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Book or Bit

16.10.2011 von: Michael Blochberger

Im Rahmen der Frankfurter Buchmesse, die heute zu Ende gegangen ist, wurde die Frage nach der Zukunft des Buches ausgiebig diskutiert: Hat das gedruckte Werk noch eine Chance, oder werden sich die digitalen Medien durchsetzen? In einer immer schnelllebigeren Medienwelt haben viele Verlage Angst um ihre Existenz, weil sich das Lese- und Informationsverhalten radikal ändert. Wozu also ein Buch kaufen, wenn mir der Inhalt als E-Books sofort zur Verfügung steht?

Auch ich als Autor stecke in diesem Zwiespalt: Stelle ich meine aktuellen Artikel ins Netz, wo sie sofort jedermann kostenfrei zugänglich sind, oder mache ich mir die Mühe und bringe monatelang meine Ideen zu Papier, um sie für ein lausiges Honorar gedruckt auf den Markt zu bringen? Ich merke, beides gleichzeitig geht nicht, das sprengt einfach meinen Zeitplan. Wenn ich, wie in den letzten Wochen, an einer Neuauflage eines Buches arbeite, kommen Blog und Newsletter zu kurz. Ein Buch braucht Zeit. Ich muss mich dann darauf einlassen können, andere Dinge beiseite schieben, mir die Freiheit nehmen, mich von allen äußeren Reizen zu distanzieren.

Als Leser geht es mir ähnlich: Wenn ich mir eine Auszeit nehmen kann, nehme ich lieber ein Buch zur Hand und ziehe mich zurück. Dann genieße ich die Distanz zu meiner Umwelt, trete in eine Phantasiewelt ein, die mir die gewünschte Erholung bringt. Will ich mich aber schlau machen, bin ich auf der Suche nach Informationen, um in meinem beruflichen oder gesellschaftlichen Kontext meinen Verpflichtungen nachzukommen, dann komme ich mit digitalen Medien besser und schneller ans Ziel. Dann überfliege ich lieber ein E-Book auf dem iPad.

Beides hat seine Berechtigung. Deshalb bin ich davon überzeugt, dass der klassische Roman, das Buch als Träger kultureller Werte, weiterhin eine Zukunft haben wird. Das heutige Fachbuch wird sich aber neu erfinden müssen, wenn es in Druckform überleben will. Den Inhalt der meisten heutigen Sachbücher kann man auf wenigen Seiten zusammenfassen und als E-Book perfekt vermitteln. Da braucht es keine aufgeblasene Paperbacks, in denen die Autoren sich nur ständig selbst wiederholen.

Das gedruckte Fachbuch wird in Zukunft mehr bieten müssen als nur sachliche Infos. Vielleicht entsteht so ein neues Genre, ein “Crossover”, also eine Mischung aus Information und emotionalem Erleben? Eine Form, die es ermöglicht, Lernen erlebbar und spannend zu gestalten? Im Ansatz habe ich das schon in meinem ersten Buch versucht. Diese Woche habe ich mein Manuskript für ein neues Werk an den Verlag geschickt… Und habe wieder mehr Zeit für Blog und Newsletterbeiträge!

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