| Verflixt authentisch |
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Ein kleines Beispiel zur Authentizität aus einem gruppendynamischen Seminar, welches ich vor kurzem besucht habe. Die Aufgabe lautete früh morgens, das ist wahrlich nicht meine Zeit, selbst, sprich aus der Gruppe heraus, eine Stunde zu gestalten. Ich hatte schon am Vorabend in einer ähnlichen Situation die „Führung“ übernommen, so dass nun die gesamten Augenpaare auf mich gerichtet waren. Nicht nur die Augen, sondern auch verbal kam die Aufforderung: Hey, du bist doch Trainer, dir muss doch was einfallen. Nach kurzer Absprache waren wir uns einig: „Es sollte etwas mit Bewegung sein.“ Mir fiel dazu eine dynamische Meditation ein. Ich hatte diese Meditation schon viele Male vorher selbst gemacht, jedoch nie angeleitet. Ich verspürte eine gewisse Unsicherheit und eigentlich hatte ich keine Lust, die Führung zu übernehmen. Trotzdem brachte ich meinen Vorschlag ein und er wurde angenommen. Allerdings wollte die Gruppe erst etwas machen, was wir schon an einem der vorhergehenden Tage machten, jedoch in einer kürzeren Version. Die Kombination beider Übungen in dieser Abfolge war völliger Nonsens, aber ich beugte mich der Gruppenentscheidung. Nach der Wiederholung war ich an der Reihe, meine Übung vor der Gruppe anzuleiten. Dabei sind mir nicht entscheidende, aber verunsichernde Fehler unterlaufen. Wir begannen also mit der Meditation. Schon nach wenigen Minuten konnte ich zwei Teilnehmer beobachten, die nicht mehr mitmachten. Zuerst dachte ich, sie kommen schon wieder rein, brach aber nach weiteren Minuten die Meditation ab. Auf mein Nachfragen, warum die Teilnehmer nicht mehr mitmachten, kamen die Anmerkungen. Kannst Du noch einmal den Bewegungsablauf erläutern? Kannst Du noch einmal das Ziel der Meditation erläutern? Ich beantwortet die Fragen nach bestem Wissen und holte mir die Einwilligung, es noch einmal zu versuchen. Als alle meinten, wir sollten es noch einmal probieren, begannen wir von vorn. Das Ergebnis war, diesmal nach einer etwas längeren Phase, das gleiche. Die beiden Teilnehmer brachen die Meditation ab. Bei einem Teilnehmer löste die Meditation tiefe Emotionen aus. Ich hatte das Wissen. Ich konnte die Abläufe vermitteln. Ich konnte das Ziel erläutern. Trotzdem bin ich als Leiter dieser Meditation „gescheitert“, weil ich etwas tat, was ich glaubte, das von mir erwartet wird, wozu ich im tiefsten Inneren zu diesem Zeitpunkt jedoch keinen Antrieb hatte. Ich hätte sagen müssen: „Tut mir leid, aber gerade kann ich nicht.“ Meine innere Einstellung (Emotionalität) hat nicht zu den äußeren Anforderungen gepasst! Oder anders ausgedrückt: Die anderen Teilnehmer haben mich nicht als authentische Führungskraft wahrgenommen. Möglicherweise wäre es anders gewesen, wenn ich mich auf diese „Rolle “ vorbereitet hätte, wie ein Schauspieler beispielsweise. Gute Schauspieler können sich bewusst in einen Gefühlszustand versetzen, so dass das Gespielte echt wirkt (ist). Voraussetzung hierfür ist, dass der Schauspieler dieses Gefühl selbst schon einmal durchlebt hat und er genau weiß, welchen Effekt er erzielen will. Diese „Technik“ wird vor allem bei Präsentationen wichtig. Ich stelle mir ganz genau vor, welches Ziel ich erreichen möchte und welchen Weg ich einschlagen werde um an dieses Ziel zu gelangen. Enorm wichtig ist die genaue Vorstellung, wie es sich anfühlt, den Weg zu gehen und die Ankunft am Ziel. Dadurch verbinden sich äußere Ereignisse mit den dazu gehörigen Gefühlen. Warum die Sicht nach „Innen“ so wichtig ist, belegen Erkenntnisse aus der Neurowissenschaft. – Beispielsweise richten sich 95% der Wahrnehmung nach Innen (Gedanken, Gefühle und Körperzustände). Lediglich 5% beziehen sich auf „Außen“. – Entscheidungen werden zu 80% emotional (limbisches System) getroffen. Der Verstand rationalisiert diese Entscheidungen lediglich. – Weniger als 1% der Aktivitäten von Nervensystemen und Gehirn sind bewusst. Der Rest ist un- oder unterbewusst. Wer also authentisch führen möchte, muss unweigerlich in sich gehen. Denn nur wer sich selbst kennt, kann eine Verbindung von Emotionen und Handlungen herstellen. Das Wichtigste ist die Einstellung, mein Bewusstsein und meine Achtsamkeit demjenigen gegenüber, mit welchem ich umgehe. Wie soll eine Führungskraft gut führen können, wenn sie die Menschen nicht liebt. Die Voraussetzung, andere zu lieben, ist sich selbst zu lieben und sich selbst anzunehmen als ganze Person und als Einheit. Vielleicht tun sich manche Manager deshalb so schwer im Umgang mit anderen Menschen. Authentizität bedeutet Echtheit. Angewendet auf Personen bedeutet Authentizität, dass das Handeln einer Person nicht durch externe Einflüsse bestimmt wird, sondern aus der Person selbst stammt. Eine als authentisch bezeichnete Person wirkt besonders echt, das heißt, sie vermittelt ein Bild von sich, das beim Betrachter als real, urwüchsig, unverbogen und ungekünstelt wahrgenommen wird. Dabei muss es sich nicht notwendigerweise um die realen Eigenschaften des Betrachteten handeln, sondern es können auch Zuschreibungen des Betrachters diese Eindrücke verursachen, die etwa auch Teil einer gelungenen Inszenierung darstellen können. Ist die Inszenierung übertrieben, wirkt sie schnell klischeehaft und wird zum Kitsch . (Wikipedia) In der Einleitung verstecken sich die entscheidenden Hinweise auf dem Weg zu einem authentischen Führungsstil. Das Unbewusste bewusst machen. Aus meiner Sicht kann authentische Führung nur dann erfolgen, wenn sich die Führungskraft dessen bewusst ist, was sie wirklich will. Dies erfordert ein gehöriges Maß an Distanz zu dem, was möglicherweise von der Organisation und der Gesellschaft erwartet wird. Unweigerlich wird man sich die Fragen stellen und beantworten müssen: Für welche Werte stehe ich? Welche Haltung habe ich entwickelt? Was will ich wirklich (in meinem Leben)? Habe ich eine Vision, die ich verfolge? Authentische Führung kann nur dann entwickelt werden, wenn quasi das Unterbewusste ausgewickelt wird und bewusst wird. von Rudolf Knauer |
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Ein kleines Beispiel zur Authentizität aus einem gruppendynamischen Seminar, welches ich vor kurzem besucht habe. Die Aufgabe lautete früh morgens, das ist wahrlich nicht meine Zeit, selbst, sprich aus der Gruppe heraus, eine Stunde zu gestalten. Ich hatte schon am Vorabend in einer ähnlichen Situation die „Führung“ übernommen, so dass nun die gesamten Augenpaare auf mich gerichtet waren. Nicht nur die Augen, sondern auch verbal kam die Aufforderung: Hey, du bist doch Trainer, dir muss doch was einfallen.