CIT-Consult Emotion-Blog

Lampenfieber: Mit Routine zur Selbstsicherheit

12.04.2013 von: Michael Blochberger

Trainings, Seminare und Coaching, Führungskompetenz, Emotionale Kompetenz, PersönlichkeitsentwicklungImmer, wenn ich mich einer größeren Gruppe von Menschen präsentieren muss, werde ich richtig nervös. Obwohl ich das nach so vielen Vorträgen, Moderationen und Präsentationen doch gewohnt sein sollte, stellt sich keine wirkliche Gelassenheit ein – ich muss mir meine Sicherheit jedes Mal aufs Neue erarbeiten. Schon Tage zuvor mache ich mir Gedanken, wie ich das Thema angehe, mache mir Notizen, überarbeite vorhandene oder entwickle neue Folien.

Zugegeben, vor fünfzehn Jahren, war das noch viel schlimmer, da hatte ich vor meinen Auftritten solches Lampenfieber, dass ich schon mal den Kaffee verschüttet oder den Namen meines Vorredners vergessen habe. Obwohl meine Angst zu versagen sich letztendlich immer als unbegründet erwies, stand mir mein Anspruch, perfekt sein zu wollen, lange im Weg. Ich war der Meinung, einen fehlerfreien Vortrag halten zu müssen, um akzeptiert und anerkannt zu werden. Und dieser Anspruch machte es mir so schwer, wirklich lebendig und authentisch zu wirken.

Aus meiner Angst heraus habe ich mir damals angewöhnt, mich akribisch vorzubereiten: Meine Präsentationen werden schon Tage vor dem Termin fertig gestellt, die PowerPoint-Folien inhaltlich und grafisch aufbereitet, Technik, Bücher oder vorbereitete Moderationskarten liegen bereit, damit genügend Zeit zum Üben und für Korrekturen bleibt:

Im ersten Schritt halte ich meinen Vortrag am Laptop laut für mich selbst. Dabei überprüfe und korrigiere ich die Inhalte und notiere mir wichtige Redewendungen und Überleitungen im Referententool. Im zweiten Durchgang übe ich mich darin, diese Randnotizen einzusetzen, mein Timing zu überprüfen und wenn nötig, Erklärungen zu ergänzen bzw. Längen zu kürzen. Erst im dritten Step halte ich den Vortrag vor einem Spiegel oder vor meiner Familie, um ein Feedback zu bekommen. Auch diese Rückmeldungen werden berücksichtigt und führen zu weiteren Verbesserungen.

So ist es mir in den Jahren gelungen, über die Routine im Inhaltlichen so viel Sicherheit zu entwickeln, dass mich Zwischenfragen oder technische Probleme immer seltener aus dem Konzept bringen können. Trotzdem blieb in mir immer das ungute Gefühl, nicht perfekt genug zu sein, meine Zuhörer nicht erreichen zu können, dieses zwanghafte "Ich-muss-mich-mehr-anstrengen". Ein Schlüsselerlebnis hat mir letztendlich dabei geholfen, eine andere Einstellung zu mir und meinen Fähigkeiten zu entwickeln:

Ich war zu einer interessanten Vortragsveranstaltung eines bekannten Professors geladen, der als perfekter Redner und Wissenschaftler gilt. Zufälligerweise war ich eine Stunde zu früh und betrat den leeren Vortragssaal, in dem der erfahrene Referent allein am Pult stand, den Raum auf sich wirken ließ und ebenso konzentriert wie entschleunigt seine Folien durchspielte. Sofort spürte ich, hier störe ich einen sensiblen Menschen dabei, zur Ruhe zu kommen und sich auf seinen Auftritt vorzubereiten. Leise zog ich mich zurück.

Dieses Erlebnis hat meine Einstellung nachhaltig verändert. Ich verstand, Lampenfieber ist keine persönliche Schwäche von mir, sondern etwas ganz Natürliches, eine sinnvolle Energie, die dazu dient, eine Aufgabe ernst zu nehmen und sich intensiv darauf vorzubereiten. Ja, sie ist sogar notwendig, um sich mit einem Stoff wirklich auseinanderzusetzen und sich mit ihm identifizieren zu können. Plötzlich verstand ich, warum erfolgreiche Schauspieler von der Bühne und ihrem Lampenfieber schwärmen können.

Diese Erfahrung war für mich ein wichtiger Schritt zu mehr Selbstakzeptanz und Selbstbewusstsein. Die Entscheidung, meine Nervosität anzunehmen, ja wertzuschätzen machte es mir viel leichter, damit umzugehen. Meine Unruhe verlor einfach ihren Schrecken. Auch heute bereite ich mich akribisch auf meine Auftritte vor, aber immer häufiger bemerke ich, dass ich meine Notizen und Manuskripte gar nicht benötige. Wie das Netz für den Akrobaten sind sie nur für den Notfall gedacht, geben mir aber eine wohltuende Sicherheit.

Und das Schönste daran ist, dass ich es mir abgewöhnt habe, perfekt sein zu müssen. Immer selbstbewusster zeige ich, was es mit meinen Gefühlen macht, im Rampenlicht zu stehen. Ich habe den Mut entwickelt, zu diesen Unsicherheiten zu stehen und je mehr ich sie zum Ausdruck bringe, desto leichter wird es, meine Zuhörer für mich und meine Themen zu gewinnen.

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