CIT-Consult Emotion-Blog

Zukunft verantwortlich gestalten

22.02.2014 von: Michael Blochberger

"Welche Chance habe ich, um mich als Führungskraft eines kleinen oder mittelständischen Unternehmens gegen die übermächtige  Konkurrenz zu behaupten?"... "Wie kann ich unsere Leistungen als Marke etablieren, wenn uns das Budget fehlt?"... "Wie gelingt es, gute Mitarbeiter zu halten, obwohl der Wettbewerb höhere Gehälter zahlt?"... "Wie schaffe ich den Spagat zwischen Profitabilität und Humanität, Leistungssteigerung und Gesundheit?"...

Diese und ähnliche Fragen begegnen mir in der Beratung und im Coaching von Führungskräften immer wieder. Im Zuge der Reorganisation der Unternehmen und der Internationalisierung der Märkte wird der Leistungsdruck auf Führungskräfte und Mitarbeiter immer größer. Viele stoßen dabei an ihre Grenzen, suchen nach Lösungen und Auswegen für ihr Unternehmen und für sich persönlich.

Auch ich habe 25 Jahre für meine kleine Kommunikationsagentur gekämpft. Ich habe versucht, mir über Qualität einen Namen zu machen, mich durch Profilierung gegen Preisdumping zu behaupten, über eine engagierte Personalpolitik meine Mitarbeiter zu halten. Viele Jahre lang haben wir es verstanden, uns gegen "Platzhirsche" und "Konzernagenturen" zu behaupten. Im Laufe dieser Jahre sammelte ich die Erfahrungen und Kompetenzen, die mir heute die Möglichkeiten geben, anderen Unternehmen und Führungskräften zu helfen, ihren eigenen Weg zu finden.

Der Kern meiner Erfahrungen liegt in einer einfachen Erkenntnis.

Versuche nie das nachzumachen, was andere oder größere Unternehmen besser, schneller oder billiger können. Deine Chance als klein- oder mittelständischer Betrieb, als Dienstleister oder Kaufmann liegt immer in der Spezialisierung und in der Einmaligkeit deines Engagements. Das gilt nicht nur für die Produkte oder Dienstleistungen, sondern auch für Vertrieb, Marketing und Personalführung.

Rückblickend kann ich sagen: Immer wenn wir eine Produktnische entdeckt hatten, einen neuen Vertriebsweg oder innovative Marketingansätze, waren wir für uns und unsere Kunden höchst erfolgreich. Der wichtigste Erfolgsfaktor von allen aber war meine Positionierung in der Mitarbeiterauswahl und Mitarbeiterführung.

Um begabte und engagierte Mitarbeiter trotz niedriger Gehälter für uns zu gewinnen, garantierten wir ihnen echten Teamgeist, Menschlichkeit sowie fachliche wie persönliche Weiterbildung. Das brachte uns schnell den Ruf eines guten Arbeitgebers ein. Viele kreative Mitarbeiter kamen für zwei bis drei Jahre zu uns, um etwas zu lernen. Bald galt unsere Agentur als "Sprungbrett" für die weitere Karriere. Und ich nutzte jede freie Stunde zur internen Fortbildung, entdeckte meine Freude daran, Menschen zu entwickeln und komplexe Zusammenhänge verständlich zu vermitteln.

In den Mitarbeitern schlummern die größten Potenziale

Was damals noch neu und ungewöhnlich war, ist heute eine weit verbreitete Erkenntnis: Die größten ungenutzten Potenziale schlummern nicht in Organisation oder Vertrieb, sondern in den Kompetenzen der Mitarbeiter. Damit sind nicht nur die Fachkompetenzen gemeint. Noch wichtiger ist es, in die emotionalen Kompetenzen zu investieren: in Motivation, Vertrauen, Identifikation und eine menschliche, wertschätzende Führung.

Als späterer Berater konnte ich in zahlreichen Studien nachweisen, dass schlechte Führung, mangelnde Wertschätzung und fehlender Teamgeist die Hauptverantwortung für sinkende Arbeitsleistung, innere Kündigungen, steigende Krankenstände, Mobbing und Burnout darstellen. In einer Zeit, in der das Arbeitstempo weiter gesteigert wird, die Abläufe perfektioniert und die Führungskräfte immer mehr Verantwortung tragen, verlieren viele Unternehmen die emotionalen Aspekte im Unternehmen aus den Augen. Wenn die Gefühle aber auf der Strecke bleiben, geht der Gewinn durch Ausfallzeiten und Fehlleistungen schnell wieder verloren.

Besonders krass erlebe ich diese Veränderungen in zahlreichen Betrieben der Sozialwirtschaft. Hier, wo es die Aufgabe ist, den Menschen zu helfen und zu dienen, in Krankenhäusern, Altersheimen, Pflegeeinrichtungen, Bildungsträgern, Schulen oder Behörden, fällt es besonders schwer, die Qualität der Leistung bei weiter steigender Effizienz aufrechtzuerhalten. Die Menschen die hier arbeiten, können ihren Anspruch an ihre Arbeit unter steigendem Druck kaum noch erfüllen. Es ist kein Zufall, dass in diesen Institutionen die Krankheitsstände, Burnouts und Frühverrentungen höher sind als in allen anderen Branchen.

Die Sozialwirtschaft steht vor großen Herausforderungen

Gleichzeitig sind hier aber auch die größten Führungsdefizite zu verzeichnen, weil aus Unwissenheit oder Geldmangel wenig in die Weiterbildung und Entwicklung der Leistungsträger investiert wurde. Auf diese Führungskräfte wird in den kommenden Jahren die enorme Aufgabe zukommen, zwischen Kostendruck, steigendem Bedarf und Fachkräftemangel einen gangbaren Weg zu finden, damit die Systeme nicht kollabieren.

Für diese enormen Aufgaben braucht es gestandene und mutige Führungskräfte, die den Herausforderungen auch persönlich gewachsen sind. Es geht dabei nicht vorrangig um Fachwissen, sondern in erster Linie um Führungs- und Sozialkompetenz:

  • Es geht um die Fähigkeit, Mitarbeiter/innen trotz Kostendruck und Arbeitsbelastung zu einer engagierten und hochwertigen Dienstleistung anzuleiten.
  • Es geht um die kulturelle Kompetenz, gut ausgebildete Kräfte ans Unternehmen zu binden, ausländische Kollegen zu integrieren und die Identifikation mit der Organisation zu stärken, um auf kommende Anforderungen besser vorbereitet zu sein.
  • Es geht darum, das Ansehen vieler Sozial- und Dienstleistungs-Berufe zu verbessern, deren Engagement für die Gesellschaft mehr wertzuschätzen, die Mitarbeiter/innen durch Weiterbildung zu stärken und zu entwickeln, um die Arbeitszufriedenheit zu verbessern, Burnout und psychosomatischen Erkrankungen vorzubeugen.

Diese Kompetenzen kann man sich nicht aus Lehrbüchern aneignen. Sie erfordern von der Führungskraft viel Erfahrung, Standing, Menschenkenntnis, Persönlichkeit und strategische Kompetenzen. Eigenschaften, die sich langfristig aus Selbstbewusstsein und Selbsterfahrung entwickeln.

Diese Erkenntnis, die aus vielen Beobachtungen und Gesprächen gewonnen ist, und die Tatsache, dass sich kaum jemand für diesen Bedarf zu interessieren scheint, hat uns dazu bewogen, eine zweijährige berufsbegleitende Ausbildung für Führungskräfte aus Sozialwirtschaft und Mittelstand zu entwickeln. Eine Ausbildung, die eben nicht nur auf Fachkenntnisse setzt, sondern den Teilnehmern die Chance bietet, unserer aller Zukunft verantwortlich zu gestalten.

Dieses neue und ganzheitliche Konzept wird von dem Bewusstsein getragen, dass Führung und Persönlichkeit nicht zu trennen sind: Führung braucht das Vertrauen der Geführten. Wenn ich Menschen dazu anleiten will, mit Menschen menschenwürdig zu arbeiten, muss ich schwierige Situationen, Konflikte, Krisen und Niederlagen meistern, ohne meine persönlichen Probleme an anderen auszulassen. Besonders in der Sozialwirtschaft baut Führungskompetenz auf das Vertrauen in meine Person, auf mein gutes Selbstmanagement, meine Gelassenheit, meine Selbstmotivation, meine Empathie und mein Mitgefühl.

Dazu möchten wir einen kleinen Beitrag leisten. Gemeinsam wollen wir Lösungen für eine leistungsbewusste und menschenwürdige Arbeitswelt entwickeln.

 

Foto: loops7/gettyimages

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