CIT-Consult Emotion-Blog

Resilienz als Karrierefaktor – Emotionale Intelligenz fürs Business

20.09.2013 von: Michael Blochberger

Im Wettbewerb um Arbeitsplätze und Aufstiegschancen steigen die mentalen Anforderungen an Arbeitnehmer und Selbständige. Krisenerprobte Manager sind gefordert, die Niederlagen wegstecken können und sich vor Burnout zu schützen wissen. In deutschen Personalabteilungen gewinnt der Begriff "Resilienz" zunehmend an Bedeutung und ist dabei, die Themen der Emotionalen und Sozialen Kompetenz zu ersetzen. Doch was muss man unter "Resilienz" verstehen?

Der Begriff „Resilienz“ (lat. resilire: zurückspringen, abprallen) wurde durch die Psychologin Emmy Werner bekannt, die 1971 in einer Studie über die Entwicklung von Kindern auf der Hawai-Insel Kauai beweisen konnte, dass Kinder, die es trotz ihrer Armut zu etwas gebracht hatten, ehrgeiziger, disziplinierter, einfühlsamer, offener, sozialer, realistischer und anpassungsfähiger eingestellt waren als die Mehrheit.

Seit einigen Jahren hat "Resilienz" auch in der Personalentwicklung Einzug gehalten, um die Eigenschaften von widerstandsfähigen Menschen zu beschreiben: Diese reagieren auf Veränderungen flexibler als andere, sie resignieren nicht, sondern agieren lösungsorientiert, sie lernen aus Niederlagen, wissen Krisen konstruktiv zu überwinden und verfügen über ein klares Werteverständnis.

Daniel Goldman zitiert 1995 in seinem Buch "Emotionale Intelligenz" zahlreiche Studien und kommt zu einem ähnlichen Schluss: die emotionalen Kompetenzen eines Menschen sind für seinen Erfolg weit mehr verantwortlich als seine Intelligenz. Dazu zählt er Fähigkeiten wie Selbsterkenntnis, Selbstdisziplin, Motivation, Optimismus, Frustrationstoleranz, Selbstbestimmung, Flexibilität, Empathie und Sozialkompetenz. Kompetenzen, die von namhaften Psychologen und Autoren auch für die Resilienz als unverzichtbare Eigenschaften genannt werden.

Resilienz – ein Wort für altbewährten Wein in neuen Schläuchen?

Nein. Die Parallelen zwischen "Resilienz" und "Emotionaler Intelligenz" sind zwar frappierend. Beide Begriffe versuchen, menschliche Erfolgsfaktoren zu beschreiben und kommen logischer Weise zu sehr ähnlichen Ergebnissen. Was aber beide voneinander unterscheidet, ist der Fokus, unter dem sie das tun:

Emotionale Intelligenz beschreibt ein erfolgreiches Selbstmanagement unter dem Gesichtspunkt eines sozialverträglichen Handelns. Im Kern geht es um die emotionale Balance zwischen den Eigeninteressen und denen der Gemeinschaft, also zwischen dem ICH und dem WIR. Das ist wohl auch der Grund, weshalb der Begriff bis heute in der Wirtschaft so häufig missverstanden wird.

Resilienz beschreibt eine erfolgreiche Selbstführung unter dem Gesichtspunkt eines karrierebewussten Krisenmanagements und trifft damit absolut den Zeitgeist, weil das soziale Miteinander zunehmend einem allgemeinen Krisenszenario weichen muss. In der Zeit eines brutalen bis unmenschlichen Wettbewerbs geht es vermehrt darum, Niederlagen wegzustecken, Krisen zu überstehen und Leistung zu bringen ohne auszubrennen.

Burnout-Prävention ist das Thema der Zeit und das liegt sehr im Interesse der Unternehmen, weil die Fehlzeiten immer höhere Kosten verursachen. Resilienz ist die Kompetenz, mit der dem Burnout vorzubeugen ist. Statt der Balance zwischen ICH und WIR geht es um die Leistungsfähigkeit und das Überleben des ICH in einer krisengeschüttelten Leistungsgesellschaft. Der Einzelne muss mit den härteren Bedingungen umgehen lernen, damit unser System Bestand hat.

Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zwingen die Personalentwicklung also, zu reagieren und nach neuen Wegen zu suchen, ihre Mitarbeiter auf sich verändernde Rahmenbedingungen vorzubereiten. Resilienz verspricht einen direkten wirtschaftlichen Nutzen, nämlich eine deutliche Reduktion von krankheitsbedingten Ausfällen. Unter diesem Nutzenversprechen ist man bereit, in die persönliche Entwicklung zu investieren.

Resilienz – die Hardcore-Variante Emotionaler Intelligenz?

Nein, auch wenn das von manchen so gesehen wird. Resilienz hat nichts mit Härte oder Standfestigkeit zu tun, sondern vielmehr mit Biegsamkeit und Elastizität. Es geht nicht um das Aushalten von Belastungen, sondern um das Ausweichen und wieder aufrichten. Nicht die deutsche Eiche, die dem Sturm trotzt bis sie bricht, steht für Resilienz, sondern der Bambus, der nachgibt, zurück federt und selbst unter extrem wechselhaften Bedingungen überlebt.

Elastizität, Flexibilität, Genügsamkeit und Demut sind Eigenschaften, die den Menschen in unserer Wohlstandsgesellschaft zunehmend abhanden kommen. Wem alles im Leben zugeflogen ist, wer nicht gelernt hat, zu verzichten, für seine Ziele zu kämpfen, dem Druck nachzugeben und sich wieder aufzurichten, hat keine andere Wahl, als das nachzuholen. Wie die Neurowissenschaft belegt, sind wir das Produkt unserer Erfahrungen, aber wir haben immer die Chance, verpasste Erfahrungen nachzuholen und uns zu entwickeln. Das geht auf die schmerzhafte Tour, indem wir im realen Leben durch Krisen hindurchgehen. Oder vorbeugend, indem wir in der Selbsterfahrung eines mehrtägigen Trainings unseren Erlebnishorizont erweitern und uns mental stärken.

Stärkt ein Training zur Emotionalen Intelligenz auch meine Resilienz?

Resilienz ist ein Sammelbegriff für sehr viele persönliche Einstellungen und Kompetenzen. Diese sind unmöglich innerhalb eines Trainings zu vermitteln oder zu lernen. Wir können aber davon ausgehen, dass eine hohe Emotionale Intelligenz eine sehr gute Basis für die Weiterentwicklung von Resilienz darstellt. Das heißt, wer ein Training zur Emotionale Intelligenz besucht hat, hat begonnen, auch seine Resilienz zu verbessern.

Die Trainings zur Emotionalen Intelligenz leite ich seit fast 15 Jahren und habe unzählige Teilnehmer dabei begleitet, ihre emotionalen Kompetenzen zu entwickeln. Mit dieser Erfahrung war es naheliegend, eine Trainingsreihe zur Resilienz auszuarbeiten und anzubieten, um unsere EQ-Reihe zu ergänzen. Unser besonderer Vorteil dabei: Die Basis-Fähigkeiten Selbsterkenntnis, Selbststeuerung, Motivation, Empathie und Sozialkompetenz werden durch die EQ-Reihe perfekt abgedeckt.

Deshalb können wir uns in der neuen RQ-Reihe auf die aufbauenden Kompetenzen der Resilienz konzentrieren:

  • In RQ1 suchen wir nach hinderlichen Lebenseinstellungen sowie destruktiven Glaubenssätzen und lernen, wie wir diese selbstwirksam verändern und korrigieren können.
  • In RQ2 trainieren wir unsere Achtsamkeit mit uns und anderen. Per Biofeedback finden wir unsere mentale Balance zwischen Anstrengung und Entspannung. Wir entwickeln Realitätssinn und Lösungsorientierung und stärken unser Selbstbewusstsein im Vertrauen zu uns selbst und der Gemeinschaft.
  • In RQ3 machen wir uns auf die Suche nach neuen Perspektiven. Wir entdecken den Spaß an Herausforderungen und die Demut zur Natur. Wir entwickeln unser Bewusstsein für Werte und Visionen und beantworten uns die Frage nach dem Sinn unseres Seins.

Alle drei Trainings sind nachhaltige und praxistaugliche Produkte für ein leistungserhaltendes Stressmanagement und eine zeitgemäße Burnout-Prävention. Sie setzen unterschiedliche, sich ergänzende Schwerpunkte und sind unabhängig voneinander zu besuchen. Ein vorheriger Besuch von EQ1 "Mit Gefühl und Empathie zu mehr Erfolg" ist sinnvoll aber nicht Bedingung.

Für mich sind sie treffsichere Argumente für eine Persönlichkeitsentwicklung, die sowohl der Leistungsfähigkeit als auch der psychischen Gesundheit von Leistungsträgern und Führungskräften, Arbeitnehmern wie Selbständigen dient.

 

Foto: uwe275_pixelio.de

 

facebook twitter