CIT-Consult Emotion-Blog

Vom Vorgesetzten zur Führungspersönlichkeit

09.10.2014 von: Michael Blochberger

Mitten in der Vorbereitung auf meinen Vortrag im Rahmen der Messe "Zukunft Personal" zermartere ich mir den Kopf, wie ich so komplexe Inhalte zu Führungskompetenz, Führungsstil, Persönlichkeitsmodell, Gehirnforschung und Persönlichkeitsentwicklung auf 30 Minuten straffen kann, ohne dass ich den roten Faden verliere oder meine Botschaft verloren geht.

Mein Ziel ist es, Personalentwicklern und Bildungsinteressierten verständlich zu machen, warum so viele Seminare zur Aus- und Weiterbildung von Führungskräften ins Leere laufen, wenn sie sich ausschließlich auf die Vermittlung von Techniken konzentrieren und persönlichkeitsbildende Aspekte weitgehend unberücksichtigt lassen. Die klassische Form der Wissensvermittlung versucht Nachwuchsführungskräfte dazu zu befähigen, aus einem Werkzeugkoffer von Kommunikations- und Führungstools das zielführende Instrument zu wählen.

Dieses Führungswissen ist sicher sinnvoll, solange eine Situation intellektuell beherrschbar bleibt. Wie wir aber alle wissen, wird der Führungsalltag von Stresssituationen, Konflikten, Niederlagen und Krisen bestimmt, denen Führungskräfte häufig emotional (noch) nicht gewachsen sind. Wenn Gefahr in Verzug ist, wenn Stress und Angst uns beherrschen, steht unser Gehirn in Alarmbereitschaft: Der Verstand wird weitgehend abgeschaltet und unser emotionales Gehirn handelt nach uralten Verhaltensmustern, mit denen wir in der Kindheit überleben konnten, die in der heutigen Führungsposition aber selten zielführend sind. Der eine wird aggressiv und ausfallend, der andere flieht vor Konflikten oder Entscheidungen. Es gibt Persönlichkeiten, die durch Aktionismus und hektische Kurswechsel Verwirrung stiften, andere entmündigen ihre Mitarbeiter, indem sie alles an sich reißen und kontrollieren wollen.

Die aktuelle Hirnforschung hat für diese Verhalten eine ganz logische Erklärung: Die Mehrzahl aller Menschen besitzt durch Gene und Erziehung eine eindeutige Persönlichkeitsprägung, unter der sich im Laufe des Lebens ein eigener Charakter mit besonderen Kompetenzen entwickelt. Zahlreiche Persönlichkeitsmodelle wie DISG versuchen, diese Profile zu analysieren und bestimmte Verhaltensweisen und Arbeitspräferenzen daraus abzuleiten. Je eindeutiger wir zu einem Typus tendieren, desto stärker zeigen wir Eigenschaften, die uns zu besonderen Berufen befähigen. Die Charaktere lassen sich mit den vier Grundfarben beschreiben:

  • Der rote Dominante kann sich gut durchsetzen und Menschen fordern.
  • Der grüne Stetige ist ein emotionaler Vermittler, der am besten im Team arbeitet.
  • Der blaue Gewissenhafte ist stark in der Qualitätssicherung und der Übernahme von Verantwortung.
  • Der gelbe Initiative fördert Kreativität und Entwicklungschancen.

Je stärker die persönliche Ausprägung, desto größer die fachliche Spezialisierung und der mögliche Erfolg in einem passenden Beruf. Extreme Charaktere sind oft ausgeprägte Spezialisten, was aber zwangsläufig auch zu einer eingeschränkten Variabilität in ihrem Verhalten führt.

Wenn die Besten in ihrem Fach dann zum Vorgesetzten gemacht werden – was in der Praxis oft der Fall ist – wird ihnen ihre Spezialisierung zum Verhängnis: Es fehlt die notwendige Vielfalt im Verhaltensspektrum, um eine gute Führungskraft zu sein und auf alle Belange angemessen reagieren zu können. Sie müssen sich vom Spezialisten zu einem Generalisten entwickeln, der im Spektrum der Persönlichkeiten "mit den Farben" zu spielen weiß. Doch das ist keine Frage des Wissens, sondern der Bereitschaft, neue Erfahrungen zu machen, Ängste zu überwinden und bisher vernachlässigte Persönlichkeitsaspekte zu entwickeln.

Niemand ist in der Lage, seine Persönlichkeit in kurzer Zeit völlig zu verändern, aber durch mehrjährige Selbsterfahrung in einer Ausbildungsgruppe entdeckt man seine blinden Flecken, überwindet destruktive Glaubenssätze, erfährt neue Entwicklungsräume, wächst über sich selbst hinaus.

In der Ausbildung zur Führungspersönlichkeit geht es nicht um das Nachahmen von Techniken sondern um das Entwickeln des eigenen authentischen Wesens. Dort, wo die eigenen Grenzen erfahren werden, entsteht Toleranz und Wertschätzung für andere. Dort, wo meine erlebten Stärken zu mehr Selbstbewusstsein führen, brauche ich diese im Umgang mit anderen nicht mehr zu missbrauchen. Das alles ist nur durch Erleben zu lernen. Wir müssen die Begrenztheit aus Erziehung und Sozialisation durch neue Erfahrungen sprengen, um den Reichtum in unserem Inneren befreien und leben zu können...

Im Fluss meiner Worte und Argumente finde ich den roten Faden für meinen Vortrag. Entdecke die Parallelen zwischen dem DISG Modell und unserer fünfstufigen Ausbildung. Ja, es geht darum, in der Selbsterfahrung der eigenen Persönlichkeitsmuster die innere Balance zu finden, um zur Führungspersönlichkeit zu reifen. Diese innere Mitte innerhalb des Farbenspektrums werde ich zum Aufhänger des Vortrages machen. So gewinne ich die Sicherheit, mein Anliegen verständlich visualisieren zu können.

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