CIT-Consult Emotion-Blog

Mehr Erfolg für Perfektionisten

08.08.2013 von: Michael Blochberger

Ich muss zugeben, dass ich an mich und meine Arbeit immer hohe Ansprüche stelle, und die Mitmenschen in meiner Nähe haben es auch nicht leicht, diesen Ansprüchen zu genügen. Ich habe das immer als Voraussetzung für meinen Erfolg verstanden und es hat mir sicher geholfen, das zu werden, was ich heute bin. Bin ich also ein Perfektionist?

Ein Perfektionismus-Test im Internet bestätigt mir, dass ich solch "perfektionistische Tendenzen" habe und rät mir, mit weniger zufrieden zu sein – mir und anderen das Leben nicht unnötig schwer zu machen. Von Herzen gerne, aber…

Als Kind war ich ein Träumer. Die Schule war für mich eine Quälerei, weil ich große Schwierigkeiten hatte, mich den Normen und Ansprüchen anzupassen. Mein Vater sorgte dafür, dass ich den Willen und Ehrgeiz entwickeln konnte, mich durchzubeißen. Ich habe ihn dafür gehasst, aber ich habe es geschafft. So entstand meine "Wahrheit", dass man nichts geschenkt bekommt in dieser Welt, sondern sich anstrengen muss, um Anerkennung und Erfolg zu erhalten.

Zum Glück war ich eigenwillig und trotzig genug, eine berufliche Laufbahn einzuschlagen, die mehr Freude und Kreativität als materiellen Erfolg versprach, aber ich landete in einer Branche voller Perfektionisten. Designer, Texter, Kreative, die Tag und Nacht arbeiten, um einer Sache den letzten Schliff zu geben. Von Selbstzweifeln getrieben, habe ich fleißig mit gerackert und meine Erfolge mit Schweiß und Tränen erkämpft.

Erst als ich kurz vor einem Burnout stand, hatte ich den Mut, mich selbst in Frage zu stellen. Ich besuchte Selbsterfahrungstrainings und begann meine dreijährige Trainerausbildung. Die Erkenntnis, selbst im Beruf täglich noch um die Anerkennung meiner Eltern zu kämpfen hat mich erschüttert, aber letztendlich den Mut zu einem Neuanfang geben. So wurde ich Trainer für Führungskompetenz und Persönlichkeitsentwicklung.

Aus heutiger Sicht habe ich sehr viel mehr Selbstvertrauen und Gelassenheit als vor 20 Jahren. Ich führe ein bewussteres, entspannteres und glücklicheres Leben. Ich kann mir und anderen Fehler verzeihen und Kritik besser annehmen.

Aber meine hohen Ansprüche haben sich eher gefestigt: Wenn ich einen Artikel schreibe, brauche ich zwei bis drei Korrekturphasen, um zufrieden zu sein. Als Trainer leide ich darunter, wenn ich einmal nicht allen Teilnehmern gerecht werden kann. Und es macht mich rasend, wenn ein Kollege oder Lieferant seinen Job nicht ernst nimmt und seine Leistung lustlos "hinrotzt".

Ja, ich finde es schwer erträglich, in einer Welt zu leben, in der immer billigere Produkte immer weniger taugen, fehlerhafte Software vom zahlenden User getestet wird und Gewinne wichtiger sind als die Gesundheit der Kunden. Als tendenzieller Perfektionist scheinen meine Erwartungen an meine Umwelt immer unrealistischer. Diese Gesellschaft braucht uns, aber wie geht sie mit uns um?

Ja, ich sehe das große Ganze. Ich sehe unsere gesellschaftlichen Realitäten. Und ich weiß, was meine Aufgabe ist: Den Perfektionisten in Management und Wirtschaft die Hilfestellung zu geben, ihre Widerstandskraft und Flexibilität zu entwickeln, um nicht vor die Hunde zu gehen!

Resilienz heißt das neue Zauberwort. Es beschreibt die Fähigkeit eines Menschen, Veränderungen zu tolerieren, aber aus Niederlagen und Krisen zu lernen und sich weiterzuentwickeln. Resiliente Menschen sind erfolgreich, weil sie in schwierigen Situationen selbstbewusst, flexibel und lösungsorientiert agieren und sich nicht in Details verbeißen.

Meine persönliche Geschichte und meine hohen Ansprüche sind es, die mir die Motivation geben, nicht an der Oberfläche zu kratzen, sondern über die Persönlichkeit der Menschen etwas zu verändern. Wir, die Experten für Emotionale Kompetenz, wissen aus jahrelanger Erfahrung, dass wir nur etwas bewegen können, wenn wir Veränderung emotional erfahrbar machen. Deshalb haben wir uns entschieden, ein neues Training zu entwickeln, das das Thema nachhaltig, also auf der Einstellungs- und Persönlichkeitsebene bearbeitet.

Ich hoffe, dass wir damit der Resilienz in der Personalentwicklung zum Durchbruch verhelfen können und mit dazu beitragen, die Perfektionisten unter uns vor dem Burnout zu bewahren. Das wird das zentrale Thema der Zukunft sein.

Foto: sigrid rossmann_pixelio.de

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