wollen, wo wir unsere Defizite heilen können, müssen wir still werden. Das Rauschen des Alltags hinter uns lassen und uns in einen geschützten Raum begeben. Das liegt in unserer Hand, wir können uns jeden Tag dazu entschließen. Die Alternative ist öde: es sein lassen und weiter in unseren eingefahrenen Fahrwassern, in unserer Komfortzone bleiben. Ich wünsche Ihnen allen den Mut, sich zur Veränderung zu entscheiden. Der eigenen Wahrheit ins Auge zu sehen, lohnt sich. Es macht unendlich frei.

 

Foto: Angelika Wolter_pixelio.de

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