| Auf der Suche nach dem Glück |
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Wenn Geld nicht glücklich macht, was ist es dann? "Ich bin es leid, jeden Euro umdrehen zu müssen," meint meine Schwester zu mir und erwartet mein Mitleid. "Wo liegt das Problem?" frage ich. Typisch Mann versuche ich der Sache auf den Grund zu gehen und zu helfen, indem ich Lösungen anbiete. Und schon habe ich mich in die Nesseln gesetzt! Selbstverständlich will sie keine Ratschläge von mir, wie und wo sie ihr Geld zusammenhalten kann. Selbstverständlich tröstet es sie nicht, dass andere mit weniger Geld auskommen. Sie möchte verstanden werden, alles so lassen wie es ist und trotzdem reich werden. Aber mit dieser Einstellung wird sich nichts ändern. Das erlebe ich häufiger im Bekanntenkreis. Die Schwester, der Kollege, der Freund – alle haben eine gute Ausbildung, gut bezahlte Jobs, sind wirtschaftlich erfolgreich. Trotzdem klagen sehr viele, dass das Geld nicht reicht. Sie gehen mehrmals in der Woche in gute Restaurants. Müssen Golf und Tennis spielen. Sind im Fitness-Club aktiv. Fliegen im Urlaub auf die Malediven und nach Davos. Und erfüllen sich täglich die vielen kleinen Wünsche, die ins Geld gehen. Kurz: Sie klagen auf sehr hohem Niveau. Wenn ich davon erzähle, dass ich in meinem Leben immer mit meinem Einkommen ausgekommen bin, weil ich gelernt habe, unternehmerisch zu denken und mein Gehalt primär investiere, bevor ich ans Konsumieren denke, werde ich zunächst mitleidig belächelt. Und dann muss ich mir anhören, dass sie nicht bereit wären, auf Lebensqualität zu verzichten, nur um Besitz anzuhäufen und was denn wäre, wenn ich morgen tot umfallen würde usw... Hoppla! Wer war denn gerade noch unzufrieden mit seinem Leben? Wer wollte denn gerade noch getröstet werden? Und was heißt eigentlich "Lebensqualität"? Viele Menschen glauben, Lebensqualität hieße, sich in jedem Moment jedes Vergnügen leisten zu können. Aber genau diese Menschen zeigen sich häufig unzufrieden, weil die kurzfristige Freude am Konsum nicht ihre wahren Bedürfnisse befriedigt: Die Bedürfnisse nach Anerkennung, Sicherheit, Selbstbewusstsein oder einem sinn- und wertvollen Leben. Diese Menschen gehen lieber shoppen als zu sich selbst zu finden. Sie geben lieber 500 Euro im Monat für Zigaretten und Alkohol aus, statt für Kultur und Weiterbildung. Sie zahlen jeden Monat lieber 1.000 Euro für Miete, statt in die Sicherheit eines Eigenheims zu investieren. Jeder kann machen was er will, aber er sollte nicht seine Umwelt dafür verantwortlich machen, welche Prioritäten er setzt. Die Fähigkeit mit Geld umzugehen ist eine Frage der Emotionalen Intelligenz. Schon mit dem berühmten Marshmallow-Test haben Amerikanische Wissenschaftler nachweisen können, dass kleine Kinder, die aus eigenem Willen auf den Verzehr eines Bonbons verzichten können, um später mit 2 Bonbons belohnt zu werden, in Schule, Studium und Beruf weit erfolgreicher werden als die, denen das nicht gelingt. Der kurzfristige Verzicht zugunsten eines höheren Zieles wird von Daniel Goleman als Basiskompetenz der Selbststeuerung und der Emotionalen Intelligenz beschrieben. Wie die Kinder im Test geschildert werden, so entdecke ich auch in meiner Umgebung zwei Typen von Menschen:
Worin unterscheiden sich diese beiden Menschentypen? Es ist nicht die Ausbildung, nicht der Intelligenzgrad oder die Höhe des Einkommens. Die entscheidende Kompetenz liegt für mich in einem höheren Bewusstsein, der Erkenntnis, dass es über dem Alltäglichen, der fassbaren Umwelt etwas Wertvolleres gibt, etwas, wofür es sich lohnt, auf den kurzfristigen Genuss zu verzichten: Ideelle Werte, den persönlichen Sinn des Lebens, Spiritualität oder Glaube. Wenn ich die Phantasie habe, mir vorzustellen, wofür ich lebe und was ich gestalten und erreichen will, dann schöpfe ich aus dieser Vision die Freude und die Energie, den nächsten Schritt zu tun. Für die einen ist es Gott, für andere ist es die Liebe, für Dritte ist es Gerechtigkeit oder ein Mittel gegen Krebs zu entdecken. Allen gemeinsam ist es, dass sie bereit sind, sich selbst dafür zurückzunehmen, um etwas Höheres anzustreben. Die Frage darf also nicht lauten: "Wie schaffe ich es, nicht jeden Euro umdrehen zu müssen?" Wer diese Frage stellt, wird keine Erfüllung finden, denn Geld kann nur die Folge einer sinnvollen Tätigkeit sein und nicht der Sinn in sich. Die Frage kann nur lauten: "Wofür bin ich bereit, jeden Euro umzudrehen?" "Was gibt mir so viel Erfüllung, dass ich auf materielle Werte verzichten kann?" Wenn ich das weiß, habe ich Freude daran, kostenbewusst zu leben und mein Geld für meine Ziele zu investieren. Ich habe die Zufriedenheit in mir selbst gefunden. Ein Gefühl der Erfüllung – das ist Lebensqualität, die gar nichts kostet. Dieses Gefühl macht mich von materiellen Zwängen unabhängiger. Und weil ich den Mammon nicht mehr im Fokus habe, erscheint mir das Geld, das ich verdiene, wie ein Geschenk, wo ich es sonst nicht zu schätzen wusste. Wie kommt man dahin? Ich denke, jeder muss wohl seinen persönlichen Weg finden. 3 Punkte scheinen mir dabei erwähnenswert: • Die Bereitschaft, im Kleinen das Glück zu entdecken, statt dem Große hinterher zu hetzen, hat mir geholfen, dem Konkurrenzkampf zu entfliehen und zu mir selbst zu finden. • Eine möglichst finanzielle Unabhängigkeit von allen Institutionen ermöglicht freie Entscheidungen und ein selbstbestimmtes Leben. • Die Erkenntnis: Geld macht satt und zufrieden, aber nicht glücklich. Wer sinn- und visionslos auf das Geld fixiert ist, hat aber eine große Chance, unglücklich zu werden. |
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"Ich bin es leid, jeden Euro umdrehen zu müssen," meint meine Schwester zu mir und erwartet mein Mitleid. "Wo liegt das Problem?" frage ich. Typisch Mann versuche ich der Sache auf den Grund zu gehen und zu helfen, indem ich Lösungen anbiete. Und schon habe ich mich in die Nesseln gesetzt!