CIT-Consult Emotion-Blog

It’s the Mind not the Money!

22.09.2011 von: Michael Blochberger

“Wie geht’s dir?” frage ich einen alten Bekannten, den ich auf der Straße treffe. “Ach, es könnte mir 10.000 Euro besser gehen!” ist seine Antwort. Es ist witzig gemeint, aber ich kann darüber nicht lachen. Ich habe ja nicht nach seinen Einkommensverhältnissen gefragt, sondern nach seinem emotionalen Befinden! Es stört mich, dass er, wie so viele Menschen in meiner Umgebung, seine Zufriedenheit so vom Finanziellen abhängig macht. Dabei kenne ich ihn als durchaus großzügigen Menschen mit anspruchsvollem Lebensstil. Gibt es da einen Zusammenhang zwischen permanenten Unzufriedenheit und mangelnder Bescheidenheit?

In meiner Arbeit begegne ich zahlreichen Menschen, die hoch dotierte Jobs haben und im Konsum schwelgen. Sie haben natürlich einen entsprechenden Lebensstandard, fahren ein Auto der Luxusklasse, wohnen im schicken Eigenheim und reisen häufig in exotische Länder. Aber ihr Job nimmt sie auch sehr in Anspruch. Sie arbeiten 60 bis 80 Stunden die Woche, leiden unter zahlreichen sozialen Verpflichtungen, wirken auf mich meist gestresst, überfordert und unzufrieden. Der erreichte Status und die selbst auferlegten Ansprüche scheinen sie eher zu belasten als zu befriedigen. Da wird verglichen, bewertet und die Messlatte wird immer höher gesetzt.

Aber ich lerne auch viele Menschen kennen, die in Bescheidenheit leben. Die Gesprächsthemen drehen sich um die Erziehung der Kinder, um persönliche Pläne, um Politik und soziale Verantwortung. Da geht es nicht um Status und Konsum, sondern vielmehr um den Stolz und die Freude mit Kreativität und persönlichem Einsatz etwas erreichen zu wollen. Man misst sich nicht am Erfolg des anderen, sondern solidarisiert sich im gegenseitigen Verständnis. Diese Menschen wirken auf mich viel glücklicher, auch wenn sie für ihr Leben kämpfen müssen und in der Regel mit weniger Geld auskommen.

Beide Charaktere sind auf ihre Weise ganz liebenswerte Menschen, aber scheinen in völlig unterschiedlichen Welten zu leben. Was ihr Wesen so verschieden macht, das sind ihre Wertevorstellungen. Für die ewig Unzufriedenen spielen Besitz, Status, Wettbewerb und Kampf eine viel größere Rolle als für die Bescheidenen. Sie beziehen ihr Selbstwertgefühl weitgehend aus dem Vergleich mit anderen und müssen sich täglich aufs neue beweisen, dass sie besser sind als diese. Das ist nicht nur anstrengend, es macht Sie auch von den Niederlagen ihrer Gegner abhängig. Denn wer immer der Beste sein will, wird schnell zum Gejagten.

Zufriedene Menschen zeigen mehr Demut und setzen für ihr Leben ganz andere Prioritäten. Ideelle Werte wie Freude, Gesundheit, Selbstbestimmung und persönliches Wachstum sind ihnen so wichtig, dass sie lieber auf Geld verzichten würden, als diese aufzugeben. Das scheint für ihre Karriere nicht immer förderlich, weil ihre Ansichten in manchen Unternehmen als störend empfunden werden. Aber weil sie zu sich stehen, sind diese Menschen unabhängiger von der Meinung anderer und finden ihren eigenen Weg. Auf mich wirken sie ehrlicher, bewusster und authentischer als die so genannten Karrieretypen, die täglich ums goldene Kalb tanzen.

Dass die innere Einstellung neben den Themen Gesundheit, Partnerschaft und Geld eine wichtige Rolle in der Zufriedenheit der Menschen in Deutschland spielt, das zeigt auch der aktuelle Glücksatlas, eine von der Deutschen Post beauftragten Studie. Er belegt, dass im Nordwesten Deutschlands zur Zeit die glücklichsten Deutschen leben. “Die Menschen in der Region Niedersachsen-Nordsee sind durchschnittlich zufriedener mit ihrem Einkommen”, sagt Max Höfer, der Koordinator der Studie und führt das auf die regionale Bescheidenheit zurück. In Gegenden wie Hamburg, Südbayern oder Baden, wo das Bruttogeldvermögen pro Haushalt in Deutschland am höchsten ist, sind die Menschen nicht unglücklich, aber mit ihren Einkommen sehr viel unzufriedener. Also doch:

“Reich ist man nicht durch Besitz, sondern durch das, was man mit Würde zu entbehren weiß.” Epikur

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