CIT-Consult Emotion-Blog

Trainer und Teufel

24.09.2012 von: Michael Blochberger

Trainings, Seminare und Coaching zu Führungskompetenz, Persönlichkeitsentwicklung, Authentizität, emotionale Kompetenz, Selbstbewusstsein, selbstmanagementIch bin auf dem Weg zum Seminarhotel. Im Kofferraum die Trainingsunterlagen, Materialien und Charts für ein völlig neues Führungstraining, das heute Abend Premiere feiern soll. Über zwei Jahre gehe ich schon mit der Idee zu diesem Seminar schwanger, sollte es doch unsere bisherigen Persönlichkeitstrainings an Intensität und Erlebnistiefe überbieten, um den erfahrenen Führungskräften unter unseren Kunden eine weitere Stufe der Persönlichkeitsentwicklung zu ermöglichen. Über Monate habe ich recherchiert, gelesen und Informationen gesammelt, bevor sich Methoden, Übungen und Eingebungen wie ein Puzzle zu einem sinnvollen Konzept zusammengefügt haben. Und jetzt soll es soweit sein, ich parke meinen Wagen vor dem Seminarhaus, gehe zum Tor des Anwesens… und stehe vor verschlossener Tür!

Ich will nicht wahrhaben, was nicht sein darf: Das Tor ist verschlossen. Die Parkplätze vor dem Haus frei. Auf mein Klingeln, keine Reaktion. In einer Stunde werden die ersten Teilnehmer kommen und hier ist niemand auf uns vorbereitet! AUCH DAS NOCH – schießt es mir durch den Kopf. Hat es in den letzten Monaten nicht genug Störungen und Rückschläge gegeben?

Zunächst hatte es Monate gebraucht, um alle Teilnehmer auf einen gemeinsamen Termin einzuschwören. Mehrfach musste der Termin verschoben werden. Dann machte der Ausfall meiner Co-Trainerin eine Konzeptänderung notwendig. Noch im Urlaub erhielt ich vier Wochen vor Termin den Anruf eine Teilnehmerin, die nach einer Bandscheiben-OP im Krankenhaus lag. Per Mail musste ich Ersatz finden, um die methodisch so wichtige Gruppengröße zu erhalten.

Gerade aus dem Urlaub zurück erfuhr ich, dass Teile des bestellten Seminarmaterials nicht mehr lieferbar waren und schließlich streikte unser Farbdrucker beim Ausdruck von Handouts und Plakaten. Im Laufe dieser ständigen Störfeuer hatte ich übersehen, dass das Seminarhaus diesmal nicht die endgültige Teilnehmerliste angefordert hatte. Was ist da schief gelaufen?

Per Handy erreiche ich den Hausbesitzer im Auto. Er trommelt alle Beteiligten zusammen und 15 Minuten später suchen wir nach einer akzeptablen Lösung. Durch das mehrfache Verschieben des Termins hatte die Organisationsleitung es versäumt, den endgültigen Termin zu notieren. Die Zimmer sind nun für zwei Tage doppelt gebucht, so dass wir auf einen kleineren Seminarraum ausweichen müssen. Da im benachbarten Hotel genügend Zimmer frei sind, ist aber unsere Übernachtung gesichert. Schnell werden die Zimmer für uns gemacht und die Köchin bestellt. Und ich mache mich an die Einrichtung des Seminarraums.

Als die Teilnehmer eintreffen, bin ich die Ruhe selbst. Alle Hindernisse und Organisationsfehler konnten nicht verhindern, dass wir uns jetzt einem wunderbaren Trainingsthema widmen können. Was sollte jetzt noch passieren? Wir sind über den Berg. Alles, was uns jetzt noch stören kann, wird mit Leichtigkeit zu lösen sein!

Ich beginne das Seminar mit einem kurzen Rückblick auf die bereits überwundenen Hindernisse und ernte einige befreite Lacher. Wer immer uns Steine in den Weg legen wollte, wir haben es geschafft, uns wieder zu sehen und uns vier Tage auf uns und unsere Arbeit zu konzentrieren. Da nehmen wir einen kleinen Umzug nach zwei Tagen gern in Kauf.

Die Mitarbeiter unseres Tagungshauses reißen sich vier Tage lang ein Bein aus, um das Versäumte wieder gut zu machen. Die Stimmung ist prächtig, berührend und losgelöst von allen irdischen Widrigkeiten. Die Premiere des Trainingskonzeptes wird meinen Ansprüchen und den Erwartungen der Teilnehmer voll gerecht. Und als sich am letzten Tag die Elektronik meiner Videokamera gestört fühlt, ist das für mich ein weiteres Indiz für die besondere Energie in diesen Tagen. So werden wir dazu angehalten, die beeindruckenden Abschlusspräsentationen sechs visionärer Führungskräfte in unserem Herzen zu bewahren und nicht digital zu konservieren.

Was kann ich persönlich nun aus diesen Erfahrungen lernen? Vielleicht mehr Mut zu haben, auch einmal loszulassen und nicht alles kontrollieren zu wollen? Oder zu erkennen, dass ich keine Angst haben muss, zu nachlässig zu sein, weil sich fügen wird, was sich fügen soll? Sicher geht es für mich darum, mir mehr Freiheiten zu nehmen, die Lösungen auf mich zukommen zu lassen. Wenn ich erkenne, wohin die Reise geht, findet sich auch der richtige Weg. Es muss nicht immer der Weg sein, den ich geplant habe. Oft sind die zufälligen Lösungen die besseren, ich darf mir die Freiheit nehmen, sie zu erkennen und aufzugreifen.

Wenn die Zeit reif ist, entsteht etwas Neues. Wir müssen nur bereit sein, uns darauf einzulassen und Vertrauen haben. Der Teufel steckt ja im Detail, sagt man. Aber scheinbar gibt es eine höhere Instanz, die darüber erhaben ist.

facebook twitter