CIT-Consult Emotion-Blog

Abschied eines Individualisten

22.04.2013 von: Michael Blochberger

Trainings, Seminare und Coaching zu Selbsterfahrung, Persönlichkeitsentwicklung, Sinneswandel, La PalmaWir sitzen in einer kleinen Kapelle, um von einem langjährigen Freund Abschied zu nehmen. Mit warmherzigen Worten beschreibt die Trauerrednerin den liebevollen Vater, pflichtbewussten Ehemann und eigenwilligen Kämpfer, der neun Monate nach der Diagnose einem aggressiven Gehirntumor zum Opfer fiel. Gerd hat sich Zeit seines Lebens nicht um Konventionen gekümmert und so wird auch zu seinem Abschied seine Musik gespielt. Schon mit den ersten Klängen treibt es mir die Tränen in die Augen. Ja, dies ist SEIN Song und der beschreibt ihn besser als tausend Worte: "Haus am See" von Peter Fox.

Hier bin ich gebor'n und laufe durch die Straßen,
Kenn' die Gesichter, jedes Haus und jeden Laden.
Ich muss mal weg, kenn jede Taube hier beim Namen.
Daumen raus, ich warte auf 'ne schicke Frau mit schnellem Wagen.

Seit Jahren träumte Gerd davon, seiner täglichen Routine zu entkommen, Verpflichtungen und berufliche Zwänge hinter sich zu lassen. Der Mann, der auf Außenstehende oft so mürrisch und dickköpfig wirkte, wünschte sich nichts mehr, als die Last seines Lebens abschütteln zu können und seine phantasievolle, sensible Seite mit mehr Leichtigkeit zu leben.

Ich hab den Tag auf meiner Seite, ich hab Rückenwind!
Ein Frauenchor am Straßenrand, der für mich singt!
Ich lehne mich zurück und guck ins tiefe Blau,
schließ' die Augen und lauf einfach geradeaus.

Gerd wusste, was er wollte und er tat einiges dazu, seine Träume zu realisieren: Er plante und baute sein Haus am Meer, auf der kanarischen Insel La Palma. Unter südlicher Sonne entstand eine Oase voller Palmen, Fruchtbäume und tropischer Gewächse. Sein Rückzugsort, an dem er sich entspannen und zu sich kommen konnte, frei von Hektik und Verpflichtungen, ganz wie es im Refrain zum Ausdruck kommt:

Und am Ende der Straße steht ein Haus am See.
Orangenbaumblätter liegen auf dem Weg.
Ich hab 20 Kinder, meine Frau ist schön.
Alle komm'n vorbei, ich brauch nie rauszugehen.

Der Traum von La Palma war das, was Gerd und mich verband. Beim Gang durch seinen geliebten Garten oder beim gemeinsamen Wandern durch die kiefernbewachsenen Berge verstanden wir uns auch ohne Worte. Hier fühlten wir uns zuhause und machten Witze, wie es wohl wäre, wenn wir uns mit 80 immer noch zum Fischessen im Kiosko am Hafen treffen würden.

Hier bin ich gebor'n, hier werd ich begraben.
Hab taube Ohr'n, 'nen weißen Bart und sitz im Garten.
Meine 100 Enkel spielen Cricket auf'm Rasen.
Wenn ich so daran denke, kann ich's eigentlich kaum erwarten.

Doch nun hat sich Gerd schon mit 59 verabschiedet und lässt mich mit meinen Träumen allein. So kann ich meine Trauer nicht zurückhalten und erkenne mich selbst in der Sehnsucht nach einem Leben in südländischer Leichtigkeit: frei, unkonventionell und naturverbunden. Eine Chance, sich selbst ein paar Fragen zu stellen:

Was ist für dich der Sinn deines Lebens? Was hindert dich daran, deine Träume zu leben? Sind es die finanziellen Abhängigkeiten? Die familiären und gesellschaftlichen Verpflichtungen? Oder einfach nur die Angst, das Alte loszulassen? Wie lange willst du noch damit warten…?

Gerds Tod ist für mich ein Weckruf. Der Anstoß, endlich meine Wünsche Wirklichkeit werden zu lassen: Mich mit Gleichgesinnten auf Entdeckungsreise zu begeben, zum eigenen Ich. Die Insel La Palma, für die auch mein Herz schlägt, ist dafür wie geschaffen. Nirgendwo sind Leben, Natur und Emotionen so elementar und sinnlich zu erfahren wie hier. Zum Jahresende werde ich ein Angebot zur Burnout-Prävention und Sinnfindung auf der "Isla bonita" anbieten und das Selbsterfahrungstraining "SinnesWandel" wiederbeleben.

Gerd hätte auch zu Lebzeiten nie daran teilgenommen, aber er wird präsent sein. Seine Familie wird seinem Wunsch entsprechen und seine Asche noch in dieser Woche nach La Palma bringen, wo er in seinem geliebten Garten seine letzte Ruhestätte finden wird.

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