CIT-Consult Emotion-Blog

Mit Selbstbewusstsein zum Erfolg – frei von Angst und Abhängigkeiten

25.10.2013 von: Michael Blochberger

Mit 48 Jahren steht mein Freund Jens plötzlich auf der Straße. Als Vertriebsleiter ist er nach vielen erfolgreichen Jahren entlassen worden, um jüngeren Kollegen Platz zu machen. Dank seiner Abfindung hat er Zeit, sich ein neues Arbeitsumfeld zu suchen. Aber nach 90 erfolglosen Bewerbungen muss er einsehen, dass für Menschen in seinem Alter, seiner Qualifizierung und seinen Ansprüchen kaum noch Chancen auf dem Arbeitsmarkt bestehen.

Die Selbständigkeit scheint der einzige Ausweg, aber er zögert, diesen Schritt zu tun – zu groß sind seine Lebenshaltungskosten und finanziellen Verpflichtungen: Die teure Mietwohnung, laufende Kredite und Verträge, die Unterhaltskosten für die geschiedene Frau und seine zwei Kinder und am Jahresende hat er seinen Dienstwagen abzugeben und braucht ein neues Auto. Da reicht seine Abfindung nur für die ersten Monate seiner neuen Existenz. Und dann?

Vor der kommenden Unsicherheit hat Jens so große Angst, dass er notwendige Recherchen und Entscheidungen vor sich her schiebt. Seine Existenzangst lähmt ihn so sehr, dass er nicht wieder zuerkennen ist. Dieser erfahrene, souveräne Mann, verliert sich plötzlich in unzähligen Bedenken und Eventualitäten statt zu handeln. Verständlich, denn es geht nicht nur um seine eigene Existenz. Was passiert, wenn er die Zahlungen an seine Frau und den Unterhalt für die Kinder nicht mehr zahlen kann?

Die Geschichte von Jens ähnelt der von unzähligen gut verdienenden Angestellten: Sie wähnen sich sicher in ihrem festen Arbeitsverhältnis, gründen eine Familie, pflegen einen großzügigen Lebensstil und machen sich keine Sorgen um ihre Zukunft. Wenn dann die Krise kommt – privat oder beruflich – sind oft wenig Sicherheiten oder Rücklagen vorhanden. Dann droht Hartz4 und ein Absturz auf der sozialen Leiter. Teilweise zieht der Verlust des Arbeitsplatzes auch eine Beziehungskrise nach sich oder umgekehrt.

Wenn sich ein neues Angestelltenverhältnis findet, ist eine Kündigung leicht zu verkraften, da wird eventuell ein Umzug notwendig, aber der Lebensstil bleibt weitgehend gleich. Eine Existenzgründung hat aber Einfluss auf alle Lebensbereiche und macht auch eine neue Lebenseinstellung notwendig: Statt des Konsums werden die Investitionen, die eine sichere Zukunft erst ermöglichen, zum Mittelpunkt des Lebens.

Wenn ich auf zahlreiche Beratungen zurückblicke, dann war der Umgang mit den Finanzen häufig der entscheidende Faktor. Ob eine Existenzgründung erfolgreich ist oder nicht, hängt nämlich stark von der Ausdauer, dem Durchhaltevermögen und der Unterstützung im Umfeld der Gründer ab. Viele Gründungen scheitern, weil sie aufgrund einer zu dünnen Finanzdecke abgebrochen werden, weil die finanziellen Erwartungen zu hoch gesteckt waren oder weil private wie geschäftliche Partner ihre Unterstützung verweigerten.

Selbständigkeit ist für mich der wirtschaftliche Schritt zum Erwachsen-Werden. Während im Angestelltenverhältnis der Arbeitgeber wie im Elternhaus einen sicheren Rahmen bietet, in dem ich versorgt bin und mich entwickeln kann, muss ich in der Selbständigkeit für alles selbst sorgen: Ich habe eine Geschäftsidee zu entwickeln, muss Markt und Zielgruppen erforschen, habe diese über intelligente Marketingstrategien bekannt zu machen und muss meine Produkte und Dienstleistungen pflegen und vertreiben. Das kostet in der Regel mehr Geld als ich aufbringen kann und mehr Zeit als ich in meinem Angestelltenverhältnis aufwenden musste.

Deswegen rate ich Menschen, die vor dieser Entscheidung stehen, sich selbst zu fragen, inwieweit sie bereit sind, für ihr eigenes Unternehmen Verzicht zu üben. Wer für die neue Existenz nicht auf zeitaufwändige Hobbys oder kostspielige Freizeitvergnügen verzichten mag, sollte ein dickes Finanzpolster und starke Nerven mitbringen. Angst ist kein guter Ratgeber und unter Existenzangst wirkt man selbst als erfahrener Fachmann wenig überzeugend.

Eine flexible Finanzstrategie, die immer einen Plan B oder C in Reserve hat, halte ich deshalb für notwendig. Dazu zähle ich niedrige Fixkosten, eine investive Geldpolitik, einen gesunden Cash-Flow und weitgehende Unabhängigkeit von externen Geldgebern wie Banken. Je flexibler und unabhängiger ich auf Niederlagen und Krisen reagieren kann, desto weniger Angst muss ich haben und desto mehr Sicherheit gewinne ich auch.

Was kann mein Freund Jens nun konkret tun, um mehr Sicherheit in der Selbständigkeit zu finden?

  • Kündigung laufender Verträge und anderer finanzieller Verpflichtungen, soweit das nicht große Verluste mit sich bringt. Dazu zählen Abonnements, Mitgliedschaften, Spar- und Leasingverträge sowie verzichtbare Versicherungen. Auch Lebensversicherungen sind ohne großen Renditeverlust zu stunden.
  • Kauf einer kostengünstigen Immobilie und Kündigung des Mietvertrages. Beim derzeitigen Zinssatz ist Wohneigentum einmalig günstig und eine Sicherheit für Banken – Mieten dagegen sind rausgeschmissenes Geld. Aber Vorsicht vor Maklern und überteuerten Eigentumswohnungen! Holen Sie sich breite unabhängige Informationen über die Marktpreise und -entwicklung ein, bevor Sie sich entscheiden.
  • Tilgungsfreie Immobiliendarlehn garantieren eine niedrige monatliche Zinsbelastung. Dafür sollte die Bank die Möglichkeit einer flexiblen jährlichen Tilgung einräumen, die nur in Anspruch genommen wird, wenn genügend Gewinne vorhanden sind.
  • Wenn möglich, der Verzicht auf kostenintensive Unternehmensformen wie GmbH, die zwar eine neue Scheinsicherheit bieten, letztendlich aber hohe Beratungskosten, Steuern, Gesetzesauflagen und Abhängigkeiten mit sich bringen. Es sei denn, das Geschäftsrisiko ist so groß, dass es begrenzt und auf mehrere Schultern verteilt werden muss.
  • Verzicht auf kostspielige Statusinvestitionen wie aufwändige Büroflächen, teure Büroausstattungen oder repräsentative Dienstwagen. Stattdessen ein sicheres Finanzpolster anlegen, um auf Rückschläge und den ersten Steuerbescheid vorbereitet zu sein.
  • Suche nach finanzieller Unterstützung durch stille Partnerschaften oder Zusatzeinkommen.

Wenn Jens diese Ratschläge annimmt, braucht er sich vor der Selbständigkeit nicht zu fürchten. So engagiert und pfiffig, wie ich ihn kenne, wird seine Geschäftsidee ein voller Erfolg. Drei bis vier Jahre gebe ich ihm, dann hat er es geschafft und kann sich wieder ein Leben leisten wie zuvor.

 

Foto: fotomira_pixelio.de

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