CIT-Consult Emotion-Blog

Eigentlich müsste mein Chef hier sitzen

24.03.2014 von: Michael Blochberger

Wie oft habe ich diesen Satz schon gehört? Es vergeht kein Seminar, auf dem nicht wenigstens ein Teilnehmer mit diesen Worten seine Enttäuschung über seine/n Vorgesetzte/n zum Ausdruck bringt und von den anderen bestätigt wird. Woher kommt diese Frustration? Warum fühlen sich so viele Menschen als Opfer ihrer Chefs? Und wie ist ihnen in dieser Situation zu helfen?

Auf meine Nachfragen hin werden mir ganz persönliche Geschichten geschildert, die viel über das Verhalten und die Einstellung der besagten Führungskräfte verraten:

  • Ein Teamleiter fühlt sich verletzt, weil sein Chef ihn im Meeting regelmäßig unterbricht und ihn vor anderen abfällig behandelt.

  • Ein anderer fühlt sich total überlastet, muss aber gegen seinen Willen zusätzlich noch für kranke Kollegen einspringen oder deren Fehler korrigieren, ohne dass das honoriert wird.

  • Ein dritter fühlt sich ungerecht behandelt, weil sein Chef die Jahresgespräche regelmäßig dazu nutzt, ihn fertig zu machen, statt seine Leistung wertzuschätzen.

  • Ein vierter sucht seit Monaten das Gespräch mit seinem Vorgesetzten, der aber lässt sich entschuldigen und hat immer Wichtigeres zu tun.

So individuell die Geschichten sind, so sehr ähneln sich die Ursachen für die gestörten Beziehungen: Die Chefs fühlen sich zwar für ihre Aufgaben verantwortlich, nicht aber für die Menschen, die sie zu führen haben.

Führen heißt Beziehungspflege

Aufgrund der eigenen Überforderung gehen sie nicht mehr auf ihre Mitarbeiter ein, behandeln diese von oben herab, vergreifen sich im Ton oder lassen sie einfach ihre Macht spüren. Die Geführten werden nicht wertschätzend behandelt, fühlen sich demotiviert und frustriert, ziehen sich in die Opferrolle zurück, was zu Dienst nach Vorschrift oder innerer Kündigung führt.   

Nun könnte man an diesem Punkt viel darüber sagen, dass in deutschen Führungsetagen immer noch ein falsches Verständnis von Führung herrscht, das auf der Verstärkung von Angst basiert. Dass echte Führung nicht durch das Ausüben von Macht entsteht, sondern durch das Erzeugen von Resonanz. Dass die Kernaufgaben einer Führungskraft in der Beziehungspflege zu seinen Mitarbeitern liegt und nicht im Durchpeitschen von Unternehmenszielen. Doch was hilft's?

Solange die Chefs nicht greifbar sind, macht es keinen Sinn, die Teilnehmer in ihren Vorwürfen zu bestärken und die Verantwortung allein den Vorgesetzten zuzuschieben. Wie in jedem Konflikt gibt es auch in der Führung immer zwei Seiten: Einerseits den Täter und andererseits den, der sich zum Opfer machen lässt.

Geht man den oben geschilderten Fällen nach, so stellt sich schnell heraus, dass sich alle Beschwerdeführer das rücksichtslose Verhalten ihrer Chefs mehr oder weniger gefallen lassen. Kaum einer hat den Mut, sich zu wehren, nein zu sagen oder Grenzen aufzuzeigen, und wenn doch, dann in einer so bescheidenen, stillen Art, dass die energische Führungskraft das gar nicht ernst nehmen kann.

Sie meckern zwar, wenn sie unter sich sind, vermeiden aber die Auseinandersetzung mit ihrem Vorgesetzten. Ihnen fehlt es an Mut und Selbstvertrauen, für ihre Rechte und Bedürfnisse einzustehen. Lieber ergeben sie sich ihrer Opferrolle und legitimieren damit – ohne es zu wollen – das autoritäre Verhalten ihres Chefs.

Mit Mut zu mehr Selbstwirksamkeit

Wenn sie aber selbst die Verantwortung für die Umgangsformen übernehmen würden, könnten sie natürlich Einfluss auf das Verhalten ihrer Vorgesetzten nehmen:

  • Wenn ich meine Selbstachtung nicht verlieren will, muss ich mich gegen ein ungehöriges Verhalten meines Chefs zur Wehr setzen. Das sollte in einer Form und einem Rahmen geschehen, in dem auch dieser sein Gesicht wahren kann. Das heißt, lieber das Einzelgespräch suchen, statt es vor anderen eskalieren zu lassen.

  • Wer sich immer mehr Arbeit aufbürden lässt, wird so lange als williger und pflegeleichter Mitarbeiter gesehen, bis er sagen kann: "Jetzt ist es genug." Das darf dann auch in einem Ton geschehen, den der Vorgesetzte ernst nehmen kann. Wer sich immer ein wenig wehrt und dann doch die Arbeit macht, muss sich nicht wundern, wenn er nicht ernst genommen wird.

  • Wer nur Ablehnung und Beschwerden erfährt und keine Wertschätzung, sollte dazu übergehen, Lob, Anerkennung und wertfreies Feedback einzufordern. Sagen Sie Ihrem Chef, dass Sie das demotiviert! Zeigen Sie ihm, wie man es besser macht! Loben Sie ihn, wenn er fair zu Ihnen war oder etwas gut gemacht hat. Sie werden sich wundern, wie viel Einfluss Sie auf das Miteinander haben, denn auch Chefs werden selten gelobt.

  • Wenn ein Vorgesetzter Ihnen aus dem Wege geht und Termine nicht wahrnimmt, hat er offensichtlich ein Problem mit Ihnen. Also fragen Sie ihn, was Sie ihm getan haben. Fragen Sie, was Sie tun können, um das aus dem Wege zu räumen. Vielleicht erfahren Sie dann von ihm, was wirklich dahinter steckt.

Führung entsteht nicht durch Status, sondern durch Kommunikation. Wenn Sie Ihre Gefühle und Bedürfnisse äußern, zwingen Sie Ihr Gegenüber zu einer Reaktion. Das heißt, Sie beginnen, Ihren Chef zu führen. Wenn Sie es gut machen, erreichen Sie was Sie wollen: Eine Entschuldigung, ein Lob oder eine Arbeitsentlastung.

Wenn Sie noch nicht den richtigen Ton treffen, wird sich Ihr Chef wehren. Dann müssen Sie standhaft bleiben, Ihre Argumente vorbringen, bis ein Kompromiss gefunden ist. Auch wenn das unangenehm ist, das Thema ist auf dem Tisch. Und das ist Voraussetzung, wenn sich etwas ändern soll.

Sie haben es jeden Tag in der Hand, ihren Weg zu gehen und Selbstbewusstsein zu entwickeln. Als Unterstützung bieten wir dazu einige Seminare und Trainings, in denen Sie die notwendigen Techniken erlernen und trainieren können:

Konstruktive Kommunikation in Konflikten Sie lernen, ohne Aggression Ihre Bedürfnisse zu äußern und durchzusetzen.

Flexibilität und Selbstwirksamkeit stärken Sie spüren Ihre destruktiven Glaubenssätze auf und lernen, die Opferrolle zu verlassen.

Mit Gefühl und Empathie zu mehr Erfolg Sie lernen, der Kraft Ihrer Emotionen zu vertrauen, trainieren Achtsamkeit und Selbstbewusstsein.

 

Foto: Peter Hebgen/pixelio.de

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