CIT-Consult Emotion-Blog

Burnout-Prävention: Raus aus der Sackgasse

15.01.2013 von: Michael Blochberger

Trainings, Seminare und Coaching zu Resilienz und Burnout-Prävention, Sinngebung, Persönlichkeitsentwicklung, Authentizität und Selbstbewusstsein Seit Wochen versuche ich, meinen Freund Philipp zu erreichen – vergebens. Telefonisch antwortet mir immer nur die Mailbox. Meine E-Mails bleiben unbeantwortet und meine SMS laufen ins Leere. Zunächst mache ich mir keine Gedanken. Philipp ist beruflich stark eingespannt, hetzt per Bahn von Termin zu Termin, um bundesweite Projekte zu steuern. Er wird sich schon melden, wenn er wieder Luft hat. Nach fünf Wochen kommt nur eine merkwürdig kurze Mail: "Mache längeren Urlaub, melde mich wieder, wenn ich zurück bin."

Drei Monate vergehen, bis wir uns wieder sehen. Bei Kaffee und Kuchen gesteht er mir, dass es auch ihn erwischt hat: Diagnose "Burnout". Er, der erfolgreiche Manager: ehrgeizig, engagiert, belastbar, immer auf der Überholspur, scheinbar immun gegen jede Krankheit war an seine Grenzen gestoßen und für zehn Wochen ausgefallen. Wie konnte das passieren?

Er beschreibt es als eine Spirale: Die steigende Dauerbelastung, das zusätzliche Sonderprojekt mit verstärkter Reisetätigkeit, eskalierende Konflikte mit einem psychopathischen Bereichsleiter, erste Rückschläge in wichtigen Projekten, vermehrter Druck durch Vorgesetzte, ein wichtiger Termin der platzt und schließlich der Selbstmord eines Mitarbeiters. Da war plötzlich alles zu viel: ein schier unlösbarer Knoten aus Hilflosigkeit, Angst und Schuld, der ihn lähmte, ihm den Atem nahm, ihn zu erdrücken drohte.

Philipp mit seinen hohen Anspruch an seine Arbeit, er will es immer allen Recht machen, fühlt sich für alles verantwortlich. Durch seine scheinbar grenzenlose Leistungsbereitschaft war er sich der Wertschätzung seiner Vorgesetzten immer sicher gewesen. Nun musste er feststellen, wie schnell er die Wertschätzung verlieren kann, wenn einmal etwas schief geht. Und hatte er nicht in all dem Stress den Kontakt zu seinem Mitarbeiter vernachlässigt? Wäre es nicht seine Aufgabe gewesen, diese Tragödie zu verhindern?

Ich erinnere mich an meine eigene berufliche Krise vor vielen Jahren als erfolgreicher Werbemann und erkenne die Parallelen: Auch ich war überzeugt, durch Mehrleistung Probleme und Konflikte wegarbeiten zu können, ging finanzielle Risiken ein, um größere Etats zu gewinnen, glaubte, meinen moralischen Grundsätzen untreu werden zu müssen, und vergaß gute Mitarbeiter zu binden, um den Erfolg zu sichern. Als dann wichtige Präsentationen verloren gingen, brauchte auch ich Unterstützung von außen, um die erdrückende Last abzuschütteln.

Was früher als Überarbeitung oder Depression abgetan wurde, wird heute immer häufiger als "Burnout" diagnostiziert, obwohl das bis heute keine offizielle medizinische Diagnose darstellt. Was sind die Ursachen für einen Burnout? Sind alle Menschen gleich gefährdet? Und was kann ich persönlich tun, um mich selbst vorm "Ausbrennen" zu schützen? Schnell wird deutlich: Es braucht mehrere Voraussetzungen, um einen Burnout zu bekommen:

Die äußeren Arbeitsumstände wie hohe Arbeitsbelastung, Konfrontation mit Problemen, zu hohe Erwartungen, mangelnde Strukturen und Ressourcen, fehlende Anerkennung oder berufliche Rückschläge sind die klassischen Bedingungen auf dem Weg zum Burnout. Über eine übliche Stressbelastung hinaus sind unmenschliche Arbeitsbedingungen, mangelndes Verständnis oder fehlende Unterstützung im Arbeitsumfeld verstärkende Faktoren.

Um am Burnout Syndrom zu erkranken spielt aber auch die Persönlichkeit eine entscheidende Rolle: Die Betroffenen sind in der Regel sehr ehrgeizig und perfektionistisch veranlagt, suchen besonders in ihrer Arbeit nach Bestätigung und Anerkennung und versuchen, ihre hohen Idealen wie Hilfsbereitschaft, Loyalität, Vertrauen oder Gerechtigkeit zu verwirklichen. Hinter diesen Einstellungen verbergen sich oft die Ängste zu versagen, Erwartungen nicht zu erfüllen, die Kontrolle, die Sicherheit oder den Arbeitsplatz zu verlieren.

Weil Burnout-gefährdete Persönlichkeiten so stresserprobt sind, verstehen sie es, die warnenden Signale wie Lustlosigkeit, Niedergeschlagenheit, Müdigkeit, Frustration oder Reizbarkeit zu überspielen. Verspannungen, Nervenzucken, Schlafstörungen oder Magen-Darm-Beschwerden werden verharmlost und mit noch mehr Anstrengung kompensiert. Oft lässt eine Krise, eine berufliche Niederlage oder eine persönliche Enttäuschung das Kartenhaus endgültig zusammenbrechen. Plötzlich scheint alle Anstrengung so sinnlos. In grenzenloser Ohnmacht verweigern Körper und Seele die Gefolgschaft. Der Mensch fühlt sich in der Sackgasse und benötigt professionelle Hilfe, um sich daraus zu befreien.

So weit muss es nicht kommen. Wer Burnout vermeiden will, sollte die oben beschriebenen emotionalen und körperlichen Symptome ernst nehmen, seine Einstellung zur Arbeit überprüfen und damit beginnen, persönliche Glaubenssätze kritisch zu hinterfragen und seine Resilienz zu entwickeln. Es gibt keine Patentrezepte, aber wenn Sie die folgenden Aspekte leben lernen, können Sie Burnout verhindern:

Nein sagen und Grenzen setzen. Wer gelernt hat, Aufgaben abzulehnen, wenn sie seine Kapazitäten und Kompetenzen überschreiten, braucht Burnout nicht zu fürchten. Dazu zähle ich auch die Fähigkeit, emotionalen Grenzüberschreitungen Einhalt zu gebieten. Wenn ein Vorgesetzter oder ein Kunden sich im Ton vergreift, im täglichen Miteinander die Wertschätzung fehlt, gilt es, Hemmungen und Ängste zu überwinden und Stellung zu beziehen: Machen Sie deutlich, dass Sie das nicht mit sich machen lassen!

Selbstbestimmung. Burnout-Patienten fühlen sich immer als Opfer der Umstände, weil sie glauben, die Bedingungen anderer erfüllen zu müssen. Deshalb sollten Sie sich bewusst machen, dass Ihnen die letze Entscheidungsgewalt niemand nehmen kann. Nur Sie sind dafür verantwortlich, wenn Sie sich zum Opfer machen lassen. Beginnen Sie damit, sich täglich für ihr Handeln zu entscheiden. Wenn etwas Ihren Bedürfnissen und Werten widerspricht, dann dürfen Sie es ablehnen. Sie müssen nur lernen, sich auf die möglichen Konsequenzen vorzubereiten. Zur Not heißt das, den Arbeitgeber oder den Beruf zu wechseln.

Sinnerfüllung. Burnout-Betroffene haben zu lange die Sinnlosigkeit ihres Handelns übersehen und verdrängt. Damit es nicht so weit kommt, sollten Sie regelmäßig hinterfragen, wofür Sie sich engagieren. Entspricht Ihr Tun auch Ihren Werten und Bedürfnissen? Oder verrichten Sie nur noch Ihre Pflichten? Wer das Gefühl hat, sich im Hamsterrad zu drehen, sollte innehalten und sich zumindest zeitweise eine Tätigkeit suchen, die sie oder ihn wirklich befriedigt und erfüllt – unabhängig vom Geld.

Selbstvertrauen. Wir alle sind abhängig vom Vertrauen zu uns selbst und vom Vertrauen anderer. Erst in Krisen wird deutlich, wie weit wir in unserem Selbstbild von unserer Leistung und von der Meinung anderer (un)abhängig sind. Wenn der Erfolg ausbleibt, wir auf die Hilfe anderer angewiesen sind, zeigt sich die Qualität von Freunden, Kollegen und Vorgesetzten. Wer mit sich selbst im Reinen ist, auch in kritischen Momenten noch an sich glaubt und auf andere bauen kann, hat Burnout nicht zu fürchten, weil er dem Leben vertraut.

Der Weg zur inneren Ruhe und Bewusstheit führt über Niederlagen, Krisen und andere Formen der Selbsterfahrung. Auch ein Burnout kann eine solche wichtige Erfahrung sein. Gesünder ist es allerdings, sich mit der eigenen Persönlichkeit zu beschäftigen und sich von emotionalem Ballast zu verabschieden, bevor es dazu kommt. Drei unserer Trainings, die auch Philipp hätten helfen können, haben sich dazu besonders bewährt:

Flexibilität und Selbstwirksamkeit stärken

Mit Gefühl und Empathie zu mehr Erfolg

Resilienz für Führungskräfte – mit der Karriere leben

SinnesWandel

 

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