CIT-Consult Emotion-Blog

Schweinemast und Weiterbildung

27.06.2011 von: Michael Blochberger

Letzte Woche in Mönchengladbach. Am Wochenende drei Tage in München. Morgen zwei Tage Organisationsentwicklung in Hannover. Zehn Arbeitstage in drei verschiedenen Seminarhotels. Da sind zwei Nächte im eigenen Bett wie Urlaub! Wäschewechsel, Handouts drucken, Medien checken, weiter geht’s…

Ich merke gerade, was mich an meiner Arbeit wirklich stresst: Nicht die langen Arbeitszeiten, nicht das Einlassen auf die Menschen, nicht die Konzentration auf die anspruchsvollen Themen, nicht die Intensität der Gefühle. Es ist der stetige Ortswechsel. Das Einstellen-müssen an wechselnde Umgebungen, Seminarräume und Hotelzimmer! Hier fehlt’s an der herzlichen Atmosphäre, dort an der Qualität des Essens. Hier am notwendigen Equipment, dort an einer bequemen Matratze, an Frischluft, an Ruhe, am Licht, am… Auf die Mehrzahl der Dinge habe ich keinen Einfluss. Ich muss mich mit den störenden Aspekten abfinden. Aber ich kann Einfluss auf die Auswahl nehmen!

Es ist mir seit langem bewusst, dass der Seminarort von großer Bedeutung für die Qualität eines Trainings ist. Ein Ort, an dem man sich nicht wohl fühlt, taugt nicht zum Lernen. Und in klassischen Tagungshotels hat die Tagungsorganisation viel Ähnlichkeit mit der industriellen Schweinemast. Wie soll der Lehrstoff schmecken, wenn Seminarraum 27 im Keller liegt und das Buffet an Futtertröge in der Massentierhaltung erinnert? Schweinefleisch wie Weiterbildung: Alles schmeckt fad, was in solchem Umfeld gedeihen muss.

Es ist mir ein Rätsel, dass keiner der Großen in der Branche bisher erkannt hat, dass Weiterbildung nicht wie Massentierhaltung zu organisieren ist. Der Fokus liegt auf technischer Austattung, Variabilität oder der Logistik von Großveranstaltung. Aber die Seminarräume haben bestenfalls den Charme eines Klassenzimmers: kalt, nüchtern, unpersönlich. Lernräume sollten anders aussehen. Sie sollten uns einladen, unterstützen, inspirieren, Sicherheit geben, neue Perspektiven ermöglichen. Der Mensch muss Veränderung fühlen können, um Neues aufnehmen zu können. Wir sind keine Maschinen.

Wenn ich Einfluss nehmen kann, buchen wir nur anspruchsvolle und persönlich geführte Häuser, in denen die Atmosphäre und das Angebot stimmen. Nur dort kann ich als Mensch und Trainer meine ganze Leistung abrufen. Nur dort finde ich den Freiraum, ich selbst zu sein und die Teilnehmer sich finden zu lassen. Solche Häuser sind leider rar gesät. Im Norden gibt es zum Glück das Forsthaus, den Schrammenhoff und Wildland, Orte der Besinnung und Inspiration. Hier macht Lernen Freude und bringt einfach schmackhaftere Ergebnisse!

 

Foto: Herbert.Kaefer_pixelio.de

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