CIT-Consult Emotion-Blog

Nein oder Leider kann ich dazu nicht Ja sagen

14.11.2012 von: Gastautor Joachim Hilbert

nein sagen lernen durch training und coaching: emotionale Kompetenz, selbsterfahrung, persönlichkeitsentwicklungEs gibt ein Wort, das vielen von uns nur schwer über die Lippen kommt. Obwohl es aus vier Buchstaben besteht, scheint die Aussprache kompliziert zu sein. Die Äußerung eines Nein verbinden wir in der Regel mit Ablehnung. Einen Gegensatz aufzuzeigen, bedeutet, Stellung zu beziehen. Und das fühlt sich manchmal nicht gut an.

Vielleicht kommen Ihnen diese Reaktionen bekannt vor?
"Nein zu sagen, finde ich unhöflich."
"Ich möchte niemandem weh tun."
„Konflikte setzen mich unter Druck.“

Hätte ich doch bloß Nein gesagt

Ja-Sager sind vielleicht beliebt.
Auf der anderen Seite haben viele von uns auch schon gespürt,
wie hoch der Preis für ein vorschnelles Ja sein kann.
Im ersten Moment mag eine Zustimmung leichter sein.
Doch damit ist die Situation nicht ausgestanden.
Ein Ja gilt in in vielen Ländern als Verpflichtung.
Das bedeutet, ich darf jetzt zu meinem Wort stehen.
Die Konsequenzen sind je nach Zusage unterschiedlich.
Vielleicht opfere ich mein Wochenende für Renovierungsarbeiten bei einem Freund,
obwohl ich viel lieber Zeit mit meiner Familie verbringen würde.
Oder ich besuche mit meiner Freundin eine Fete,
bei der mich die Leute wenig interessieren.
Ein bestimmtes Nein hätte wahrscheinlich nur wenige Sekunden in Anspruch genommen.
Doch jetzt darf ich für mein inkonsequentes Handeln mehrere Stunden investieren.
 

Sagen Sie Ja zu sich

Machen wir etwas, wonach uns eigentlich nicht ist,
nagt das oftmals auch am eigenen Selbstwert.
Wir stufen das Anliegen anderer Menschen höher ein,
als unser eigenes Wohlbefinden
Wir gehen lieber einem Konflikt aus dem Weg,
als für die eigenen Bedürfnisse einzustehen.

Aber ich kann doch nicht nur an mich denken und zum Egoisten werden!
Zu lernen, bewusst und konsequent zu handeln,
heisst ja noch lange nicht, ständig Nein zu sagen.
Es bedeutet vielmehr, den eigenen Sprachschatz um ein Wort zu erweitern.
Natürlich ist es schön, wenn wir anderen Menschen helfen können.
Vor allem, wenn es von Herzen kommt.
 

Was soll ich denn jetzt ohne dich machen?

Nun gibt es natürlich Zeitgenossen,
die eine „Ablehnung“ nicht so ohne weiteres akzeptieren.
„Aber, du hast mir doch sonst immer geholfen!“
„Magst du mich nicht mehr?“

Jetzt werden wir auf die Probe gestellt, wie ernst wir es meinen.
Der erste Schritt ist, sich der Folgen einer vorschneller Zustimmung bewusst zu werden.
Wie viel Zeit kostet mich ein Ja?
Danach ist klare Rhetorik angesagt.
Bitte benutzen Sie dabei keine Weichmacher wie „vielleicht“ oder „eventuell“.
„Vielleicht kann dir jemand anderes helfen.“ oder
„Geht es nicht auch ohne mich?“ klingen wenig überzeugend.

Fühlen Sie sich bitte auch nicht berufen,
Ihr Gegenüber zu beraten, wie es die Situation ohne Sie bewältigt.
Sie haben keinen Erziehungsauftrag.
Jede Erklärung oder Begründung Ihres Neins,
bietet wortgewaltigen Mitmenschen willkommene Angriffspunkte.
Ehe Sie sich versehen, werden Ihre Argumente in Frage gestellt
und Sie befinden sich mitten in einer langwierigen Diskussion.
 

Die Fähigkeit, das Wort "nein" auszusprechen,
ist ein weiterer Schritt in Richtung persönlicher Freiheit.

Sie wollen lediglich heute einer Bitte nicht nachkommen.
Sie meinen es ernst und möchten sich mit Ihrer Entscheidung gut fühlen.
Ihre Antwort kann dabei höflich und klar ausfallen.
Was halten Sie von den folgenden Formulierungen?
"Es tut mir leid, die kommende Woche bin ich vollauf ausgebucht."
„Dazu kann ich leider nicht ja sagen.“
"Wenn ich das erledige, täte ich mir keinen Gefallen."
"Dazu fehlt mir momentan die Energie."
Leiten Sie Ihre Aussage am besten mit einem Ausdruck des Bedauerns ein.
Damit haben Sie Ihrem Gegenüber schon viel Wind aus den Segeln genommen.

Richtig spannend wird die Kommunikation, wenn Sie auf eine Anfrage
einfach nur mit "Nein" antworten. Ohne Begründung!
Nein kann ein vollständiger Satz sein.
Probieren Sie sich aus.
Werden Sie bockig.
Kommen Sie wieder in das Trotzalter.

Und am Ende passiert oftmals etwas ganz Erstaunliches.
Weil ich mich gut abgrenzen kann, habe ich auf einmal Überschuss.
Jetzt bringt es wieder richtig Freude, anderen Menschen von Herzen zu helfen.
 
von Gastautor Joachim Hilbert
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