| Gelöste Gelassenheit |
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Das Leben, im Idealfall, ist eine Abwechslung zwischen Spannung und Gelassenheit. Oftmals verlieren wir aber die Gelassenheit (aus den Augen), und die Spannung, egal in welchem Lebensbereich, hält über den gesamten Zeitraum Einzug. Dabei würde es uns doch so gut tun, einmal in einem gehörigen Abstand unsere täglichen Aufgaben zu betrachten. Möglicherweise erkennen wir dann, wie verkrampft wir doch an unsere to do’s herangehen. Ein Grund dafür könnte darin liegen, dass wir mit unseren Gedanken oft schon in der Zukunft sind. Bei der Vorbereitung auf ein Meeting beispielsweise... denken wir immerzu an das zu erreichende Ergebnis und versuchen krampfhaft festzuhalten. In der Besprechung selbst klammern wir uns an das von uns gewünschte Ergebnis, sind wenig offen für andere Blickwinkel und tun uns schwer, andere Meinungen gelten zu lassen. Wirkliche Gelassenheit in unseren täglichen Besprechungen haben wir kaum noch. Nein, Gelassenheit bedeutet nicht, dass es mir egal ist welches Ergebnis erzielt wird. Es bedeutet auch nicht, dass ich keinen Einfluss nehmen soll auf den Ausgang der Beratung. Es bedeutet für mich viel mehr, zu wissen, dass ich alles getan habe, um optimal vorbereitet zu sein. Meine Meinung und meine Standpunkte sind ebensoviel „wert“ wie die der Anderen. Ich kann mich sehr gut daran erinnern, wie es ist, an Lenkungsausschusssitzungen teilzunehmen. Beide Parteien haben sich mit ihren Argumenten wie Ritter gerüstet. Jeder hat versucht dem Anderen zu erklären, dass sein Standpunkt der „Richtige“ sei. Es hat in der Regel nicht sehr lange gedauert, bis sich die Fronten so sehr verhärtet haben, dass eine Einigung schwierig wurde. Eine wohltuende Ausnahme gab es damals in diesem Sitzungskarussell. Speziell bei einem sehr großen Projekt, in welchem ich für die Implementierung einer ERP-Software der Bereiche Materialwirtschaft, Einkauf und Fertigung verantwortlich zeichnete, konnten wir uns eine gewisse Gelassenheit in fast allen Situationen bewahren. Die beteiligten Personen hatten über die Zeit hinweg ein sehr offenes und konstruktives Verhältnis aufgebaut. Ich hatte Respekt und Vertrauen zu den Menschen. Diese Haltung zeichnete das ganze Team, bestehend aus den externen und internen Projektmitarbeitern, aus. Es half uns, eine gewisse Leichtigkeit zu bewahren. Selbst in schwierigen Situationen konnten wir noch miteinander lachen und es war immer die Minute Zeit für einen Spaß. Ich erinnere mich noch daran, als wir feststellten, dass nach einer Umstellung des Systems die Rechenzeit, um die Bedarfe zu ermitteln, länger war als die dafür vorgesehen Nacht. Ich hatte einen Krisenstab zusammengestellt, um eine Lösung herbei zu führen. Jedoch war diese nicht am selben Tag zu erwarten. Nachdem die Softwareexperten herausgefunden hatten, was im Detail nicht funktionierte, nämlich eine Tabelle läuft über ihre Kapazität voll und blockiert dann das ganze System und noch das ein oder andere mehr, stand für uns fest: „es wird eine lange Nacht!“ So haben wir uns an vier verschieden Standorten auf die Nachtwache gemacht. Jeder hatte seinen Bereich zu beobachten und wusste, wie er im Bedarfsfall handeln musste. Verbunden waren wir über eine Konferenzschaltung per Telefon. Trotz der schwierigen und unbefriedigenden Situation haben wir unsere Leichtigkeit nicht verloren. Nachts um vier Uhr in schallendes Gelächter auszubrechen hat doch etwas, und macht die Sache einfach angenehmer. Auch im darauf folgenden Lenkungsausschuss kam die Rede auf diese Nachtparty. Es wurde nicht wie so oft auf dem Problem herumgetrampelt, sondern die, zwar zeitaufwändige, aber zu einem Ergebnis führende Lösung in den Vordergrund gestellt. Somit war der ganze Einsatz weniger Last, sondern hat am Ende auch sehr viel Spaß gemacht. Das soll nun nicht heißen, dass wir uns zu gegebenen Anlässen nicht auch einmal gehörig die Meinung gesagt haben, dass die Stimmung immer nur gut war, sondern dass es diese Abwechslung zwischen Spannung und Loslassen war, die dieses Projekt so einzigartig gemacht hat. Für mich stellt heute genau dieser Wechsel zwischen den Spannungen und dem Loslassen einen wichtigen Bestandteil meines Lebens dar. Wie sonst könnte ich die ausgelassene Stimmung bei meinen Freunden genießen, und im beruflichen Leben volle Präsenz zeigen. Auch gelingt es mir immer mehr über mich selbst zu lachen. Lachen und Spaß sind mit die besten Stresslöser. Muskelpartien, die wir sonst festhalten und verkrampfen, lösen sich, andere spannen wir dabei an. Und noch etwas spricht für das Lachen: „Lachen ist die kürzeste Verbindung zwischen Menschen“ (Victor Borge). In diesem Sinne wünsche ich Ihnen, liebe Leser, ein besinnliches und lustiges Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr.
von Rudolf Knauer |
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Das Leben, im Idealfall, ist eine Abwechslung zwischen Spannung und Gelassenheit. Oftmals verlieren wir aber die Gelassenheit (aus den Augen), und die Spannung, egal in welchem Lebensbereich, hält über den gesamten Zeitraum Einzug. Dabei würde es uns doch so gut tun, einmal in einem gehörigen Abstand unsere täglichen Aufgaben zu betrachten. Möglicherweise erkennen wir dann, wie verkrampft wir doch an unsere to do’s herangehen. Ein Grund dafür könnte darin liegen, dass wir mit unseren Gedanken oft schon in der Zukunft sind. Bei der Vorbereitung auf ein Meeting beispielsweise...