CIT-Consult Emotion-Blog

Der unschätzbare Wert von Emotionen

10.02.2015 von: Michael Blochberger

Die Einladung zur Blogparade: Emotion schafft Mehrwert erinnert mich wieder an ein emotionales Schlüsselerlebnis, das mein Weltbild und mein ganzes Leben verändert hat: Es war an einem Montagmorgen als ich zu unserem wichtigsten Kunden gerufen wurde. Auf der Basis eines langfristigen Vertrages erstellten wir für ihn jede Woche 30 bis 40 Anzeigen und schalteten diese in vielen wichtigen Tageszeitungen. Aufgrund der Menge hatten wir einen sehr niedrigen Stückpreis vereinbart. Der Umfang war in den letzten Monaten weiter angewachsen, sodass bereits jeder Zweite unseres Teams täglich für diesen Kunden tätig war.

Ohne zu ahnen, worum es ging, wartete ich im Konferenzraum auf den Geschäftsführer. Er platzte in den Raum und warf mir mit einem forschen „Guten Morgen“ das Angebot eines mir unbekannten Mitbewerbers auf den Tisch. Nach kurzem Überfliegen der Seiten erkannte ich, dass es sich genau um unsere Abmachungen handelte. Nur dass die angegebenen Honorare exakt 50 Prozent der unsrigen entsprachen. Mir stockte das Herz. Das war kein Scherz.

„Wenn Sie auf diesen Preis eingehen, bleiben wir im Geschäft. Sie werden einsehen, dass ich dieses Angebot nicht ablehnen kann.“ Das Atmen fiel mir schwer. Das Blut wich mir aus dem Gesicht. Es rauschte in meinen Ohren. In meinem Kopf raste es. Irgendetwas zwischen Angst, Wut und Trauer stieg mir die Kehle hoch.

Nach einer scheinbar unendlichen Pause entfuhr mir mit belegter Stimme: „Das ist kein faires Angebot. Das kann man zu diesem Preis nicht leisten.“ Dann spürte ich Tränen in meinen Augen und plötzlich brach es aus mir heraus:

„Seit zwei Jahren reißen wir uns jede Woche den A … auf, um unter extremem Zeitdruck eine saubere Arbeit zu machen. Bisher ist uns noch kein Fehler unterlaufen, noch kein Termin geplatzt. Das macht nicht immer Spaß. Es ist nicht leicht, meine Mitarbeiter jeden Tag aufs Neue zu motivieren. Und das alles zu diesem Preis! Auch Sie tragen etwas Verantwortung dafür, dass wir Spaß daran haben, weiterhin eine gute Arbeit abliefern zu können ...“

Stille. Mein Kopf war leer, meine Zunge trocken. Das war‘s. Ich schluckte an dem Kloß im Hals, packte meine Sachen. Was würden meine Leute dazu sagen? Ich stand auf. Es gab nichts mehr zu sagen. Der Kunde gab mir die Hand, ohne mir dabei in die Augen zu schauen. Sein „Ich überleg es mir nochmal“ hörte ich nicht mehr.

Damals war ich der Überzeugung, alles verspielt zu haben. ­Warum hatte ich meine Gefühle nicht zurückhalten können? Wa­rum hatte ich mich so gehen lassen? Wäre ich durch meine ­Teilnahme an diesem intensiven Führungstraining in der vergangenen Woche nicht so aufgewühlt gewesen – vielleicht hätte ich auf sachlicher Ebene doch noch einen Kompromiss erstreiten können?

Heute, 25 Jahre später, ist mir das Ereignis immer noch gegenwärtig, weil dieser ungewollte Gefühlsausbruch mein erstes Erfolgserlebnis in Bezug auf den Einsatz von Emotionen im Beruf darstellte. Ja, wir haben damals den Job zu unveränderten Konditionen behalten, weil ich im richtigen Augenblick gezeigt hatte, wie sehr mich dieses unseriöse Gegenangebot verletzte und dass ich so nicht mit mir umspringen ließ.

Das Ereignis hat meine Wertvorstellungen in Bezug auf Ratio und Emotionen nachhaltig verändert. Zuvor hatte ich wie die meisten Menschen strikt darauf geachtet, tiefere Gefühle aus dem Berufsleben fernzuhalten. Gefühle wie Trauer, Wut oder Verletztheit hatten für mich mit Schwäche zu tun. Im Beruf galt es aber, stark und überlegen zu wirken.

Zum ersten Mal hatte ich die Erfahrung gemacht, dass das Zeigen tiefer Emotionen im Beruf eine besondere Stärke sein kann, wenn sie klaren Standpunkten Ausdruck verleihen und die notwendige Kraft geben.

  • Geht es darum, deutliche Zeichen zu setzen oder Grenzen aufzuzeigen, ist vielfach Argumentieren zwecklos. Dann sind oft Emotionen notwendig, um die Gesprächspartner aufzurütteln und der Angelegenheit das entsprechende Gewicht zu geben.
Im Zusammenhang mit positiven Stimmungen wie Freude, Stolz oder Begeisterung war mir das geläufig. Neu war mir, dass kritische Gefühlslagen von noch viel durchschlagender Wirkung sein können, wenn sie für den Adressaten nachvollziehbar sind und nicht destruktiv geäußert werden.

Damals wurde mir klar, dass es unmöglich ist, Ratio und Emotion zu trennen. Beides ist wichtig und sinnvoll. Wer eins vom anderen zu trennen versucht oder Gefühl und Verstand nicht in Einklang bringen kann, steht seinem Erfolg im Wege.

Mit dem Verstand sammeln wir Fakten, wir strukturieren, planen und versuchen, objektive, allgemein gültige Kriterien zu schaffen, die es uns ermöglichen, unser soziales Miteinander für die Zukunft zu organisieren.

Gefühle dagegen sind für unser Leben im Hier und Jetzt entscheidend. Freude oder Angst, Motivation oder Frustration, Zuneigung oder Abneigung geben unserer Einstellung und unserem Handeln einen ganz persönlichen und subjektiven Wert. Sie sind also immer etwas sehr Individuelles, das auf der Basis persönlicher Erfahrungen entsteht.

  • Gefühl und Verstand sind aufeinander angewiesen. Wer nur seinem Verstand folgt, ist ebenso sozial unverträglich wie der, der zum Opfer seiner Gefühle wird.

Auszug aus dem Buch "Emotionale Intelligenz in der Mitarbeiterführung"
 

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