CIT-Consult Emotion-Blog

Herzenssache!

16.12.2011 von: Paula Bemmann-Wöschler

Zu oft unterschätzen wir die Macht der Berührung, eines Lächelns, eines freundlichen Wortes, eines offenen Ohres, eines ehrlichen Kompliments oder die kleinste Geste der Zuneigung, die alle das Potenzial haben, ein Leben zu verändern (Leo Buscaglia).

Die Worte haben mich richtig gepackt, hallen in mir nach. Vielleicht, weil sie meine Erfahrungen aus den EQ-Trainings so treffend beschreiben. Egal, wie die Gruppe zusammen gesetzt ist, egal, wie sehr sich die Einzelnen in ihrem Wesen und in ihren Erfahrungen unterscheiden oder ähneln – wenn einer den Mut hat und anfängt, seinen Nebenmann in seiner eigenen Art anzuerkennen, dann entsteht allmählich eine Verbundenheit und ehrliche Offenheit in der Gruppe, die jedem das Herz wärmt. Es ist jedes Mal so. Nicht jedes Mal in derselben Tiefe, aber immer ist zu spüren, wie gut diese gegenseitige Wertschätzung tut. Und immer wieder erleben Michael und ich die Ungläubigkeit darüber, dass das so einfach geht – mit Fremden oder mit Kollegen gar, die zuvor so unsympathisch wirkten.

Es ist so einfach, aufeinander zuzugehen und sich dadurch gegenseitig gut zu tun. Wir müssen nichts leisten dafür. Es braucht keine klugen Worte. Ich muss mich also nicht anstrengen dafür. Es braucht keine Ratschläge, Patente, umsetzbare Lösungsstrategien. Es braucht dafür nur Dasein, Zuhören und die aufkommenden Gefühle stehen zu lassen – ohne zu werten, ohne sie wegzuplappern oder mit eilig heran geschleppten Taschentuchpäckchen schnell wieder wegzuwischen. Es ist eigentlich so unendlich leicht und doch tun wir uns oft so schwer damit, obwohl wir doch wissen wie entlastend es für den anderen sein wird, wenn wir einfach nur da sind und damit zeigen, dass sein darf, was ist.

Gerade in der Vorweihnachtszeit spüre ich meine Sehnsucht nach Verbundenheit mit anderen, nach Nähe, nach Geborgenheit in der Gemeinschaft. Vielleicht kommt es daher, dass ich am Fuße des Erzgebirges aufgewachsen bin. Dort liegt über der Weihnachtszeit ein ganz besonderer Flair. Als Kinder haben wir für die Alten gesungen und wahrscheinlich verkläre ich romantisch die Tradition der „Hutzenabende“, die lange vor meiner Zeit stattfanden, als die Menschen sich im Gemeindehaus trafen, weil es dort warm war, schnitzten, klöppelten, sangen, schwatzten – in Gemeinschaft waren.

Manchmal habe ich das Gefühl, dass wir „in Gemeinschaft sein“ mehr und mehr verlernen. Auf der Jagd nach der Vervollkommnung unseres Potenzials rücken wir unsere egoistischen Ziele immer stärker in den Fokus und fühlen uns immer mehr behindert durch die Bedürfnisse und die Ansichten der anderen. Ja, manchmal haben wir den Eindruck, die anderen machen etwas nur, um uns zu ärgern. Oder haben wir einfach zu hohe Ansprüche an uns selbst? Was lässt uns mit Grauen an die Familie zu Weihnachten denken?

Was wäre, wenn wir einfach die Eltern sein lassen, wie sie nun mal sind, wenn wir uns nicht aufregen über die Chatgeräusche der jüngsten und nicht am Partner herummäkeln. Was wäre, wenn wir einfach nur Danke sagen, für das, was uns am anderen gefällt, anerkennen, dass er sich bemüht hat oder jemanden in den Arm nehmen – ohne Worte, ohne Erklären zu müssen.

Auf der letzten Weihnachtsfeier haben wir zu Beginn Zettel verteilt. Für jeden einen. Auf diesen Zetteln stand die Sammlung von allen Kollegen, was diese an einem gut finden und was sie bewundern. Der Raum füllte sich mit Freude, Glück und Tränen der Rührung. So wundervoll strahlende Gesichter habe ich lange nicht gesehen. Es war so einfach und es wurde die beste Feier seit langem.

Ich halte meine erste Weihnachtskarte in den Händen. Geschickt von einem Personalvorstand, mit dem ich nun schon seit über zehn Jahren zusammenarbeite und der sich mit dem obigen Zitat von mir verabschiedet. Er geht in Pension. Ich werde ihn sicherlich nicht wieder sehen. Ich bin traurig darüber und gleichzeitig fühle ich mich wertgeschätzt, weil er mit seiner Karte auch von mir Abschied nimmt und Lebewohl sagt. Ich hoffe, dass ein ebenso herzlicher und menschlicher Nachfolger ab Januar in seine Fußstapfen tritt.

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