CIT-Consult Emotion-Blog

Auf dem Weg zum Glück - Spontanität

11.04.2013 von: Miklas Wrieden

Vor einigen Monaten begann wir eine Kooperation mit der Bildungsstätte des Landkreis Osterholz. Gemeinsam mit meinem Geschäftspartner legten wir ein Konzept für die Betreibung des vorhandenen Hochseilgartens vor und bekamen den Zuschlag. Seit Jahren wollte ich diese Aufgabe übernehmen. Doch viele Stolpersteine, die sich aus heutiger Sicht als der wahre Weg darstellen, waren Bestandteil dieses Erfolgs. Heute können wir nach unseren Wünschen dort arbeiten.

Ein spontaner Einfall führte zu einer passenden Neugestaltung des Hochseilgarten-Areals. Diesem kurzen Moment gingen Wochen und Monate mit vielen verschiedenen Gedanken voraus. Auch ein klares "Nein, so kann ich das nicht machen!" gehörte dazu. Heute glaube ich, dass diese Zeit nötig war, um das "Heureka" in mir zuzulassen, um die Spontanität des Moments zu spüren und ihm die Freiheit zu schenken.

Meine Spontanität ist weit im Voraus geplant
Meine Kreativität ein Verzweiflungsakt
Ohnmacht und Macht gehen Hand in Hand
Ich lebe die Freiheit mit dem Rücken zur Wand
(Liedtext von Manfred Hilberger)

Der spontanen Idee folgte eine Reihe von Entscheidungen und Handlungen. Das Konzept nahm langsam Gestalt an. Wir hatten eine Woche für den Abbau der bestehenden Anlage Anfang Dezember geplant. Kaltes Wetter war vorprogrammiert, hielt uns aber nicht davon ab, in die Bäume zu gehen und Schraube um Schraube abzubauen. Befreundete Trainer-Kollegen waren auch ohne Honorar bereit, mit Hand anzulegen. Am Zeiten Tag war es eine Zeit lang still und jeder arbeitete vor sich hin. Dann kam der Moment, in dem von mehreren Bäumen gleichzeitig Signale kamen, dass nun das Material zu Boden fällt. Euphorie durchdrang uns alle.

Die nächsten Tage zeigten, dass unsere ursprüngliche Planung nicht eingehalten werden konnte. Wir mussten improvisieren, um bei Kunstlicht fertig zu werden. Jeder trug sein Wissen zum Gelingen bei. Manch waghalsigen Moment gab es und am Ende lagen wir uns mehrfach zufrieden und glücklich über den gemeinsamen Erfolg in den Armen. Ich spürte eine Verbundenheit, die wohl aus dem Moment heraus entstanden ist. Ein Gemeinschaftsgefühl, das durch die Wertschätzung des Einzelnen und dessen Spontanität im Handeln möglich wurde.

Zum Aufbau, ein paar Monate später, waren alle wieder da. Mir wurde erst jetzt so richtig bewusst, was für eine Bindung und Beziehung sich entwickelt hatte. Ich spürte die Freude am Miteinander und am gemeinsamen Gestalten. Die Stimmung wurde immer lockerer, über meine Rolle als Initiator und Organisator wurde immer mehr gescherzt, meine Anweisungen persifliert und mit übertriebenem Gehorsam ausgeführt. Ich lernte dabei, mich selbst nicht so wichtig zu nehmen, sondern die Menschen und ihre Fähigkeiten in den Prozess zu integrieren. Ich bin sehr dankbar für die klaren Worte, die wir austauschten.

Meine Spontanität ist weit im Voraus geplant
Dadurch kann ich nicht seh'n, wovor man mich gewarnt
Freude und Leid gehen Hand in Hand
Und den Sinn von alledem hab ich zu oft verkannt
(Liedtext von Manfred Hilberger)

Endspurt im Aufbau. Donnerstag, am Tag vor dem Pressetermin verließen wir erst zum Sonnenuntergang das Gelände. Unseren Tages-Zettel arbeiteten wir bis auf ein paar Kleinigkeiten ab. Körperlich geschafft, aber befriedigt gingen wir früh zu Bett. Der morgige Tages-Zettel war schon gut gefüllt. Und am nächsten Morgen füllte er sich weiter. Mit dem Unvorhersehbaren. Ein Ankerpunkt für die Aufhängung eines Elementes musste korrigiert werden. Zwei Stunden zusätzliche Arbeit. Im Kopf warf ich meinen Tagesablauf mehrmals komplett um.

Freitag ist Pressetag. Um 13 Uhr kamen Redakteure eines Magazins. Mein Geschäftspartner und zwei weitere TrainerInnen arbeiteten emsig an der Fertigstellung des letzten Elements, während ich den Magazin-Redakteuren zwei Stunden erstes Erleben und Erfahren ermöglichte. Dann folgte der offiziellen Pressetermin mit meinem Kooperationspartner für die lokalen Zeitungen. Trotz über den Haufen geworfener Planung spürte ich, dass ich mich auf meine Mitarbeiter verlassen konnte und sie alles rechtzeitig fertig stellen würden.

Mit einer spontanen Aktion leiteten wir die TrainerInnen-Schulung zum Thema Sicherheit und Rettung ein und ließen uns mitten im neuen Areal auf Baumstümpfen nieder. Eigentlich hatte ich mir zum Auftanken eine Stunde frei eingebaut. Durch die einführenden Worte meines Kooperationspartners entstand eine wertschätzende Atmosphäre, die mich wieder mit Energie auffüllte. Im weiteren Schulungs-Verlauf ließ ich mich mehr und mehr auf die Lockerheit meiner TrainerInnen ein. Eine gemeinsame Arbeitsaktion entwickelte sich über konzentriertes Aufbauen und üben der Rettungszenarien hin zu einer von Humor geprägten Lernerfahrung, die in gemeinsamer Umarmung und herzlichem Lachen endete.

Wir haben das Team gelebt.
Meine Spontanität ist weit im Voraus geplant
Liebe wird zu oft mit Egoismus getarnt
Geben und Nehmen gehen Hand in Hand
Doch nur Demut führt dich wirklich in's gelobte Land
(Liedtext von Manfred Hilberger)

Am Tag danach fühlte ich tiefe Befriedigung für das Erreichte. Ich hatte gelernt, dass Vertrauen bedeutet, einen Samen zu setzen und der werdenden Pflanze ihre Zeit, ihr Tempo und ihre Art und Weise des Wachsens zu lassen. Die Erbanlagen entsprechen dabei wohl der Planung. Die äußeren Umstände bedingen das Wachstum, in dem Spontanität den Prozess prägt. Spontanität lebt von Planung. Vom Wissen, dass alles da ist und ich nur darauf vertrauen brauche, dass es zur rechten Zeit zu mir kommt.

So kann ich glückliche Befriedigung in meinem Tun erleben.

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