CIT-Consult Emotion-Blog

Veränderung als Spiel verstehen

27.08.2013 von: Michael Blochberger

Die unzähligen Ratgeber auf dem Buchmarkt sind ein Beleg für unsere Sehnsucht nach Hilfestellungen und Lösungen in einer immer komplexeren Welt, in der der Einzelne sich zunehmend überfordert fühlt. Da scheint das aktuelle Buch von Kurt Völkl und Heinz Peter Wallner "Das innere Spiel – Wie Entscheidung und Veränderung spielerisch gelingen" auf den ersten Blick nur ein weiteres unter vielen zu sein.

Aber schon im Vorwort wird deutlich, hier haben sich Change-Manager und Change-Berater – ausgestattet mit einem Veränderungsmodell – auf eine Entdeckungsreise begeben, um Veränderungsprozesse in ganzheitlicher Tiefe zu durchleuchten und etwas Neues zu schaffen. Herausgekommen ist eine leicht verständliche Anleitung im Umgang mit kleinen und großen Herausforderungen, die sich nicht nur an Führungskräfte richtet, sondern an alle, die Veränderungsprozesse bewusster leben wollen.

Schon im Buchtitel kommt die Leichtigkeit zum Ausdruck, mit der die Autoren das kritische Thema verstanden wissen wollen: Da wird das Spiel zum Symbol für den unendlichen Lernprozess, in dem Widersprüche, unlösbare Probleme oder Scheitern nur Momentaufnahmen eines spielerisch verstandenen Lebens sind. Die vier Spielregeln (neues Denken, neue Haltung, neues Tun, neue Erkenntnis) dienen dazu, das Spiel der Veränderung anzunehmen und destruktive Glaubenssätze abzubauen. Das Spielbrett selbst wird bestimmt durch das Modell der liegenden Acht, in der Geist, Herz, Bewegung und Belohnung die vier Stationen bilden, die im Zyklus des Wandels immer wieder durchlebt werden, bis Veränderung in den Fluss kommt.

Als Trainer für Emotionale Kompetenz hat mir besonders gefallen, dass das Modell der liegenden Acht endlich dem Gefühl als des "im Körper manifestierten Gedankens" einen entscheidenden Platz im Change-Prozess zuweist und damit die ganzheitliche Sichtweise der Autoren ebenso bestätigt wie meine persönlichen Erfahrungen.

Das Kapitel "Entscheidungen" muss für viele Führungskräfte zum Paradigmenwechsel werden. Pragmatisch-schlüssig unterscheiden die Autoren zwischen Quasi-Entscheidungen, die wir aus Gewohnheit tun, und solchen, die einer simplen Logik folgen, sowie taktischen und strategischen Entscheidungen. Taktischen Entscheidungen fehlt die grundsätzliche Bedeutung, obwohl sich viele Gremien endlos damit beschäftigen. Strategische Entscheidungen dagegen sind von großer Tragweite, weil sie einen unlösbaren Widerspruch in sich tragen und man Neuland betritt. Deshalb sollte jede strategische Entscheidung als Change-Prozess verstanden werden. Das heißt, wir können solche Entscheidungen nicht treffen, sondern müssen die Wirkung von kleinen Veränderungen im "großen Spiel" testen. Im Prozess der liegenden Acht kommt so Change in Fluss, ohne dass tragische Fehlentscheidung notwendig werden.

In den weiteren Kapiteln werden die Erfolgsprinzipien der Veränderung sowie erfolgreiche Spielzüge für Führungskräfte und Fortgeschrittene weiter vertieft, was sich besonders an die Führungskräfte und Berater unter den Lesern richtet.

Letztendlich bietet das Buch viele neue Impulse und eine konstruktive "Spielanleitung" für kritische Herausforderungen in Selbstmanagement und Führung. Auch ich stecke mitten in einem Changeprozess und fühle mich durch dieses Buches angeregt, das Spiel in Zukunft bewusster und mit mehr Leichtigkeit zu spielen.

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